Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 12 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Vorsitz fükcr, rcar ein gewaltiger Richter seiner Ration;! groß und streng, unerbittlich gerecht gegen sich und Andere, nothigl« ihn in seinem Älter sein Volt ihm einen König einzusetzen, und dieser König, den er auS den Geringsten gewählt, war undankbar gegen ihn und mißachtete feine Vorschriften. Sein Name ist Samuel." „DaS ist ein böses Omen", siel der Sohn des Philipp ein, „er wird seinen Zorn gegen alle Könige gerichtet haben." . ..Nun tröste Dich, der ihm zur Rechten sitzt,-die mächtige, hohe Gestalt mit dem Adlerblick und dennoch den sanften Zügen um den Mund, das war ein König, der größte feine« Volke«, der viele Schlachten geschlagen, und seiner Nation die natürlichen Grenzen ihre« Laube« eroberte. Er heißt David." „Da« will wenig bedeuten, wenn di« Nation zu seiner Zeit nicht großer war, al« zu meiner; da« letzte Glied metne« kleinen Fingers Leckte da« ganze Ländchen zu. Ader er war doch König, und'wird königlich denken." „Der ihm gegenüdersitzt, war ein Prophet, m der langen Reihe der gottdegeisterren Seher der begeistertste, der mächtig in die-Schicksale seines Volke« eingriff, Jesaias. Zu seiner Zeit kam «in gewaltiger König und belagerte Jerusalem, daß es fast zu Ende ging; aber Jefaias schlug ibn mit der Ruthe seine« Mundes, daß sein Heer in eine? Nacht von der Erde verschwand, nämlich durch eine Seuche, welche Hunderttausend« hinwegraffte. Damit Du ad« noch weir«e Beruhigung findest, so siedest Du an snuy Seite einen Mann, der in den Händeln d« Welt wohl Bescheid weiß, denn er war d« Bezir eine« der größten Könige, die vor Dir bestanden, nämlich de« Nebuchadnezzars, der. Babel zur Hauptstadt der Welt gemacht. Vielleicht hast Du von ihm gehört, er heiße Daniel, und feine Weisheit trug über viele Nebenbenbuhler den Sieg davon-" „Ich Hab« Nichts von ihm gehört, ich habe keine Zeit. gehabt, mich nach alten Urkunden umzusehe», und frug wenig nach solchen; ad« was Du mir von ihm sagst, floßt mir Zutrauen ein." „Den Letzten nun, de« solltest Du kennen, er ist wenige Monde erst hier von d« Erde angelangt. Du hast ihn selbst von gesehen." — „Du Haff Recht, die Erinnerung bricht wie ein Blitz hurch meinen Geist — ist daS nicht der Hvhepriest«, der mir in dem Tempel jene« Völkchens enrgegentrat, al« ich in daS Inner« eindriagen wollte; er warnte mich, mein Leben wäre verfallen, wenn ich es thätt; ab« vor welcher Warnung wäre Al«aad«r jemals zurück gebebt? Ich drang! rin — und was erblickte ich da! Mein Her; zittert noch einmal... der wird wenig Mitgefühl für mich haben." — „Sei ruhig; daß er an dieser Tafel einen Platz fand, mag Dir Bürgschaft für seine Unparteilichkeit sein — schon auf Erden nannte man ihn Simon den Gerecht«!" In diesem Augenblick winkte Samuel dem Ankömmling, näh« zu toeten. Al««nder rhat es besorgt, und Gabriel verschwand. „Wer bist Du?" rrtöuie die starke und doch wohlklingende Stimm« des Borfitzerrdin. „Ich bin Alerauber, de» man auf Erden de» Großen nennt, und von dem Ihr doch auch an diese« Orte gehört haben müsset, da sü» Ruh« die ganze Erde fUtt. Ich bin es. C*t mit eine« Heeoe Mandouier und Griechen über da« Meer setzte, in Asien eiudraug, in baf großen Schlachten die P«s« besiegte, und ibr gewaltiges Reick zertrümmerte, dann nack Aegypten zog und rief in die libysche Wüste drang, hierauf zurück die Grenzen Indiens Überschritt und fein Roß an den Wellen des Ganges tränkte. Alle diese Reiche und Nationen unterwarf ich mir. kein Herrscher, kein .Volk konnte mir widerstehen, niemals befleckte eine Niederlage meinen Ruhm." „Und waS thatest Du dann?" frug Samuel weiter. „Ich machte das prächtige Babylon zu meiner Residenz, häufte dort die Schätze der Erde und genoß sie. Eben wollte ich mich zu einem neuen Zuge gegen Norden anschicken, um auch diesen zu besiegen, als der unerbittljchr Tod mick von dannen riß, und meinem tharenreichen Leben ein Ende machte." „Und was hättest Du gerha«, wenn dies nicht geschehen wäre?" „Ich wäre zurück üb« das Meer gegangen und in die unwegsamen Wälder des Westens gedrungen, bis ich die Lüsten des OceanS mir meinen Augen geschaut hätte. Dann freilich wäre mir Nichts übrig geblieben, als zu bedauern, daß ich keine Brücke zum Monde schlagen könnte, um mir auch diesen zu unterwerfen." „Und waS lharest Du mit den Völkern, welch« sich Deinem Sceptee unterworfen hatten?" „Sonderbare Frage: Sie mußten mir Tribut geben, jährlich nach ihrem V«mögen, und ihre Jünglinge nah» ich, um sie an meinen Siegen Theil -nehmen zu lasset sonst ließ ich sie gewahren, jede« nach seiner Art." „Und was wird nun aus Deinem Reiche nach DmIW Totze?"— H „Niemand untkr den Menschen vermag zu «agen, was meinen Schultern so leicht war. Das Reich wird zerfallen, meine Feldh«ren werden sich um die einzelnen Stücke bekämpfen, dis die-meisten ihre .kleinen Staaten gegründet haben; es wird ein blutiges Jahrhundert folgen, und ich weiß nicht, od ich mich dessen nicht freuen soll, weil dadurch weine Hrtdeagroße und meine H«rfcherkraft nur um so glänzender hervor rritt." ,3« welchem Zwecke also und mit welcher Absicht", frug Samuel weiter, „hast Du all« dies« Kriegszüge unternommen, alle diese Völker mit Deinen H«rea üd«zog«n, alle diese Sieg« eriftchrea?" „Ich habe es ja schon gesagt, um sie meiner Herrschaft zu unterw«fen, mein Reich dis an die Säum« d« Erde auSprdehaeu, meinem Muthe und meiner Kampfeslüsten genügen." „Und hast Du Nichts fut die Volt« gethan oder thun wolle»?" „Und waS sollte ich für die Barbaren thun?" .Hast Du ihnen weift Gesetze gegeben? Hast Du die Wissenschaft und di« Kunst Dernes Volkes, so fraglichen Werth diese auch haben, unter sie verpflanzt? Hast Du Straßen gebaut, und den Handelsverkehr «Mer de» nahen und fernen Ländern gefördert; und so de» Westen «it dem Osten, den Süden «nt dem Naedeu verbunden? Hast Du den Krieg geführt, um de» Frieden vornüber« treu? Wenn sie Dir ihr» Schütze und ihr». Kruder gaben, was Hast Du thur» dafür g^eden?" ,^Oies Alles lag west lutta* mir, atS daß ich »ich damit hätte beschäftigen frib». sDofftt konnte» die öitfer selber sorgen. Mein Beruf war mnS» meium Nsme» Mi