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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 20 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
20 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur V 3icfefirunij uni) llnterönftunfl ans jüdischem fleüirt^. Herausgegeben von |p , * Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. sNv. 20. 1861*] 'Hon dieser Zcitschritr erscheint wöchentlich «in« Nummer. Preis d e» I«br üangS » Ldlr- Biercelj^hrig 7 'X Rar. Alle Buchhandlungen, PvtzLmrer und ^enung»tkVeei«iouen nrbmeu «eftrllungeu an. ^8. Jihrg. 2. Hu-rtsl.] ->! if-m Die Gemeinde in ihrer Bedeutung und die Pflicht gegen sie. Eine Ansprache bei Gelegenbeil ver Repräsentantcnwahl *). Geehrte Gemeinde! Bon dem Augenblicke an, wo die Masse des israelitischen Volkes eine Organisation erhielt, von dem Saume der arabischen Wüste an, wurde die Gesammrheit Jsrael's ober eine Gesammrheit in Israel zu einem geheiligten. Begriffe. Mag der Einzelne, mögen selbst viele Einzelne tadelnswerth, abirrend, sündig sein sobald eine Anzahl Zusammentritt und eine Versammlung, eine Gemeinschaft, eine Gemeinde bildet, gebührt ihr hohe Achtung und Verehrung und alle Erregtheit gegen die Einzelnen muß aufhören, so daß es selbst unserm großen Lehrer Moscheh schwer angerechnet warb, als er bei dem immer wiederholten, an sich gerechtfertigten Murren vom Zorne hingerissen, die Aeltesten und das Volk mit harten, beschämenden Worten anredete. Zwei sind die Bezeichnungen, welche schon in.der Schrift für eine Versammlung oder Gemeinde Israels gebraucht werden, inp und rm, von denen die erstere mehr äußerlich als Versammlung, die letztere mehr innerlich als Zweck einer israelitischen Gemeinschaft zu verstehen, denn 7m heißt auch „Zeugniß", und r>?i5 und nii? sind die göttlichen Offenbarungen, Lehren, Gebote. Ist doch eine israelitische Gemeinschaft nie eine dloS weltliche, zu äußeren Zwecken, sondern hat stets einen religiösen oder wohllhätigen Inhalt. Darum heißt sie nicht blvs sse-nv'' brrp oder m;, sondern auch fr irrp und v'nrre b77p, ebenso r: my ,,*>»« Gemeinde des Ewigen," „die Gemeinde Gottes.*' So hoch auch jenes Land der Verheißung und der Klage, das Land -unserer Vater steht und gehalten wird, das wahre Eigenrhum, das eigentliche Erbtheil der Gemeinde Jsraels ist doch ein höheres, ein erhabeneres, wie eS schon gegen Ende der Tborah, da, als Israel in das heilige Land eben einziehen sollte, heißt' (5 Mos. 33, 4.): 12s msn-nn 2p-" rbnp rrs-na, nca „Moscheh gebet uns die Lehre, Erbtheil der Gemeinde Jakob's." Immer weiter, immer prächtiger dehnte daher auch die Sprache ihre Bezeichnung für die Gemeinden Israel'» aus. Nicht bnp genügte mehr, nicht ndnp, sondern v'dnpv und mirrpo, D,snp02 n *paN „in den Gemeinden, preise ich den Ewigen (Pf. *) Obwohl eigentlich local, möchte diese Ansprache doch für viele Gemeinden passen, und des Allgemeingitttigea genug enthalten, um hier mitgetheilt zu «erden. Die Redaction. 26, 12); o-n's« 72^2 minpa2 „in den Genieinden preiset Gott, den Herrn ihr aus Israels Quell." (Pf. 68, 27. ) Die Gemeinde selbst ist daher ein Höchhettiges) darin Gott, Gottesgeist waltet und sich kundgiebt, wie der Psalmist anhedr (82, 1.) b« ny2 2S3 O'nbN „Gott steht in der Gemeinde GotteS," und eS in der Chronik heißt (2 Zhron. 26, 14.): rnpn Ttn2 h nr der Geiss des Ewigen in der Mitte der Gemeinde." Dies reichet denn von da ab durch das ganze Judenthum, das jede einzelne Gemeinde, ob groß oder klein die Zahl ihrer Glieder, wiip77 *77pn. oder «D-ip «bnp nannte. [ Und in der^That wird die» Niemand als unzerechtfertigt, alS «ine Uebrrtrelbung erachte«. Bon der Zeit an, wo Israel aus feinem Lande vertrieben und durch die Länder zerstreut worden, und sein Heiligthum der Mittelpuri kt aller seiner nationalen und religiösen Beziehungen, verlor, waren es die aller Orten gebildeten Gemeinden, welche die Mütter, Pflegerinnen und Bildnerinnen der Religion des einig-einzigen Gottes wurden, und ihnen allein haben wir, hat Israel, hat die Menschheit die Erhaltung der reinen Go^teslehre , zu verdanken. Für diese brachten sie die größten Opfer, waren in Tausenden zum Marrprertode bereit, bauten und bauttn immer wieder, so oft sie zerstört, geplündert, getrommen wurden,'die GotteS- und Lehrkäuser, die Pflanzstätten des Wortes Gottes. Sie waren es, die durch ihre Anstalten zahllose Thränen der. Bedrängten trockneten, Flüchtlinge Aufnahmen, Gefangene löseten, Brautpaare ausstatteten, Waisen erzogen, Wittwen und Greise versorgten. Illnd ob nun auch fürdie Gemeinden Israels in vielen 4— nicht in allen -r* Ländern hie Zeiten der Verfolgungen |t>ocübfr sind, die Zeiten der Hingebung und Aufopferung fünd noch nicht vorüber, werden.zziemals vorüdergehen. Drei große Aufgaben sind es, die immer und immer die Gemeinden Jsrael's zu lösen haben: die Religion des Einzigen zu wahren, zu erhalten, zu fördern, durch > Synagoge und Schule, die Wohlthätigkeit zu üben und zwar 'in dem umfassenden israelitischen Sinne durch Dereine, Kaisen und persönliches Wirken, und über die äußere Stellung per Bekenner des JudenthvmS in Staat und Volk zu! wachen, , sie zu vertheidigen. und zu verbessern, die Verwirklichung 1 und Berhätigung der Gewissensfreiheit, die Gleichest vor dem Gesetze, immerfort anzustreben. Es sind dies große, ' bedeutungsvolle Werke, zu deren Ausführung stets große; Geld - und tüchtige Geisteskräfte nöthig^sind, welche beide I nur durch Hingebung und Aufopferung zu erlangen sind, j Wunder, daß es daher eine der heiligsten Pflichten 'jedes Israeliten, mit Geist, Herz und Vermögen der Ge-

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