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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 11 (1861) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
11 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 Der Hauptmann Jacobber'). . Di« israelitische Gemeinde hat soeben einen schmerzlichen > Verlust erlitten: HerrJacobber (1,uejan-ilarcel)Hauprmann im GeniecorpS, Ritter der Ehrenlegion, ist soeben in einem Alter von 33 Zähren im Militär-Hospital Val de GrLce verstorben. Im Jahre 1860 nach Pari» berufen, war er beauftragt, diese große Anstalt in gutem Zustande zu, halten und zu leiten, sowie auch den theilweisen Umbau der Gebäude der kaiserlichen ärztlichen Militär-Schule, die.dazu gehörig. Diese einfachen Andeutungen sind bezeichnend für;• diesen Offizier; aus der polytechnischen Schul« .mit einem Grade hervorgegangen, daß er im Genie eintreten konnte, in dem letzten italienischen Feldzuge mit dem Kreuze der, Ehrenlegion geschmückt, betraut mir einem bedeutenden Amte in Paris und im Range eines Hauptmanns, konnte er mit Sicherheit seinen Blick in die Zukunft richten; hohe Stellen und Ehrenbezeugungen schienen ihm aufbewahrt, aber er trug inmitten der Ausübung seiner Pflichten den Forderungen der Gesundheit keine Rechnung. Eine kräftige Constitution, «ine Frische des Geistes und des Körpers, welche die Früchte eines sittlichen Lebenswandels sind, eine ununterbrochene Thätigkeit, der Wunsch Alle zu befriedigen, die auf seinen Eifer zählten, haben ihn zu einem Uebermaß von Arbeit verleitet. Kaum hatte ec den Umbau des' Hauptgebäudes der Schule von Val-de-Gräce vollendet, als er eS sich schon angelegen sein ließ, deren botanischen Garten mit einem Gewächshause zu versehen, welches ohne große Kosten j zu machen, den Bedürfnissen derselben entspräche; er sann zu < gleicher Zeit über das Unkerbringen der zahlreichen wirklich l gebrechlichen Militärs, welche das Val-de-Gräce aufnimmt, j nach, sowie auch über die Ausdehnung oder bessere Einrichtung anderer Dienstzweige. Inmitten dieser Arbeiten, die ihn Tag und Nacht in Anspruch nahmen, zeigttn sich; die ersten Symptom« eines »nervösen Fiebys, ohne daß der! Kranke einhallen und sich der ausschließlichen Sorge fiir seine Gesundheit hergeben wollte; bald jedoch wurde die ■ Sache so ernst, daß er den Wunsch ausdrückte, nach dem j Val-de-Gräce gebracht zu werden, wo er wohl wußte, daß j feine allseitig« Zuneigung an feinem Bette wachen würde;! aber den wahren Grund dieses Wunsches muß man in! seinem Herzen suchen; er wollte seiner Familie den Anblick seiner Leiden, die Mühewaltung angestrengter Sorgfalt und alle die Schrecknisse einer Krankheit ersparen, welche die: sorgfältigste Abwartung erheischt, weil sie alle Willenskraft des Patrioten hemmt, und fein Bewußtsein völlig verwirrt.! Sowohl, im Valde-GrLee, als-auch im Corps de Genie, hatte sich Jacobbec von feinem ersten Auftreten an eine gewisse Achtung und Zuneigung zu erringen verstanden, die alle Verwaltung» - und Standesunterschiede aufhob. Arbeite^ Vorgesetzte, Kranke, Verwaltende, Aerzte, Professoren, Jedermann war von tat Güte und der Bescheidenheit des jungen GeniehauptmannS entzückt; man erkannte in ihm den Wunsch, Jedes Zuneigung zu erlangen,' Jedermann zu verpflichten und die Furcht selbst einen Untergeordneten zu beleidigen oder ihm zu widersprechen. Außetordentlich zurückhaltend, verstand er es nicht, sich irgend einen Vortheil zu Nutze zu machen, und in der Befürchtung von dem Direktor der kaiserlichen Schule Mehr als eine gerechte *) Au» der „Veritd Israelite II, 6. “ Anerkennung zu erhalten, hatte er ihm ihre gemeinschaftliche religiöse Abstammung verschwiegen; ein edles gewandte- Benehmen verschafften ihm überall auf's Leichteste Eingang. Der Tod Jacobber's zeigte, welche Liede er genossen; Niemande- Hintcitt ist mit mehr Bedauem, Achtung, aufrichtigen Lobeserhebungen, allgemeinem Schmerze umgeben worden; fein unmittelbarer Vorgesetzter, der Obristlieutnant des Genie», Herr Dome-rgue, sagte bei seinem Leichenbegängniß, daß.er ihm nur vorzuwerfen habe, zu gewissenhaft, zu hingehend gewesen zu sein; man bemerkte außer den Capilänen feiner Altersklasse zu Paris, den Oboisten Noirefonraine, Direktor der Festungswerke, den Obristen d'Ourreloine, Adjutanten des Marschalls Daillant u. s. w. Die Schule Vai-de-GrLce, der Jacodber seine letzten Arbeiten gewidmet hatte, war bei seiner Bestattung durch den Dienstinspecror, durch zwei an ihr aagestellre Professoren, den Oberarzt, zwei Regiment--Adjutanten, und sechs an ihr fungirende Aerzte, alle in großer Gala, vertreten. Der Hauptmann Jacobber war der Sohn des bedeutenden Künstlers, der während einer langen Aeit die Porzellanmalereien der kaiserlichen Manufaktur m SLvreS so den hmt gemacht hat, und seinem feinen Talente die höchsten Preise auf den Weltausstellungen verdankte. Möge dieser achtbare Greis und seine Familie in dem Ausdrucke der allgemeinen Theilnahme einige Linderung in dem tiefen Schmerze einer Trauer finden, der sich alle Israeliten, welche die wahren Bedingungen ihrer socialen Ehrenhaftigkeit im 19. Jahrhundert begreifen, anschließen werden. . Der todte Zaune. In der Gemeinde P. ließe sich schwerlich Jemand auffinden, der nichtvon Zaune etwas zu erzählen wüßte und doch ist diese Persönlichkeit bereits vor mehreren Jahrzehenden zu ihren Vätern heimgegangen. —. Wer war daher, der sein Andenken so weit über sein Grab hinaus ausdehnte? — Wir wollen es nur ohne alle Umschweife sagen — eS war der sogenannte Gemeindenarr, dessen gutmüthige Einfalt .von Jung und Alt, von Klein und Groß zu unschuldigen, wohl auch ausgelassenen Scherzen benutzt wurde. Vor Beginn des Gottesdienstes bildete sich in der Regel vor der Betschule um Jaune, der eS sich nicht nehmen ließ, stets der Erste am 'Platze zu sein, ein Kreis von Lachlustigen, und er, der gute Jaune mußte da oft, bis zur äußersten Verzweiflung geneckt und gequält, die Lachlust befriedigen. Bald aber war seinerseits Alle» wieder vergessen und vergeben, und wer sich lhn kurz vorher zum entschiedensten Feindegemacht, konnte ihm imnächsten Augenblick durch ein einziges aber vortheilhast angewandte- Wort feine mächtigste Freundschaft abgewinnen, die aber ebenso leicht wieder umzustoßen war. — Zu Ehren Jaunesei es gesagt, daß er nicht, wie vielleicht mancher der geneigten Leser vermuthen wird, lediglich von seiner Narrheit lebte; da» aber wollen wir nicht unbedingt in Abrede stellen, daß ihm dieselbe hei seinem Handelsgeschäfte von Bändchen, Nadeln, Hosenträgern und.dergl., das er ohne sonderliche Anstrengung unter dem Arm oder auf den Schulter» von Haus zu Hautrug, Vorschub leistete; denn Jeder kaufte

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