Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 16 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 Wurzel der Abstimmung hervorsprießen müssen. Etwa» Andereist der Stau« und dastaatliche Gesetz. Diese Beiden hangen lediglich von den geschichtlichen Verhältnissen und -Ereignissen ad. Denn seit »kältester Zeit war cs den einzelnen Nation« nicht gestattet, eine jede für sich einen Staat zu bilden, sondern sie waren entweder genötigt, sich mir verwandten Nationen zu vereinigen,! um gemeinsamen Feinden Widerstand;u leisten, oder sie unterlagen anderen Nationen und wurden diesen staatlich: einverleidrnicht selten kam eauch, daß sie zwischen' mächtigen Nationen eingekeilt, und dadurch der Gegenstand' ihrer Kämpfe -geworben, gecheckt und zerrissen wurden, so > daß sie ganz verschiedenen Herrschaften zugehörten. 'Nur selten blied daher Staat und Nation identisch, selbst wenn unter letzterer ein Compler benachbarter und verwandter Stämme verstanden wird, sondern die bei weitem größer, Anzahl der geschichtlich gewordenen Staaten greift weit - über di, Nationalität hinaus, oder spaltet eine große Nationalität rn kleinere Tdeile (wie in Deutschland, di- I jetzt auch Italien). Die Menschheit kann dies nicht beklagen, sondern muß eS sicherlich als einen der mächrigstrn Hebel ihrer Entwicklung anseben, daß Nation und Staat; nicht einerlei sind. Denn so wohl waS allgemeine» Menschenrecht derriffr, würde die Nationalität, zum Begriff de» Staate» erhoben, jene» niemals anerkenne«, und die schnödeste Ausschließung, wie sie nur.in den ersten Stadien der Staaten de« AlterthumS geübt ward, würde noch heute bestehen; als auch die innere Entwickelung nach allen Culturrichtungen bin würde langsam und einseitig vor sich gehen, da gerade Nicht» fmchtdarer ist, als da» Aufeinanderwirk.n verschiedener Nationalitäten. E» ist nun hier nicht der Platz, von biestm Gesichtspunkte au», die Bestrebungen der verschiedenen Nationalitäten nach staatlicher Selbstständigkeit in der 'Neuzeit zu würdigen, j Denn in der - Tbat werden bei dieser Frage noch viele! praktische Momente in Betracht zu Ziehen sein. E» wirb! darauf ankommen, od eine Makionalitat in einer unter- 1 drückten Stellung gehalten worden, ob sie, selbstständig ‘ geworden, die Kraft Kaden würde, sich zwischen iören mächtigen Nachdaren zu erkalten, od sie in ihrem Staate den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetze auSüden,1 öder zur Ausschließlichkeit greisen werbe u. f. w. Doch J wie gesagt. dies gehört nicht hierher. Wir haben also erkannt, baß der wesentliche Begriff der Nation die Abstammung sei-, und daß auS dieser gemeinkam-xEdarakrer, Sprache und Sitte entspringen. Diesem gegenüber würde hingegen da- Wort „Volk" vielmehr die Bedeutung der staatlichen Zusammengehörigkeit Kaden, und sich somit vorzugsweise auf daS gemeinsame Gesetz stützen. Ein Volk kann daher auS ursprünglich stkr verschiedenartigen Nationalitäten gemischt sein, wie z. B. da» französische Volk, daS nicht dloS auS Galliern, Römem, Franken, Normannen u. s. w. entstanden ist, sondern noch Keule sehr verschiedenartig« nationale Charaktere, wie sie z. B. in der Provence und Normandie Hausen, in seinem Schoße vereinigt. Weiterhin wird man sogar von Volk sprechen, wo nur von den Gliedern de» Staateder Regierung gegenüber die Rede ist, selbst wenn dieser Staat au» den mannigfaltigsten Völkerschaften zusammengesetzt ist. In einem „Voltt" har also die Abstammung kein« Bedeutung ^knehr, sondern vorzugsweise nur di« staatliche Zusammengehörigkeit und die Einheit de» Gesetze». — Mit geringen Ausnahmen dringen nun zwar in die meisten Nationen in Bezug auf die Abstammung auch fremde Elemente ein-» es wandern Menschen ein und verheirathen sich innerhalb der Nation. Ader e» ist bie< doch nur wie Wellenschaum um einen weiten See; die Amalgamirung gehr schnell vor sich und die fremde Kreuzung wird rm folgenden und nachfolgenden Geschlecht« wirkungslos. Natürlich kommt e» hierbei auf die größere oder geringere Abgeschlossenheit der Nation an. Hiermit haben wir den Standpunkt erreicht, von welchem äu» die Frage zu beantworten ist: od die Juden noch heute eine Nationalität besitzen t Denn daß sie eine Nation bilden, nachdem sie' zwei Jahrtausende über den ganzen Erdkreis zerstreut sind, oder gar daß sie noch «in Volk seien, nachdem ihr Staat eben so lange zertrümmert und sie den Gesetzen der verschiedenen Staaten untekworfen sind, kann Niemandem iiy Ernste einfallen. Von den angeführten Momenten der Nationalität: Abstammung, Charakter, Sprache und Sitte, existiren sie alle, oder nur einige und welche für die Juden i Geschichte eines Tapfer» *). Der Mulh, vorzüglich der militärisch« Mutk, der so! lange Zeit hindurch den Israeliten abgesprochen wurde, l ist jetzt bei ihnen nicht mehr fraglich: man warf ihnen! vor, daß sie gänzlich von der Habsucht eingenommen wären, während inan ihnen doch die Ausübung der Handwerke und Künste untersagte: man beschuldigte sie de» Mangel» an Vaterlandsliebe, während man sie doch überall bei den Völkern in die Acht erklärte! Seitdem man ihnen Rechte gegeben hat, haben sie sich überall und ohne Anstrengungen zur Höhe der neuen Stellung, welche man ihnen bereiret'hatte, erhoben: seitdem sie ein Vaterland baden, haben sie ihr Blut bereitwillig für dasselbe vergossen. In Frankreich har sich eine große Zahl von ihnen, sowohl al» Soldaten wie als Ofsiciere, in allen Kämpfen ausgezeichnet, und auch die allerneusten Kriege in der Kcimm und in Italien haben viele unserer Glaubensgenossen hervorlrelen lassen: den vertraulichen und sicheren Mittheilungen können wir eine neue Seite der Geschichte brr jüdischen Tapferkeit hinzufügen, und wie in Frankreich jedes Verdienst, ohne Berücksichtigung de» Glauben» seinen Lohn erhält. Gustav Jona» Jakob, unser Held, ist heute erst ungefähr achtunbzwanzig Jahr alt: nach guten Studien -trat er 1&48, kaum 16 Jahr alt, in die Mobilgarbe ein, diese Bürgermiliz, und wurde von seinen Kameraden zum Corpora! erwählt; nachdem er mit diesem ganzen i Corp» verabschiedet war, kehrte er zu seiner Familie zurück und warf sich mit Eifer auf das Studium der mathematischen Wissenschaften; dann, erfüllt von einem schönen Eifer , für den Soldakenstand ttat er in da» einundsechSzigste ■?mi«nmfmmrimgiment ein, durchlief in ihm schnell die; untern Grade,-Indern er sich seinen Vorgesetzten durch die i *) Rach den Arch. isr&eL .