Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 18 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999360-6026419--1882-4910350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches Volksblatt Zur _ Lesehrung und Unterhaltung aus jüdischem flekiefe. Herau-gegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhUippsou in Magdeburg. rm 4 0 4 0/* 4 1 8c« Wdft BcitfAvift ctMcfart »Mcstlü» eise 9htnttrr. Prei« de» Sabrc«-» «. » r\ ,* . . , [9*0.18. 1861.] ->"' "L [8. I»Krg. 2.4|nartal.] Die Familie — die Grundlage der israelitischen Religion. Meine besondere Austnerksamkeit zog immer wieder da« Gesetz über da- „Peßach in Aegypten" 2 Mos. Kap. 12. auf sich, dem ich daher auch eine ausführliche Bearbeitung in meinem Bidelwerke Th. I. S. 354 ff. gewidmet habe. Betrachter man es nicht btomit dem naiven Auge der älteren Zeit, fo erkennt man darin, daß eeinen Weiheact bezweckte, durch welchen die Jsraelikm von ihrem Abzüge au- Aegypten sich selbst zum Priestervolke deeinzigen Gottes weihen sollten. Da- Peßachkamm war da- Weiheopfer, der Familienvater der Priester, da- Hauder Tempel, die Pforte deffelben der Altar. Gerade hierin muß aber noch ein besondere- Moment hervorgehoben werden. Wenn wir am angeführten Orte D. 3 lesen: „Am zehnten dieses Monat-, da sollen sse sich nehmen ein Zeder ein Lamm für da- Vaterhaus, ein Lamm für ein Hau-;" 85.21 : „Rüstet Euch und schaffet Euch Schafe fürEureFamilien, und schlachtet da- Peßach;" B. 22: „Ihr aber gehet nicht au-, Keiner auder Thür seine- Hauses bi» an den Morgen;" B. 46: „Zn einem Hause soll egegessen werden, du sollst nicht audem Hause dringen von dem Fleische nach außen;" — so fühlen wir sofort herau-, daß hier noch etwa- Besonderes gelehrt, zum Gefühl und Bewußtsein gebracht werden soll. Zn der That, wenn Peßach da» Geburt-fest Israels als Volk, da es vorher nur eine große ungeordnete Menschenmasse war, und zugleich sein Weihefest zum priesterlichen Volke deeinzigen Gottes sein sollte —bevor ediewerde, sollte ihm gerade daerste Gesetz, das ist da« Peßachgesetz zum Bewußtsein bringen: Daß die Familie die Grundlage der ganzen menschlichen Gesellschaft, daß da- Familienleben insonderdie Grundlage deisraelitischen Volkes sein sollte für immer. Darum sollten die Zscaeliten, dwor sie den Sklavenbob,n Aegyptenverließen, in ihren Familien sich vereinigen, in ihren Familien sich weihen, ihre Häuser zu Tempeln Gottes, ihre Tische zu Altären Gotteerheben. Und so verblieb ezu all« Zeit. Heden wir nur einige Züge hewor. Alda- Heer und Lager Israels geordnet wurden, da verblieb da- Volk in seinen 12 Stämmen, jeder Stamm zerfiel in feine Geschlechter, jede- Geschlecht in seine Familien, so brachen sie auf, fo zogen sie weiter, so lagerten sie Immer in ihren Familien in Kampf und T Noth, in Freud' uyd Leid. „Sohne Israel'-" wurde da- Volk genannt in der ganzen heiligen Schrift. Vom Sinai ertönten die zehn Grundgesetz«, und die Ehrfurcht vor den Eltern und die Heiligkeit der Ehe sind zwei derselben. Za, auf jeder Seite unserer Gesetzbücher, der früheren und späteren, finden sich Bestimmungen, welch« die Weihe, die Innigkeit, die Unauflöslichkeit der Familiendande begründen, fördern, stärke«!. Auf dieser Grundlage ist denn auch Israel bestehen geblieben; kein Sturm, keine Verfolgung könnt, khm Etwas anhaben, denn in der Familiefand der Verstürnite, Verfolgte immer wieder Schutz und Trutz, Trost und Aufrichtung. Da- Familienleben Zsraels ist es, was selbst der Feind,der Juden rühmend anerkennen muß. Unsre Religion ist es also, die, wie so Vieles, auch dies der Menschheit zuerst verkündete, und gerade bei ihrem Beginnen verkündete und bethätigre: daß die Familie die Grundlage deganzen menschlichen Lebens ist. Machen wir uns diesen Gedanken, lieber Leser, recht klar. Wenn Du müde geworden im Kampfe de- Leben-, wenn Du von den Mühen und Anstrengungen des Tage-, sei es um Dein tägliche- Brot, sei es um einen höhern Zweck, ermattet, erschöpft, niedergedrückt"worden: wohin flüchtest Du Dich? wo suchst Du Ruhe, Sicherheit, Erquickung, Erholung? Wohl Dir, wenn sich dann ein Vaterhaus, eine Familie^ ein eigener Herd Dir öffnet: da suchest, da findest Du sie. Wenn Dir auf Deinem 'Lebenswege auden Wirrsalen de- Leben« so viele Täuschungen, so viele bittere äkränkungey entgegentreten, die Dein heiß schlagendes Herz treffen, die Dein« Blüthe» und Knospen Dir abreißen mit rauher. Hand: wohin flüchtest Du Dich, wo glaubst Du für Verbannung Anerkennung, für Streit Frieden, für Hohn Liebkosung und Achtung zu finden? O, in den Armen der Gattin, an. der Brust de- Vaters, auden Blicken der Geschwister. Wenn Dir Gefahren drohen, wmn Siechchum, Mangel, Schande, Tod über Deinem Haupte schweben: wo suchest Du Rettung? wo Hülfe, festen ausdauernden Beistaub? Vor Allem bei den Deinen, vor Allem, selbst wmn Du im Untergänge begriffen bist, Schutz, Tröstung bet den Deinm! Za,, der allgürige und allweise Schöpfer hat es tief in de- Mmschen Natur gelegt, daß er mit Denen,^dte Er ihm durch Geburt als die Nächsten zugewiefen, die Pfade de- Lebens gemeinsam walle, der Freuden mit ihnen sich freue, die Leiben mit ihnen erleide, seine Siege mit ihnen feiere, seiner Niederlagen mit ihnen sich tröste. Wie