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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 16 (1861) · p. Seite 63

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
16 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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-63 Sorgfalt, die er bei dem Unterricht der Rekruten anwandte und seine außerordentliche Geschicklichkeit in allen Turn» Übungen bemerkbar machte. Im Jahre 1855, kaum 22 Jahr alt, geht Jakob nach Sebastopol ad und wird dort zum Unterlieutenant emannt; sein Regiment gehörte zum CorpS ded Generals BoSquet und nahm an verschiedenen Gefechten Theil« Jakob wurde im Tage-defehl wegen seiner guten Aufführung und einer leichten Kopfwunde erwähnt. An dem berühmten achten September wurde das einuabsechSzigste Regiment zum Sturm auf den Redan beordert, der den Malakoff mit den Befestigungen der äußersten linken Seite verband; d-rt hatten die Russen eine ungeheure Batterie ausgestellt^ welche die Belagerer zwang, ihre Angriffe zu wiederholen. Aldie Regimenter endlich mir Kartätschen beschossen wurden, erreichte die Unordnung ihren Höhepunkt. Da» brave Regiment war zerstreut. General de Martimprey sammelt so viel Soldaten als möglich und sagt zum Unterlieutenant Jakob: „Noch einmal, mein braver Jakob, zum Sturme mir diesen rapfern Männern. Vorwärts!" Si, dringen in den Redan, werden zurückgefchlagen, nehmen und verlieren dieses so wichtige Werk wohl zehnmal. Abendvier Uhr, im Augenblicke deallgemeinm Erfolg.-, bekam der arme Jakob eine Kugel, die ihm das Schienbein zerschmetterte; um das Unglück voll zu machen, zermalmte buchstäblich, während er niederstet, eine andere Kugel ihm die Kniescheibe. Der arme Jüngling war auf seinen getödtelen Capttan Aillon, und auf viele seiner Kameraden gefallen, die weniger glücklich waren, alS er. Nachdem er sich, selbst «inen starken Verband gemacht hatte, blieb er bis neun und ein.halb Uhr Abend» liegen, indem er nur ein wenig Wasser hatte, um den durch den Knochenbruch verursachten Schmerz zu lindern. Der arme Jakob litt schrecklich bi» 10 Uhr Abend»; endlich suchte und fand man ihn. Da- Unglück wollte, baß seine Träger auf den Leichen hinstolperten; der unglückliche Verwundere fiel von ManneShöhe auf Kiesel herab und verlor baS Bewußtsein. Im Lazareth amputirte man ihm da» untere Bein; da» Kreuz der Ehrenlegion, da» ihm der General Larcher an da» Krankenbett brachte, beschleunigte die Heilung, welche die Sorgfalt seiner Familie vervollständigte. Aber ein fünfundjwanzigjähriger Officier mit Krücken kann nicht mehr dienen: die Laustahn war zugleich mit dem Beine abgebrochen. Jakob wurde verabschiedet; aber die» war keine hinreichende Belohnung für so viel vergossene» Blut. Eine hoffnungslose Zukunft, fragliche Existenzniittel: die» war kein so vieler Leiden angemessener Lohn. Der Kaiser wurde von dieser Lage unterrichtet; « wollte Jakob sehen; unsere Leser werden sich eben so, wie wir selbst, an der wörtlichen Erzählung dieser Audienz interessiren. Am fünfzehnten Februar 1856 hatte Jakob die Ehre, vom Kaiser in Privataudienz empfangen zu werden. Durch den Dienstlhuenden Kammerherren angemeldet, war seine Aufregung bei dem Eintritt in da» Cadinet so groß, daß er von dem Kaiser nur den Großorden der Ehrenlegion sah. Der Kaiser näherte sich und sprach mit ihm; der Officier hörte Nicht»; Alle-, wa» er sagen^konnte, wckr: „Ja, mein General;" eine Antwort, di« wohl nicht auf jede Frage passen dÜffre. Endlich konnte er die» hören: „Sie sind Herr Jakob-"— „„Ja, Sire.""— „Sammeln Sie sich, mein Freund." — „„Sire, ich bindreiunbzwanzjg Jahr alt. meine militärische Laufbahn ist abgebrochen, ich habe kein anderes Gut, als meinen Säbel und mein« Epauletten; Alle» ist verloxea."" — „Nicht» ist verloren. Sie können noch nützlich sein; verlangen Sie von mir, ich werde e» Ihnen bewilligen." — Dann bitte ich Sie, mir qürigst eia Eiseabahucomissariat zu geben."" — „ Darein kann ich nicht willigen, dieser Dienst ist zu mühsam." — „„Trotz meine» Holzbeme» hoffe ich dennoch meine Vorgesetzten befriedigen zu können."" — Nein, nein: warum verlangen Sie nicht von mir ein Amt al- Einnehmer-" — „ „Dazu braucht e» eine Eaunon, Sire, und, so klein 1»e auch sein möge, mein» Eltern können sie nicht beschaffen."" — „Ah will Ihnen da- Amt mit der Caution geben." — Jaktzb blieb sprachlos. „Sie haben mir eine Bittschrift eingekeilt," sagte der Kaiser. — „ „Ja, Sire."" — „Halt, setzen Sie Steuereinnehmer an die Stelle de» Schaffner»." Er that e» mit einem Bleistift, den er ihm reichte. „Wo sind Si« verwundet worden-" — „„ Am kleinen Redan, am Tag« de» Sturme»."" Der Herrscher neigte den Kopf, schwieg einen Augenblick, dann betrachtete «? Jakob von Kopf bi» Fuß. Der^herabgekommene Zustand seiner Kleidung erregt« die Aufmerksamkeit de» Kaiser»; man konnte meinen, er fühlte, wa» Jakob nicht zu sagen wagte. Endlich setzte Vieser seine Lage auseinander und bat ihn, dem Krieg-minister zu befehlm, daß er ihm den Halbjahrsold vorauSbezahlen solle, den er ihmgewährt hatte. „Auf wie viel beläuft sich die Summe-" — „„Ungefähr 600 Franc-."" — „Warten Sie einen Augenblick!" Der Kaiser ließ ihn allein, kam wieder zurück und gab ihm ein« in eine Banknote riagewickelte Rolle Goldstücke. „Sind Sie zufriedenverlangen Sie nicht» mehr-" Er konnte ihn nur ansehen, ohne ihm antworten zu können. Er ging hinaus .... Die Thür war geschloffen; im Augmbtick, wo er sie erreichte, frug ihn der Kaiser, ob er öfftlm könne- Wenn die Freude rödren könnte, hätte Jakob an diesem Tage sein Leben verloren. Einige Tage später wurde der invalide Officier zum Kriegsministerium gerufen, wo man ihm seine Emennung zum Steuereinnehmer und eine Cauti-n von 7000 Franc» übergab; Die» war eia Amt vierter Classe; drei Jahre später wurde Jakob in Guerigny (Departement Nwvre) in die dritte Classe defördett. Dort lebt jetzt unser wackerer GlaribeaSbruder, in einem Lande, wo der Name „Jude" noch wenig gekannt ist, und wo solche Männer wohlgeeignet sind, ihm Ehre zu verschaffen. Die Ergebenheit und Entsagung, die unser Held bewiesen hat, haben Andere auch gezeigt; wir wollten keine Ausnahme erzählen, sondem eia schönes Beispiel: nach dem Maße alS wir die Dunkelheit verschwindm machen, in der sich bescheidene Lugenden verbergp«, werden wir ihnen einen Tribut verdienter Huldigung bezahlen; e» ist aber auch außer einer Schuld gegen da- Verdienst eia energischer Stachel: alle Tapfem werden sich durch diese wahre Geschichte geehrt finde», und jedes israelitische Herz wird beim Lesen derfeldm schneller schlagm.

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