Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 8 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
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32 4 Dienst eines Hühnerhundes zum Theil vertrat, und von einem anderen, das die Buchstaben kannte; allein diese fremdartigen Errungenschaften gingen nicht auf die Nachkommen über; die mühsam angelernte Kunst stirbt mit dem Virtuosen. Manche Thiere sind mir einer wunderbaren Sinnenempfiadlichteir begabt, deren Wirkungen nicht bloS für Äußerungen des Instinkts, sondern für Kundgebungen der Vernunft mißverständlich gehalten werden. Die scharfe Witterung des Hundes, die ihn in Stand setzt, seinen Hecm meilenweit durch dichtgedrängte Straßen aufzufpüren, geht schlechterdings über unsere Fassung. Ebenso unbegreiflich ist uns die Gesichtsschärfe des Adlers, der ein im dichten Grase knupperndes Kaninchen aus einer Ferne erblickt, wo uns ein ähnlicher Gegenstand nur ein unmerkliches Atom wäre. Das Chamäleon schnellt feine wunderbar gebaute Zunge so rasch und sicher nach dem keinen Insekt, das ihm zur Nahrung dient, daß die „wunderholden Weisen" uns erzählten, es lebe von der Luft. Einige Namrforscher meinten, daß manche Thiere Sinne haben, mittels welcher sie im Stande sind, Dinge «ahrzunehmen, die sich unseren Sinnen nicht unmittelbar kund geben. Voltaire, in einem seiner philosophischen Romane, läßt einen Bewohner von einem der Planeten des Sirius nach einem Planeten des Saturn eine Reife durch die Himmelsräume machen. Hier erkundigt er sich bei dem Secretair der Akademie der Wissenschaften, wie viel Sinne die Leute seines WeltkörperS haben.. ,Lweiundsiebzig" lautet die Antwort; „und doch beklagen sie sich fortwährend über die gering« Zahl." — bei unS" erwidert der Sirius- Bürger, „sind sie mir deiläuftz tausend Sinnen begabt und können sich dennoch über ein dunkles, ruheloses Gefühl ihrer Unvollkommenheit nicht zufrieden geben." Wir brauchen aber nicht einen so weiten Ausflug zu machen, um daS Obengrsagte zu erhärten. Auf den Feldern und um unsere Wohnungen können wir Vögel und Insekten beobachten, die Kenntniß von der elektrischen Beschaffenheit der Atmosphäre zuhaben scheinen; wenn wir früh am Morgen eines Sommertages ftifche Sandhaufen um die Ameisenlöcher sehen, so können wir mit Sicherheit auf das Herannahen eines Unwetters rechnen, obgleich der Himmel wolkenlos und die Luft vollkommen rein ist. Lange vor einem Regen ölen und glätte« die Vögel ihr Gefieder, um sich gegen die Nässe zu schützen, und nachher, bevor noch das Gewölk sich verzogen' hat, kommen sie aus ihren. Verstecken hervor und begrüßen jubelnd die Rückkehr d«S heiteren Lichtes. Ein ähnlicher Sinn ist's, der dm Zugvögeln bas Nahen de« Winters und die Rückkehr des Frühlings anzeigt.!«chl»s folgt). nun aber, daß Mephistos Kunststückchen in Auerbachs Keller jüdischen Ursprungs ist und ohne tmfelsche Gaukelei, nach der Angabe von R. Joel Baal-Schem, reproducirt werden könne. Der tabd. Grundsatz, daß jeder Kraft der luwak eine gleiche Kraft der Jahara entgegengesetzt sei, scheint auch hierdurch seine Bestätigung zu findm. Es heißt daselbst §. 165 wörtlich wie folgt „Um aus einer Wand Wein zapfen zu können, verfahre man folgenderweife. Man lasse sich von einem jüdischen Messerschmiede ein Messer mit hohlem Griffe anferrigen, lege sodann in denselben einen Pergamentstreif, auf dem die Ramm Pia. Eamd, Jud, Elkhr, Rach, Prig, Da und Jlchack geschrieben werden. Man zeichne sodann an die Wand ein rechtwinkliges Dreieck und in dessen Mitte ein kleines Viereck, in welches das genannte Messer gesteckt wird. Nachdem man nun um daS Dreieck die vorsiehmbm Namen, von Südost anfanHnd, geschrieben hat, spreche man 21 mal bei entblößten Fußen folgende Beschwörung'mit großer Andacht: Ich beschwör« Euch, Ihr Engel, Ihr Aussetzer der Weinkeller, mit ' Namen Rziel, Jaginel, Cannel, bei der Kraft des heiligen ' Namen, mir Wein aus — diesem oder jenem Keller ohne Aufenthalt und Säumniß herbeizuschaffen." — Der herj beigeschworne Wein darf aber kein Nesech fein, wird hinl zugefügt, und dem Eigenthümer de« Weines muß der aus! der Wand gezapfte bezahlt werden, sonst gerathe man in Lebensgefahr. — Die vielen Besitzer von coscher-Wein in Mainz und andem Rheinstädten sind demnach noch in ihrem Eigmthum geschützt und werden in ihrem Interesse j dieser Mittheilung die weiteste Verbreitung geben. £. Göthe und R. Joel Baal-Schem. Man hat für einige Balladen Schiller'S — für die Bürgschaft und den Gang nach dem Eisenhammer — Analogim in der jüdischen Sagmgeschichre gefunden, nur Göthe war disjetzt noch nicht so glücklich, daß man irgend eine seiner poetischen Schöpfungm auf jüdischem. Bodm entdeckt hätte. Dem in Lemberg 1858 edittea mebicimfchtaddalistischen Schriftchen Mifaloth Etohim entnehmen wir Anekdote. Bon L. I. au« Sch-n. Mendel Joßel« war der Meinung, man dürfe nicht ohne Andacht beten, aber die Andacht kam ihm sehr, sehr selten s er stand daher im Rufe, eS mit dem „Dawnen" nicht fo genau zu nehmen. Hauptsächlich pflegen döse Zungen zu sagen, wenn er nach Moskau kommt und in glöborvr!^ Podwör sich einquartirt, da ftiern sein Talith und seine Tepdilin manch' Tag und Woche. Da er zu Hause aber, des Scheines wegen, doch täglich zu beten fingirte, so wollte seine Frau sich überzeugen, wie es wirklich mir ihm in der Fremde ginge und legte ihm daher, beim Einpacken seiner Sachen, den mitzugedenben koscher« Löffel in den Talithbeutel. Nach einigen Wochen kam «in Brief von Rebe Mendel Joßels, in dem er seiner Frau vorwarf, sie habe ihm einen koscher» Löffel, was in Moskau schwer zu bekommen sei, mitzugeben vergessen. „Lieber .Mann, anrwottere ihm die jetzt überzeugte Frau sehr lakonisch, „bete zu Gott und Du wirst einen Löffel haben! Allgemeine Zeitung de« Iudenlhum«. 7. 1861. Leitende Artikel: Friedrich Wilhelm IV. — Dr. ®. Rieffer. Die Judeufrage noch einmal vor den beiden Hausern de« preußischen Landtag'«. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. AAk Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung' Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich V* Thaler. Scilag »cft Lallmgortller'« SuftfcnMmig is Sei»»ig. — Dnttt voll G. Nrevsillß i> Lcippg.