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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 12 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
12 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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0 Jüdisches Volksblatt. Zur Letehrung und Anterhattung aus jüdischem Gebiete. Herou»g«grben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sNo. 12. 1861.1 von dirscr Aritschrisr rrs«bei»t «SchruUich rine N»««n. Preis des 2a bk ga»g« 1 Ldle. Bicnrljädrig 7Ngr. »ve Buchba»dt»»»e». PoftL»» und Aeii»n-serdrditio»t» nehmen Bestellungen an. [8. Jahrg. 1. Quartal.] Die Helden der Erde vor dem jüdischen Gerichtshof. Dor Kurzem fiel mir ein altes Buch in die Hände, dessen Titelblatt längst verschwunden, dessen erste und letzte Blätter zerrissen waren, so daß ich Namen, Berfaffer und Druckorr de« Werkenicht aufzusinden vermochte. Einige Jahrhunderte mögen seine Ueberreste schon ützerstanden haben; eS war in jüdisch-deutschem Jargon abgefaßt und mit den oafür passmvm Lettern gesetzt. Der Inhalt ^war erbaulicher Natur, ein Lesebuch für das jüdische Volk ~ .Muße-, iafonders Sadbathstundm; denn was der staat- Schulzwang noch heute nicht zu bewirken vermag, dabei den Juden di« religiöse Pflicht, und egab selbst ln dm dunkelsten Zeiten sehr wenige Juden, die nicht -u lesm verstanden, nämlich da« Hebräische und bei den dmtschen Jubm da- Jüdisch-Deutsche. Das Buch enthielt ein sonderbare- Gemisch von Gebeten, Gespenstergeschichtm, Fabeln, Sprichwörtern u. dgl., die in echtem Bolt«toae und in wahrer Bolk-weise die tiefsten Gedankenblitze, di« lautersten Herzm-ergießungen neben dem krassesten Aberglauben und dem tollsten Unsinn zu Tage brachten. Die Leser werden enicht übel nehmen, wenn wir dm letzttren übergehen, audem gesunden Theile aber Mancheaus» wählen, um -- ihnen vorzulegm. Unter Anderem zog un- Folgendean. Als Alexander der Große, der vielgerühmte Held, nach seinem ftühm Tode vor da- Gericht Gottettat und hier gewahrte, daß sein Urtheil nicht zu feinen Gunsten ausfallen werde, erhob er mit seiner gewohnten Kühnheit seine Stimm« und sprach: „Herr der Himmel! Ich erkenne Deine Allmacht und Deine Allgerechtigkeit an, und beuge mich, vor dem sich so viele Millionen Menschen gebeugt, vor Dir. Aber gerade um Deiner Gerechtigkeit wtllm, bitte ich doch zu erwägm, baß wir Mmschm, so lange wir auf Erdm weilen, ganz nach Mmschmarr denken und fühlm, beschließen und handeln. Komm« wir nun in Deinen Himmel, so sollm wir auf einmal nach Deiner Göttlichkeit beurtheilt werden, in die wir als Erdeakinder unzu versetzen doch nicht vermögm. Mache daher bei mir, der ich unter dm Meuschm eine Ausnahme war an Tapferkeit und Heldeogröße, eine Ausnahme, und stelle «ich vor ein mmschliches Tribunal, vor einm Gerichtshof aus West», die auch Mmsthen warm,, und daher im Stau« der Staubgeboemm urchetlm «erdm!" „Es geschehe Fach Deine» Verlangen!" war dt« Antwort des Herm, unib der Engel Gabriel eilte herbei, führte dm tobten Jtoni& hie sieden Himyrtt gurück dis zum Eingang des Jenseits, wo er ihn rechtin eine weite mächtige Halle brachte. Stundenlang mußt« man fliegen, ehe man die Rückseite de«! Hall« erreichte, an welcher man fünf erhabene Gestalten in schweigendem Ernste um eine Tafel sitzen sah.! „Hier bist Du zur Shells!" redeteGadriel den makedonischen Fürsten an. „Diese Männer werden Deine Anklage und Dertheidigung vernemnen, uNd über Dich das Urcheil sprechen." Alexander sah sich stijne Richter an. Er las in ihren Gesichtem eine göttlich^ Ruhe; jede Spur menschlicher Leidmschaft war au« ihnen entschwunden; eine Klarheit quoll aus ihren großm dunklen Anqen, als ob sie in alle Liefen der Schöpfung und des Geiste« geschaut hätten. Sie waren in weiße Gewänder gehüllt, die mit frisch gefallenem Schnee wetteiferten, und um ihre Stimm warm goldene Bänder gefchlnNgm, auf denen in hebräisch« Eharakterm zu lesen: „Heilig dem Ewigen!" „Wer sind diese?" flüsterte Alexander dem Engel zu, denn die Hoheit der Gestaltm hatte das Herz des verwegmen König« mit Erstaunen und Ehrfurcht erfüllt. „Wenn ich Dir fl« nenne", antwortete Gabriel, „kennest Du sie doch nicht uqd wenn Du alle Weisen Deiner stolzen Nation^ Deines Lehrer Aristoteles nicht ausgenommen, versammelst, und ich ßige iham die NaMm dieser Männer, so wÜrhen sie mit dem Haupte schütteln, und sprechm: wir hadm niemals von ihnm gehört. Doch halt! erinnerst Du Dich vielleicht jenes kletnm Volkes, auf welche- Du stießest, als Du »ach dem Falle bemächtigen T-rus nach Aegvptm zogest, und dessen Hauptstadt Du Deinen Kriege« zum Ptnadern verheißen hattest, aber auf Bitten des ehrwürdige» Priesters, der Dir mir Greisen und Jungfrauen entgegen gezogen, freigabst? Nun diesem Bölklein find die Männ« entsprossen, die Dir zu Richte« bestimmt find." > „Da« will mifwmig gefaltm", orwiederte kopfschüttelnd Alexander. „Ich erinnere mich des Völkchms wohl; abgeschlossen wohnte es zwischen Meer und Gebirge; unkundig der andere» Mmschmwett, abstoßend gegm fremd« Sitte, und voll Eigensinns eine« eignm Glaudm und Gesetz huldigend. Was »erd« di« von dm Händel« der Welt versteh«! Doch es zieht kein Zurück — so wolle mir, hähws West», in Dekmr btshnrtzm Güte nur noch kur, vermeid«, was diese Männer auf Erdm gewesen?" „Es sei. Der da an der Rückwand fitzt nnd dw-

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