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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 8 (1861) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
8 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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Spinne in ihrem völlig trockenen Lufrzimmerchm unter dem Wasser Jahrhundert«, bevor die Taucherglocke erfunden worden; wer wollte aber behaupten, daß sie da- Geringste von den Theorien über Raum und Schwere gewußt habe? Einig« Philosophen, die Dichter mit ihnen, glaubten, der Mensch sei bei den Ldieren in die Schule gegangen, um gewisse Künste zu erlernen. So habe er, nach DemokriloS, der Spinne das Weben und Nahen, der Schwalbe den Handgriff mit angefeuchtetem Lehm zu bauen, abgesehen. Plinius, in seiner Naturgeschichte, berichtet, da« Schwalben» nest habe den ToxiuS, Sohn des CoeluS, auf die Erfindung deS Mörtels gebracht. Lucrez meint, die Menschen haben die Musik von Yen Singvögeln gelernt; Pop« läßt sie vom Maulwurf im Pflügen, vom Nautilus im Segeln, von den Bienen und Ameisen im Anocdnen des Gemeinwesens unterrichten. Vielleicht haben wir in dem Holzfällen, Flußdammen, Hütlenvauen den Biber, in der Papierver» fertlgung die Wespe, in der Art auf Flößen über Ströme zu fahren das Eichhörnchen und die Spinne zu Lehrern. Bedurfte endlich der Mensch eines Beispiels für Krieg, Gewalt und Frevel, so brauchte er nur zu einem Ameisenhügel zu gehen; dort konnte er sehen, wie die rochen Ameisen in das Gebiet der schwarzen einfallen und die kleinen Neger gefangen in die Sklaverei.führen. Was auch Wahres an diesen Vorstellungen sei, begreiflich ist'ö wenigstens, daß der Mensch sich Manches von diesen Thieren zu Nutze gemacht hat. Er hat die Muster, die ihm die Natur in Baum, Blatt und Blume ausgestellt, nachgedildet: in gothifcher Bogenwöldung und Säule nach den Baumstämmen und dem verschlungenen Gezweige einer luftigen Allee; bas korinthische Capital nach dem Laub deS Bärenklau, das sich um einen Korb windet; die klassischen Urnen und Vasen haben in den Blumen ihre Urbilder. Allein man weist uns keine einzige Gattung aus der Thierwett nach, die von einer anderen Gattung, ober gar von Bäumen und Pflanzen etwas gelernt hätte! Höchstens können sie innerhalb der engen Schranken des häuslichen Lebens von Menschen zu Nachahmungen adgerichtet werden. Nur in einem abgegrenzten Gebiete zeigt sich der Instinkt bei den Werken, die er vollbringt, oft der Vemunft über» legen. Reißt aber das Thier, selbst in seiner frühesten Jugend, aus der Umgebung, wohin es die Natur gewiesen, heraus, so verläßt eS sein kluger Instinkt und eS benimmt sich dumm und unbeholfen. Lasset daS Ei eines SpechteS von einem Vogel auSdrüten, der auf den Baumzweigen ein offenes Nest baut: so wird daS Junge, wenn eS groß genug ist, um in dem Neste umher zu wackeln, ln der instinktiven Voraussetzung, eS befind« sich in dem mütterlichen Neste, das in den Baum eingedohrt und mir einem engen Eingang von oben versehen ist, sicherlich über Bord stürzen. Die Biene und die Ameise beweisen allerdingS wunderbaren Scharfsinn; entfernt sie aber audem beschränkten KreiS ihre- Instinkts und sie sind mit ihrer Weisheit am Rand«! Das allein giedt schon Zeugniß, daß die Seelenkraft, die in den Thieren wirkt, der Art nach wesentlich verschieden ist von der menschlichen. „Sie machen! Manches sogar besser, als wir," sagt DeScarteS; „allein! das beweist nicht, daß sie mit Vernunft begabt sind; den« j daraus würde nothwendig folgen, daß sie mehr Vemunft | haben, als wir, und baß sie uns auch in anderm Dingen, 31 - % i —' übertreffen könne«, da di« Vernunft nicht bloS in Einer, sondern in jeder Richtung handeln kann." ES ist sehr verzeihlich, daß wir die Handlungen her Thier«, die, wenn sie der Mestsch verrichtete, wir der Äirnunft zuschrieden, ebenfalls einer Vemunft zuschreiben. ^Ein deutscher Schriftsteller, Kellerfaßt: „Wenn eine Fliege die Wahl einer paffmden Stelle hat, wo sie ihre Eier legen kann — wie z. B. in meine Zuckerfchale, die ich mir angefaultm Weizmkömem gefüllt hatte —: so wird sie erst genau jedmPuakt untetsuchen und gerade dm wählen, wo ihre Eier am sichersten liegm und Ihre künftige Brut am besten Zersorgt ist." Di« Fliege üb! augenscheinlich in diesem Beispiel den Act einer verständig« Wahl; wer aber dürfte zweifeln, daß diese Wahl nur au< einem blindm, nicht berechnenden Instinkt hervorgehe? Der Biber wählt für seinen Lamm die Stelle im 'Flusse, wo er am mindestm breit, tief und schnell ist; am Ufer befindet sich ein Baum und in der Nachbarschaft Nahrung und, hinreichender Baustoff. Wollte ein Mensch einen solch« Damm bauen, so würde er all' diese Elnnente der Zweckmäßigkeit-abstrakt in Betracht nehmm. Nun sind zwar die^äußeren Kundgebungen des AdstracrionSvermögenS in diesem Falle dei'M Biber, wie dei'm Menschen demerklich; deshalb müssm wir aber nicht sofort den Schluß machen, daß, da der Biber auf anscheinend vernünftige Weift handelt, auch überhaupt im Besitz der Vernunft sek; den» nenn wir auf die Gewohnheiten diefetz ThiereS genauer eingehm, so finden wir, daß sie den ganzen Charakter eines instinklivm PrkncipS detundm. Oer Instinkt leitet daS Thier zu einem gewiffm Ziel; allein dieses Ziel kann nicht immer durch diefeldm Mittel erlangt werden, zumal wen» Ort und Zeit nicht dießftdea sind. Es ist also eine gewisse Anbeqnemung erforderlich, oder der Instinkt könnte nicht die beabsichtigt« Wirkungen Hervordringen. Die Spinne hat ihr Gewebe so zierlich, sauber und regelmäßig verferv'gt; durch das heftige Sperr« und Sträuben eines kräftigen Gefangenen aber ist daS Kunstwerk beschädigt worbe«: wäre nun der Instinkt der Spinne ri» vollständiger, wenn er nicht die Fähigkeit ftr sich schlösse, daS zerriffme Netz aoSpi bessern? — ,,E» ist demerkenswerth," fagt Kirby, daß manche Jnfektm a«Swanbern, gewöhnlich ungeselligleben »nd sich erst, wie die Schwalben, zum Zweck der Auswanderung in Schaarea zusammenfinden." ES ist wahrscheinlich, daß die meisten unserer HauSthiere, die jetzt Eigenschaften an dm Lag legen, die ihren Gewohnheiten und Fähigkeit««^!, der Wilbniß ftemd sind, mit dm Instinkt« für daS Z«sammenleben mit dm Mensche» begabt waren. Im AllgeMeinm jedoch erstreckt sich die Gelehrigkeit der Thiere nickt-chizu solchen Fertigkeiten,: die von ihren Gewohnheitm und Bermögm im wildm Zustande durchaus verfchieden wären. Zufällig« Aneignungm, die mit ihren Bedürfnissen im Naturzustände keine Beziehung haben, werden niemals erblich und sind demnach nicht instinktartig. Eia. junger Wachtelhund, der nie zuvor auf der Jagd gewesen^ wird aicht^nur ein Rebhühnervolk aazeigen, sondem bewegungSlo« stehm bleib«, wie ftia älterer, bereitgutabgerichteter Bruder. Die Erblichkeit »es Scharfsinnin dieser Hunde-Rarolbeweist, daß er die Entwicklung eineaichtiastinktivm Hangeist; dm» eia bloße- Kmnm pflanzt sich nicht durch'- Blut von Generation auf Gmeration fort. Mir habm von einem Ferkel gehört, dadm

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