Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 20 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 - Berichte und UrtheÜe der Griechen und Äkömer über die Juden. i Wenn auch weniger ihrer Geschichte nach, doch -viel mehr nach ihren Sima und Gesetzen, kennt Dio Vor, aus Sicilien, die Juden. Schade, daß die Haupstelle, die wir von ihm über die Juden haben, nur Eprerpl aus P h o - tiuS ,ist. Auch er behauptetet.. XI..), daß die Juden bei der Gelegenheit aus Aegypten gewandert seien, als daselbst eine Pest (die er L. XXXIV. als Aussatz bezeichnet) herrschte, und da» Orakel befahl, all, fremden Stämme, deren es'damals viele in Aegypten gegeben habe, aus dem' Lande zu entfernen, wo denn Danau« und Kaomus nach Griechenland gingen, Moses aber mir vielem Volke na» dem damals wüsten Palästina sich wandte, und viele Städte, besonder» aber Jerusalem l) in Besitz nahm. An einer andern Stelle VL» I. CI. 28.) nimmt er an, die Juden halten die Sitte der Bcschneiduag von den Aegyplern entlehnt und mirgrbracht *). „Moses," fährt er fort, ,,war ausgezeichnet durch tiefen Verstand und Tapferkeit. Dieser gründete auch da» bei ihnen am meisten geehrte Herliglhum, und lehrte sie die Verehrung des göttlichen Wesens, und gab ihnen auch Gesetz« und Sraalseinrtchlung. Sr rheilre da« Volk in zwölf Stämme, weil er diese Zahl für ore vollkommenste hielt und sie üdereinstimme Mil den zwölf Monaten des Jahres^, Ein Liloniß der Goltherr bereitete er nia>k, weil er glaubte, Gott habe keine Menschengestalt, sondern der die Erde unifassende Himmel allein fei Gott und Herr des Alls V Die Opfer und die LedenSeinrichtungen ordnete er auf eine von den andern Völkern verschiedene Weife an. Die angenehmsten und angesehensten Männer setzte er zu Priestern ein, wieü diesen ihre Beschäftigung im Heiligthum bei den Opfern und gorteSdienilllchen Gebrauchen an, übergab ihnen die Entscheidung der vorzüglicheren RechtSs'älle, und machte sie zue Wache der Gesetze und Sitten. Deshalb gab es nie einen König der Juden'',, sondern der Vorstand des Volke« wurde im Allgemeinen dem überantwortet, der an Weisheit und Tugend unter den Priestern der vorzüglichste schien. Diesen nennen sie dm Hohenpriester, und erachten ihn für den Bolen der göttlichen Verordnungen. Dieser bringt nämlich die Verkündigungen in den Versammlungen vor, und hierin sind die Juden >'o gläubig, daß sie sich augenblicklich zur Erde werfen, wenn der Hohepriester solche« verkündet. Diesen Gesetzen ist am Ende hinzugeschrieben, daß Moses, was er den Juden sagre. von Gott gehört habe. Der Gesetzgeber harre auch viele Sorgfalt-für das Kriegswesen, und führte die Jünglinge an, sich in der Tapferkeit, Standhaftigkeit und Ertragung jeglicher Uedel zu üben und zu stärken. Er bildere Heer» je nach dem größer» Landbesitz der Stämme, und theilre da« Land in Loost, den Gemeinen kleinere, den Priestern größere gebend, damit sich der Werth admesse nach : den göttlichen Ehrm. Auch erlaubte er den Gemeinen nicht, : ihre eigenen Loose zu verkaufen, damit nicht durch Erwer-; düng von Reichlhum die Aecmeren aus ihren Loosen ver- > drängt würden, und Mangel an Männern entstände. Er J führte sie an, die Kinder auf dem Lande zu erziehen; und! durch die strenge Erziehung der Kinder hatte daher das jü- | bische Volk immer Uederfluß an Menschen. Auch über! Ehe und Begräbniß stellte er viele den andern Menschen j fremde Gesetze fest. Ader auch die zuletzt entstandene Ver-! Mischung mit andern Völkern, unter der Oberherrschaft der ' Perser, und der diese auflösenben der Macedonier, wurde Vieles der väterlichen Gesetze der Juden abgeschafft l>." l. Dieses ist unwadr, denn nichts ist gewisser, als daß seit der Rütttedr au« der babylonische» Gefangenschaft die Zuden annuzcu, sich viel fester und inniger an die mosaischen Gesetz«;u . idmeßfn, und ctu unauflöslicheres Baut mit ihnen zu knüpfen, ats vor rer Zerstörung des ersten Tempels. Die Beweise 1k-- ' ge» Zedern vor, der die Geichichie beider Zeiträume genauer rennen lernt. 'Jicttclbecf in einer jüdischen Tröüelbudc. ,Einc wahre Anekdote* . Nachdem der Verfasser den „Sturm im Kattegat" und oen Schiffdruch, den ec daselbst eclimen, umständlich bej schreibt, schließt die Erzählung wie folgt: ' „Alle Hanen aus dem Schiffbruche nur das nackte Leben gerettet. In Helsingor mußte Netkelbeck sich von Haupt 'di, Fuß neu bekleiden, um sich vor den Leuten sehen zu ' lassen. Ec trat in die Trödelbude einer Jüdin, um vor; Allem ein neues Hemd zu kaufen. Den geforderten Preis; aufzählend, beantwortete er ihr zugleich einige Fragen» die sie tau» Neugier an ihn richtete, und deutele auf seinen neu- > lichen Schiffdruch hin, aus dem er nicht einmal eine , Kopfbedeckung gerettet hätte. Seine Erzählung lockte ihr Thräaen in'« Auge, sie schlug die Hände zusammen und rief: „So soll mich doch Gott bewahren, daß ich Gelb von ’ Ihnen für das Hemd nähme!" — Vergebens versicherte er ihr, daß es, nun er am Lande fei, keine Noch mir; ihm habe; sie steckte ihm das zusammengeraffre Geld in die!Hanb, und das Hemd in den Busen; und als er jene« .! dennoch auf den Ladentisch legte, und mit Dank seines; Wege« ging, lief sie ihm nach, um es ihm wieder aufzu»! nölhigen, so baß er sie endlich bitten mußt«, auf der Straße kein Aufsehen zu erregen, und mit einem gerührten Händedruck von ihr schied." t) Ein leicht vetteil-ltcher Zrnhum: Jerusalem gehörte bis zu Davit den Jevu'itern. 'I, Es ist au« l. B- Mo>. c. 17 ust 21 hinlänglich bekannt, daß die Jsraelikeu die Beichucidung nachArgyplcu mitbrachten. 3) Ein sonderbarer Zrrlbum! 4^ Wieder Wahres mit Falschem vermischt' — II. B. Mos. 5) So icUle es sein, aber e« ist bekannt, daß die Zsraelicen nicht daran hielten, nnd seit Saul Könige Hanen. *' Au» RettelbeckS Leben. Der Sturm im Kattegat. Allgemeine Zeitung de« Judenthum«. Ro. 19. 1861. Leitende Artikel: Au« Preußen. — Au« dem österreichischen Kailerstaal. — Au« Nordamerika. Zeitungsnachrichten: Oesterreichifcher Kaiserst a a t: Pesth, au« den Karpathen. Rußland: Warschau, Warschau. KST Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich £ Thaler. Verantwortlicher Redakteur: £. Stabe. tkrUf ui B»»«gärt»er S 8iAb4ntbug in Leipzig. — Dam von 0». Kicysing in Leipzig.