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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 16 (1861) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
16 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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64 Abschaffung der Rachegebete. Unsre Leser wissen, das diese Blatter zu keiner Polemik bestimmt sind, sich auch in keine theologischen und Reforrfifragen einlassen. Nicht als ob nicht auch wir die Wichtigkeit und Notbwendiqkeit derselben einsähen; aber Zweck und Ziel des „Jüdischen Volksblattes" sind andere. Dennoch wollen wir hier darauf aufmerksam machen, daß eS Zeit fei, aus unsren Gebetbüchern die, allerdin'gs nur wenigen Phrasen und Gederstücke zu entfernen, welche, auS der Zeit der fürchterlichsten Verfolgungen und zahlreichen Martyrerlode stammend, Bitte und Rache aussprechen. Wir brauchen es hier nicht auseinander zu sehen, daß unsre Religion überhaupt jeden Art der Rache verwirft (3 Mos. 10, 18), und die Bestrafung der Krevellhaten j Gott anheimstellt (5 Mos. 32, 35); noch weniger lehrt: sie, daß an den schuldlosen Enkeln Derer, welche unschuldiges > Blut vergossen haben, dies« Mtssechaten persönlich gerächt, werden sollen lJechrst. 18, '.'0.); am wenigsten aber kann zugegehen werben, daß in unserer Zeit, wo die gleiche und gerechte Behandlung aller Glaudensparteien sich immer mehr befestigt, Humanität und Toleranz von Tag zu Tage i größere Eiege feiern, in unsren Gotteshäusern die Bitte! zu Gott ausgesprochen werben soll: Gott möge diese späte! Strafe und Vergeltung früherer Geschlechter jetzt nach; 1 holen! In der Thar können wir dreist behaupten, daß' kein Jude bei Recitirung dieser Phvafen sich wirklich etwas . denkt oder den Wunsch hegt, den er mit seinen Lippen, \ der"Älttn Gewohnheit gemäß, ausfpricht. Dem Beispieles vieler Gemeinden zu folgen, welche derattige Gedetworte j langst gestrichen haben, fordern wir daher alle Gemeinden 1 auf. Am Neujahrs« und VersohaungSfeste, wo wir die! Gnade und Verzeihung Gottes erflehen, paßt es sich sicher-' lich nicht in dem mit Recht so hoch gehaltenen Gebete "7 re '7-2« zu beten: -pT2r ct rep: •re'rb o^p: e« Wir haben nichts dagegen, finden es vielmehrganz. angemessen, daß da» Andenken an die Märtyrer unsre» Glaubens erhalten bleibe, nicht um Haß daraus zu ziehen,. sondern Glaudenstreuc, und mt Bewußtsein;u erhalten, welche Opfer unsren Vätern der Bestand unserer Religiont gekostet har. Man möge daher das Gebet c-cn-n 20» immerhin beidehalten, aber nur bis zu den Worten! ob'5 -p'TL -»a; er — der folgende Theil, der nur! Rachegebanken enthält, und Schriftworte aus dem Zu- . sammenbange reißt, mag verschwiisden. Mögen diese Worte von Allen beherzigt werden, welche in unsren Gemeinden Einfluß auf die Synagogen üben, denn mit jedem Tage, den wir dies, und zwar mir Bewußtsein, länger dulden, gereicht es uns mehr zur Schande? / Curi 0 sa. I. Ein Stück deutscher, Gründlichkeit. Seit einer langen Reihe von Jabren befaßt sich eine groß« Anzahl jüdischer Gelehrten mit gründlicher, kritischer Erforschung des Gesammtgebiekes der biblischen. talmudischm und rabbinischen Literatur, Keinem von ihnen ist es aber in den Sinn gekommen, bas von den Juden alljahttich gefeierte Chanuckafest in das Reich der Fabellehre zu verweisen; diese Entdeckung war der Gründlichkeit der Erforschung eines christlichen Gelehrten Deutschlands Vorbehalten, wie aus Nachstehendem zu erfahren ist. Dem Schreiber dieseliegt ein 1338 Seiten (in gr. 8. Format) starkes Wert vor, welches den Titel führt: „Vollständiges Wörterbuch der Mythologie aller Nationen. Eine gedrängte Zusammstellung de» Wissenswürdigsten au» der Fadel» und Götterledre aller Völker der alten und neuen Weit. Bon vr. W. Vollmer. In einem Bande mit einem englischer.,Stahlstich und 120 Tafeln. Stuttgart, Hoffmann'sche Verlags - Buchhandlung 183k>." In diesem voluminösen Werke, dem noch außerdem eine l.XXXIll Seiten starke Vorrede und Einleitung vorangeht, findet sich Seite 525 da- Wort: „Chanucka", mit folgender wissenschaftlichen Erläuterung: „Jüdisches Tempelweih, oder RttMgSllg-fest. Die Feier dauerte acht Tage, während welcher Zeit Jedermann zur allgemeinen Beleuchtung Lichter, und zwar jeden Tag eins mehr als TagS vorher, anzündete, Gebete sprach und nichtarbeitete so lange die,« Lichter bräunte» Es soll von Judas MaccabäuS herrühren und zum Andenken an die Wiederdesitznahme des durch fremde Götter entweihten Tempels gestiftet wordeu sei». Man hat viele Fabeln von den oft abschreckend grausamen Eeremomeen (?!) erzählt, welche bei der Wiederholung desselben von den Juden auSgeiidt worben sein sole«; jetzt sind diese Mährchen, welche nicht falten die blutigsten Verfolgungen nach sich zogen, langst in da» Reich der Träume verwiesen." Anekdote. Der jüdische Banquiec M.. als witziger Kopf allgemein bekannt, lud einem christlichen Reisenden zu Ehren einer ansehnliche Gesellschaft zu sich ein und würzte das geschmackvolle Mahl durch seinen gewöhnlichen treffenden Witz. Besonders wurde dem Fremden Gelegenheit geboten, lebhaften Antheil an der Unterhaltung zu nehmen. In einer Erzählung wollte dieser da« Sprichwort: Er kam an. wie die Sau im Judenhause — andringen und heraus waren die Worte: „Da kam ich an,.wie die Sau im —".als er stockte, weil ihm in dem Augenblicke einfiel, daß ec selbst in einem Judenhauie sei. Der witzige Wirth, der mit ihm auf freundschaftlichem Fuße stand, fiel ihm schnell ins Wort: „Nur weiter! Nur weiter! Sie sind nun schon einmal darin!" Allgemeine Zeitung des Iudenrbum». No. 15. 1661. Leitende Artikel: Au« dem österreichischen Kaiserstaate: Ungarn. - Aus Lesterreich. — Einige Bemerkungen an jüngere Eollegen. 1. Ueber die Bortragsweise auf der Nanzel. — Die ijraeluische Bibel. Anstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Hamburg, I Dresden. Preußen: Berlin. Berlin. Berlin Lesterreichi i scher «aiserstaat: Prag, von der Weichsel, Wien. Frank | reich: Paris. Rußland: Warschau. CST* Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung s Jährlich 3 Lhaler, vierteljährlich % Tdalrr. Verantwortlicher Redacteur: St. Näbe. Srrtes »oa La,M,sei,er'« SwttraMsif i» Sei»»»». — fxatf Mi ». ftte»fiig ta Sechzig.

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