Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 20 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
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- 78 — - umnOt an;ui;<hcrfn, an derselben 0* zu detheiligen, für sie und in ihr zu wirken, mit Einem Worte: ein lebendiges Glied dersilk.n m seinNein l es ist nicht genug, einige Tkaler i-V;>cUd> thc hinzuwerfen, unk» zu sagen: „Macht damit was. ihr wollt, und nun laßt mich ungeschoren'" sondern Tbat. persönliche Thar ist erforderlich. Zm Dollbewußtsein dessen befahlen unsere Weisen nicht dlos: r;-;-: ^-cr rx „Entkerne dich nicht non der Gemeinde," sondern 'prachen auch das scharfe, einschneidende Wort aus: 2 -r;?■;*•? nee „Wer sich der G> >'.m>mlheit entzieht, ist wie ein — . GotteSläugner." Denn wer sich der Gemeinde entzieht, wer sie hifitenanieyt und verfall.» laßt, der trägt zum Verfall der Gott-Slekre und derWohltbatlgk.it und zur Nichterreichung der großen Ziele, der Gewissensfreiheit und geieyltchcn Gleichheit bei. Und wer die'en absagt, sagt auch Gen ad — denn Gott und Gcrr.S ' heilige . Zwecke können nicht von einander grtrennt werden, diese gekoren zum Wesen GotteS selbst. Mil diesen Worten, mit dieser kurzen AuSeknanderi'etzung wollte ich Euch, auch von dieser Starte aus, auf die in diesen Tagen ftattfinöende Neuwahl eines Tkeiles Eurer Dertreter, da« ist Eurer Repräsentant.n aufmerksam machen, aus welcher Wahl bann wieder öle eines TbeUeS Eures. Vorstandes Kervorgeht; ich wollte Euch zeigen, daß «S eine tkeure Pflicht und Schuldigkeit Aller ist. sich an dieser Wahl zu detheiligen, und mit Ernst und Besonnenheit dieselbe zu treffen. WaS wird inan hiergegen einwenden? Ich freche natürlich nicht von Denen, w.lchen die Gemeinde so gut. wie gar nicht da ist, es sei denn zu ihrem Derdrusie an den Tagen, wo sie ihre Gemeindesteuer zu zahlen angehalten werden. Man wirb, einwenden: un'/re Gemeinde »st fo: beschaffen, daß man sie ruhig so weiter gehen lasten kann- Sehr' güd: daß m n so s^gcn kann, ohne geradezu Unrecht zu haben. Unsere Gemeinde ist gesetzlich constrtuirt, gemäß ihrem bestätigten Statute, idre Organisation ist vollständig, und Alles nimmt seinen regelmäßigen Verlauf, nach den feftgcsteUten Normen. Eden so trefflich ist dze finanzielle Lage der Gemeinde; die Lasten sind verhältnismäßig ve'rthcilt, die Leistungen sind regelmäßig, die Schulden werden verzinst, und planmäßig getilgt, und selbst, wie es ein sparsamer Wirtü zu thun pflegt, ein Ueberschuß gesammelt. Dabei befinden sich alle äußeren Institute der Gemeinde im besten Zustande, nichts ist im Lerfalle, Srnagoge, Schulhaus, Friedhof, die Gemeinbevereinc. Sicher muffen wir für alles Dies dem bisherigen Vorstand und den jeweiligen Repräsentanten aufrichtigen Dank wiffen. Ader wgS.noch mehr werth ist: unsice Gemeinde befindet sich durchaus in Frieden und Eintracht. Vier walten keine Leidenschaften vor, nicht Herrschsucht von oben, nicht Auflehnen und Drängen von unten, nia-t zwilchen Gemeinde und den Eultusdeamten, nicht zwischen diesen untereinander; ebenso wenig hat aber auchPacteiung irgend einm Boden gewonnen. Auch bei unS giebt eS in religiöser Beziehung verschiedene Richtungen, all die verschiedenen Stufen von stabiler Qttdodorie-ßs« zum gänzlichen IndifferentiSmuS; aber diese Dichtungen sind keine Parteiungen, sie leben friedlich' neben- und miteinander, sie machen und lassen sich geltend, einer Jeden geschieht nach Möglichkeit ihr Recht; da wird nicht gehaßt, nicht verfolgt, nicht verleumdet, nicht geflucht, sondern Jedem die Achtung gegönnt, die ihm als Mensch . und Israelit zukommt — DaS Richteramt ä^er ist GotteS! (srn crr:«*? C0C3/ Dies Alles ist wahr und gereicht zu wahrhafter Befriedigung. Aber ist dies ein Grund, die Gemeinde sich ruhig selbst zu überlassend" Gerade im Gegenlhcil. Dies muß der höchste Sporn sein, sich an ihr und ihren Angelegenheiten auf's lebhafteste;ü betheiligen. Denn erstens gerade diele Vorzüge müssen erhalten werden, und dazu gehört Wachsamkeit und Tkatigkeit; und zweitens muß immerfort gebessert, erweitert und fortgeschritten werden. Unsere Weisen sagen: rr spc'*T3 «p „wer nicht zunimmt, nimmt ab" iPirke Ab >.); wer nicht fortschreilcr, schreitet rückwärts; von dem Augenblicke an. wo ein Gebäude vom Baumeister dem Bauherrn als vollendet übergeben wird, ist die zerstörende Hand der Zeit daran, und muß die nachbessernSe Hand daran sein. Ja, alle unsere Institute, Gottesdienst, Schule, Vereine u. f. n. bedürfen immerfort der Verbesserung; Friede darf kein Stillstand, kein Schlaf, kein Tod fein; es ist Vieles bei uns geschehen, cS ist aber auch Vieles bei uns nicht geschehen, was härte geschehen können. Zu aller, aber ganz besonders in unserer Zeit steht der Strom deS Lebens nickt stille, selbst wenn wir es nickt bemerken, ringS um uNS bewegt sich Alles vorwärts, und ist nach einem Zahrzehend nicht mehr was er vor ihm war; ohne also sich einer Partei in die Arme zu werfen, und gerade um sich nicht einer Partei m die Arme zu werfen, darf man nicht stille stehen, damit nickt die heilige Gesammtheit zu großem und immer größerem Schaden gelange. Wohlan! so muß ich Euch energisch auffordern. Euch an der bevorstehenden Repräsentanten- und damit auch VorftandSwahl zu detheiligen, Euch an das Her; legen, daß Niemand wegbleibe, und damit seine Pflicht alS Mitglied der Gemeinde aus den Augen setze. Und dann, sagte ich. muß Jedweder die Wahl mit Ernst und Besonnenheit treffen. Da fragt Ihr: wen sollen wir wählen? Nicht ick gebe Euch Antworten, sondern das .heilige Wort der Lehre. oy.T bss nrnn rrneci 0’"c cn» nöci 5^3 '«:rn5N 'B:rr crib» \x*v r'n (2 Mos. 18, 21.) Erküre Dir auS dem ganzen Volke thatkraftige Männer, gotteSfürchtige, Männer der Wahrheit, Gewinn hassend, und setze sie zu Obersten ein" . . Thatkraftige Männer — nicht solche, welche die Würde annehmen, aber nicht die Bürde, das Amt, aber nicht die Pflicht,' sondern die energisch denken, sprechen und handeln, sorgfältig erwägen, fest sich entschließen und mit Kraft auSführen. Aber diese Thatkraft muß aus den reinsten, edelsten Gründen entspringen und von den lautersten Triebfedern geleitet werden. Darum zuerst und vor Allem „gotrevfücchtig." Ist es° ja eine israelitische Gemeinde, zu deren Leitung sie berufen werden. Um was und zu welchem Zwecke besteht diese? Der Religion wegen, diese zu üben und zu erhalten. Wie könnte die« ohne Gottesfurcht, ohne Liebe zur, ohne Eifer für die Religion geschehen? Und darum „Männer brr Wahrheit," der Offenheit, der Aufrichtigkeit, de« FreimuthS, de« Rechts! Nein! nicht List, nicht Intrigue, nicht Verkleinerungssucht darf die Vertreter der Gemeinde leiten, sondern Wahrhaftigkeit und Gesinnung«- treue. Und endlich Männer, die Bortheil und Gewinn, d. h. ungerechten Vortbeil und Gewinn Haffen, d. h. hier, die auch nicht im Entferntesten einen persönlichen Gewinn,