Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 18 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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71 vätee, nie solltet Ihr, Kamilienmütter rt nicht all die heiligste Pflicht erachte«, euer Haugottgläubig, gottts» fürchtig, heiligend und geheiligt zu machen? Ja, nicht Schule und Synagoge, nicht Unterricht und öffentlicher Gottesdienst sind die wahrhaften Stützen und Stätte« der Religion, sondern das Barerhau-, denn schnell ist verwischt und erloschen, was dort gelehrt und gegeben worden. Was da für ein Hauch wehet, deffen wehet der Luftstrom durch daganze Leben; wada- Kind da ge»; sehen, gehört, erfahren, dazu kehrt der Geist immer wieder zu» zück. Aber nicht blofür die Jugend, für uns selbst auch, > Männer und Frauen, geprüfte Söhne de- Lebenskämpfe-,! muß da- Hau-, die Familie die Stätte der Frömmigkeit! sein. Die Welt zerstreuet, und kehren wir nun von da in da- Hauzurück, und finden dieselbe Gottesvergeffenheit — wie gelangten wir wieder zu Gott zurück? Da- Leben zieht ad, und herrschet im Hause nur derselbe Drang, sich abziehen zu lassen vom Höhern, vom Bewußtsein seiner selbst und seine- Gotte-, dieselbe Eitelkeit, dasselbe Haschen! nach Wind — wo bliebe der Ernst und die Würde, die! Weihe de- Menschen? | Wie oft Hörer man jetzt: da- Leben drängt zu sehr, da- Leben tritt hemmend zwischen die Uebung der Religion, zwischen religiöse Handlungen. Wohl -- aber da- Hau-, die Familie, wahält da ab? watritt da zwischen? Warum da jede religiöse Handlung und Uebung beseitigen? Da sind wir doch frei und ungehemmt, und so uns nicht auch hier hinein der Mangel an jedem religiösen Bedürfniß begleitet, die dumpfe religiöse Erstarrung, so steht unS nichtentgegen, unser Hauzu einer wahrhaften Stätte der Religion zu machen. Vergessen wir es nimmer, daß insbesondere da- Juden» thum die Familie zu einem starken Hebel des religiösen Lebenbenutzte und erhob. Wenn der Sabdarh kam mit seiner Heiligung, und der Sohn zum Vater, die Tochter zur Mutter eilte, sich segnen zu lassen; wenn da- Fest^. kam. und alle Glieder der Familie zu gemeinsamer Andacht, vereinte; wenn am Tische Jedweder, der sich gesättigt, auch den Mund zum Dankgebet öffnete; wenn die Mutter dem Kind daerste Gebet lehrte; wenn da- Kind de» verstorbenen Eltern noch in den spätesten Lebensjahren, noch bizum eigenen Tode die Gedächtnißlampe zündete und das Gebet um Seelenheil betete — da und da verschmolzen Religion und Liebe, Religion und Familie zu einem einigen Wesen, da richtete die Religion ihren Altar im Haust auf, da, wandelte da- Hausich zum Tempel der Religio« um. — Da war religiöses Leben in der israelitischen Familie, und \ an der Flamme der Religion zündete sich die Fackel der, Familienliebe und der Oelkrug der Familienliede goß reiche! Nahrung in die Leuchte der Religion. So war e- — so ist es jetzt nicht — o möcht' es also wieder werden! — Der Dalles. Einstens fand auf seinem Speicher Eia verarmter jÜd'scher Grei- Ein« Menschen nackt und hager. Der ihn bar um Trank und Speis: - Warum , sprach der Greis erschrocken, .Suchst du Schutz im leeren Haus? Gehe doch zu meinem Nachbar, Der da lebt in Sau- und Braus. Ohne Kleider, stufzte jener, Will der Reiche mich nicht s^h'a! Laß mir einen Mantel mach-». Paßt er mir, so will ich gehn! Besser ist e< zu verschenken! Einen Mantel, der ihm patt. Alzu hegen und -u pflegen Einen nackten , dürren Gast, Dachte er bei sich und kauft« Ihm ein nagelneue- 'Kleid. > Doch wie ward der Dünnes Hagre Plötzlich riesengroß und dreit^ Bor Entsetz« sank der Alte Aber jener brummte kalt: ' Narr, o Narr, ich bin der Dalle-, Mich vertreibst du nicht so bald! > Glaubeusbetenlltmß. Wir stammen ab von einem Baum Mit weit verzweigten Aesten, Deß Wurzeln tief im Morgenland, Deß Zweige weit im Westen. Wir nennen unfern Herrn ünd Gott Den Höchsten und den Bestfn, Den einst mit un» verehren wird Der Osten und der Westen!!! ' Atheismus. 0 Sonett. O Ehurm von Babel, älteste der Sagen, Dabeste Sinnbild bist du unsrer Zeiten, Wo die Pygmäen keck von ollen Seiten Zu einem Riesenbau die Steine wagen. Jehova von dem Himmel-rhron zu jagen, Berdinbet sich die Schaar der Winzigkeiten: Nur wir sind frei die wahren Gottbefreit«! Das sprechen stolzen Sinndie Theophagen. Zieht in de» Kampf Jehova mit Satanen, - Sieht lächelnd er herab auf die P-gmä«, Befiehlt nicht seinen Dienern, den Orkan«, In Helm und Panzer wild einherzuweh«; An euch de» Frevel «ach Gebühr zu ahnen. Läßt euch der Herr wie dürres Laub vergehen. kJ Jk