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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 18 (1861) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
18 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 auch herzlose Mensche«, Me»schen, hie km Sturme des tiedenS Schiffbruch erlirre« haben, die Bande der Familie aufzulösen trachrercn, sie als Dorurtheil, als ledige und leidige GewoKnbttt zu verlachen fuchren: nicht wie das Tb;ec, das bald nach der Geburt von dem Multerschoß sich losreißt und seine- Wegeeilet, sollen den Menschen ewige, unauflösliche Bande an Die knüpfen, die den ge» heiligren Namen Darer, Mutter, Gatte, Gattin, Bruder, Schwester'führen! Nehmer diese dem Menschen, und er ist e,n schwaches Robr. da« jedem Winde sich beugt, ein losgrrissenes Blatt. dajedem Luftzuge folget. Fürwahr, stände es auch -nicht in jenem Buche des Lebens ver^ichn«:. „Ebre Deinen Darer und Deine Mutter! Hange an Deinem Weibe! Siehe, wie lieblich ist e« und süß, wenn Brüder friedlich mit einander wohnen" — fo stand« es doch mit Flammenschrift in unsre Herzen geschrieben, gegraben, unverloschlich! Und sicher: bas bürgerliche Leben de« Menschen bauet sich auf die Familie auf. Schon von der Stunde der Geburt an umgeben den Menschen di« Verhältnisse seines Vaterhauses, und lasten selbst von dem nicht ganz, der durch eigene Müben und Erfolge sich über dieselben hinauSbebr. — Was oie Eltern erwerben, kommet den Kindern zu gut, des Haust» Ebre oder Schande heftet sich bjesm an. der Kreis, den die Familie inne Kar, in diesem und auS diesem heraus bewegt stch jeder Einzelne — mit Einem Wort,. wenn auck der Mensch an seine eigene Kraft und sein eigenes Streben gewiesen ist, zunächst wird sein Lebensweg von den Lerbälraiffen seiner Familie bestimmt und geleitet. Und ferner, was Du auch wirst und erreichst, bedarfst Du nicht der Hülfe, der Stütze, um es Dir zu erhalten und zu wahren? Und ipc findest Du dieses nicht in der 'Gattin, bi« alle Deine Kämpfe mir durchkämpft, alle Deine Müden mir trägt. Dein Hauswesen leitet, Deine Rubestäne ordnet. Dein Erworbenes hütet? nicht in ben Kindern, die, wenn Deine alternde Kraft nicht mehr ausreicht, ihren jugendlichen Arm, ihren frischen Geist Dir leiden, daß Du allmäbl:z auf ihre Schultern legst, was Dir allein zu tragen nachgerade zu -fchwer wird? — Und endlich: auf die Familie baut sich dle Gemeinde, auf diese der Staat, auf-diesen die ganze Gesellschaft auf. Die Familie bindet zuerst eine Anzahl Menschen zu einer Einheit zusammen, die Gemeinde wieder eine Anzahl Familien, der-Staat eine Anzahl Gemeinden,, die ganze menschlich« Gefell>'chafr eine Anzahl Staaten oder Völker zu einer großen Gemeinheit. Nehmet also die Familien heraus, und Alles zerfallt in eine chaotische Maste Individuen, die allein die Selbstsucht bebcrrschr, ohne Km, ohne Verband, ein Haufe Sandkömer. Ader auf das relig iö le Leben bauet sich die Familie auf. Bekennest Du Dich nicht zu der Religion Deiner Darer? Was Du für wahr, für behr und heilig hältst, lehnt es sich nicht zunächst an die Lehre und den Glauben Deiner Familie f Wohin Du auch gerarhst, bist Du nicht hiervon ausgegangen? Wo empfingst Du Deine ersten Eindrücke, wo schöpftest Du Deine ersten Urtheile und Meinungen, wenn nicht im Schoße Deiner Familie? Das wurde Deine religiöse Unterlage, und siehe, der Ein« verblieb auf derselben ganz und gar, der Andere entwicketle dieselbe» in sich weiter, aber auch wer durch selbstschöpferisch« Kraft sich! ga^z davon losgerissen zu haben glaubt — er irret — J! unbewußt übte» die Eindrücke der Kindheit, die Lehren 1 seiner Jugend die voll« Kraft auf ihn, und stempelten > fein« Eigenthümlichkeit. ' Dies erkennen wir. Und was folgt hieraus? Daß die Religion Israel'- an uns herantritt und unj zuruft: So mache denn nun auch die Familie zur Grund, j lag« Deines weltlichen und Deines religiösen Lebens! Mache die Familie zur Grundlage des weltliche« Loben«! Dieser Ausspruch sagt uns: Was und wer Du auch seiest, was Du auch betreibest, welche Stellung Du auch eiunehmest in der Gesammtheir der Gesellschaft: neben dem Leben im Außen, habe auch ein Leben, ein herzige-, inniges Leben in Deiner Familie.! Baue Dir ein Haus, schlage Dir eine Hütte auf! und! darin walte mit voller, hingegedener Liebe, darin handle; mit fester, unerschütterlicher Treue, darin weh« der heilige 'Hauch unantastbaren Frieden-. O, halte Wacht, strenge Wacht, daß der Streit, der vor der Thür lagert, daß > die Zwietracht, die -an der Pforte lauschet, daß der Hader, der an das Fenster klopft, nicht hineindringe, nicht hineinschreite, nicht hineinschlüpfe. Du hast darin einen Varer, eine Mutter? O verwunde nicht ihr Herz, presse ihrem Auge nicht die Thrane, ihren Lippen nicht den Seufzer über Dich aus. Es weilet Dir darin ein liebend Weid, oder Dir ein treuer Gatte? D halte, was Du ihm geschworen, erfülle, worauf Dir die Hand zum Leben«» dunde gereicht ward! Täuschet nicht, verlasset nicht, -traget, gebet mach, opfert eure Wünsche, eure Kräfte — es gilt das Glück eures Lebens! Kindlein legte Dir der Vater in die Arme? O, strebe, ringe für sie, gieb hin, was Du hast, aber nicht dloS Dein Geld, sondern Deine Mühe, Deine aufopfernd« Fürsorge, Dein Auge wache, daß sie da« Böse nicht vor der Zeit kennen lernen. Deinen Geist strenge an, sie in der Zucht des Herrn zu festigen, behüte, schütze, bilde sie! Und daß Du die treue Hand des Bruders nicht von Dir weisest, und daß Du die sanfte Hand der Schwester nicht verachtend von Dir stoßest — stehet Ihr Alle in Liebe, Treue und Hingebung verbunden in Einem Daterhause, wie am Peßachfeste, in Einer Feier, wie beim Peßachlamme — wer kann Euch anrasten, wer Euch stürzen, was Euch unheildar verwunden!? Ihr findet den Auszug, die Rettung aus jedem Joche! Ja, „schaffet Schafe für eure; Familien," d.h. erwerbet in Fleiß und Gerechtigkeitdie Bedürfnisse eurer Familien, bann aber „gehet nicht aus, Keiner aus! der Thür seine- HauseS," d. h. findet euer Glück, eure Befriedigung, eure Genüsse nur im Schoße eurer Familie — dann ist euer weltliches Heil auf immer gegründet, [ nämlich auf die Familie. — Aber mache auch di« Familie zurGrundlage Deines religiösen Leben«! Wohin weiset uns dies? Zu nichts Anderem, als im Schoße unserer Familie die Religion, §ie Religiosität heimisch zu machen und zu halten; die Religion muß eine Ställe, muß eine feste Stütze in der > Familie finden. Wie? wenn es wahr ist, was wir gezeigt ' haben, daß jeder einzelne Mensch das innerste Wesen, den! Kem seines Glaubens, seiner Frömmigkeit schon in der! frühest«» Jugend aus dem Boden der Familie ziehet, wenn auf da« unbeschriebene Blatt der kindlichen Seele in der Familie die ersten, unverlöschlichen Buchstaben der Gottgläudigkeic, der Gottesftlrcht, der Tugend, der Zucht, der HeÜigMtg verzeichnet «erden: wie solltet Ihr, Familienl.

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