Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 7 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 vermochte. Auf alle Anforderungen wieer Zahlungen an auf die, welche ihm in Luchschuld standm; aber es reichte nicht aus. Die ersten Fallissementwurden angemeldet, ewaren die Firmen, welche unsrem Helden am meisten schuldeten. Andere folgte«. Immer mehrere. Da mußte Enoch in die eignen Koffer greifen. Aldie ersten Golddarren sichtbar wurden, jubelten seine Anhänger. Jetzt sollte die Million au- Batavia in di« Schlachtreihe rücken, die „goldene Jugend" au- Ceylon, die alte Garde, die sich nicht «rgiebt. Eaoch kämpfte mit Ausdauer, er gab alle feine Mittel her, immer in der Hoffnung, edurchführen zu können. In der Thar hatte er zwar keine „Million" aber doch 00,000 Thaler haare- Gelb nach Europa gebracht. Diese schwanden dahin und noch immer kein Ziel. Aldi« Börsenstunde vorüber war, eilte er' von Freund zu Freund, von Banquier zu Banquier — aber sie hatten jetzt alle nur gute Worte für ihn, und zuletzt auch diese nicht mehr. Gegen Abend raffte er noch einige Tausend Thaler und Kostbarkeiten zusammen, warf sich staubbedeckt in eine Extrapost, fuhr die Nacht durch nach Hause, wo er am andem Abend fast erschöpft anlangte. Er schloß sich mit seinen Eltern ein, Stunde lang ein, gab ihnen die Kaufgelder für da- Hau-, die noch nicht einmal entrichtet gewesen, und eine Summe, um ein dizwei Jahre davon leben zu tonnen. auch eine kleine Mitgift für seine Schwester und fuhr um Mittemacht wieder davon. Fort auder Heimath, weiter, und immer weiter. Er harre Allewieder verloren, selbst die Ehre. Der ehemalige Schaletsetzer war ein straffer Mann, der sich so schnell nicht beugen ließ. Er trug den Kopf fast höher, fetzte seine gewohnte Leben-weise fort, und da auch Muhme Edle ihren Lehnstuhl und ihre goldm« Haubemütze behielt: so munkelten die Leute bald, daß von her „Million" genug übrig gebliebm, um ein reicher Mann zu fein. Nach einigen Jahren kam ein großer recommandirter Brief bei Meier an. Er war au- Algier datitt. Siehe, ewar dem Enoch noch einmal wundersam geglückt. Er hatte sich bei dem Dey von Algier in Gunst gesetzt, und durch großen Handelsbetrieb abermals ein bedeurende- Dermögen erworben. Er hatte aber keine Lust wieder nach Hduse zu komm«,, sondern übermittelte ziemliche Summen an seine Eltern und Verwandte. Nachdem die Franzosen Algier erobert hatten, wußte Enoch^sich erst recht festzusetzm. Er schrieb, daß alle seine jüngeren Verwandtm nach Algier kommen sollten, da er vieler treuen Gehülfm bedürfe, und sie sich alle wohl dabei befinden würden. Er wolle nach Marseille kommm, um sie in Empfang zu nehmen, und wenn seine alten Eltern die Reise ohne Gefahr machen könnten, so möchte er sie dort gar zu gern sehen, und ihrm Segen empfangen. Da machte sich der greise Schaletsetzer mit seiner alten Frau und der ganzen Schaar der Verwandten, allen Kindern Bärde- Kle<mor u. s. w., wie einst unser Urahn Jakob mit den 70 Seelen seiner Familie, auf den Weg, seln« Sohn Enoch noch einmal zu sehen, und dann ruhig zu sterben. Und er sah ihn, und kam wieder, und starb ruhig... Späterhin war ich zufällig einmal in meiner Vaterstadt, da kam auch Eaoch an, um die Gräber aller der Seinen zu besuchen, und brr geheimen Lust, die unimmer wieder nach der Helmath, nach den Stätten unserer Kindheit treibt, 4« genügen. Aber er kam tzhne Aussehen, er that kein Gelöbniß von Tausenden wieder, aber er gab viel, viel still und heimlich, er hieß nicht mehr der „Millionär", aber er besaß jedenfalls mehr aldaerste Mal. Auch da- Grab Peßachje, der schon lange zu ftinen Väter» gegangen, suchte er auf, und da dieser seine nicht sehr bedeutende Habe einem indischen Diener, den er mitgebracht, hinrerlassen, und seine Verwandten! ihm daher nicht einmal einen Denkstein gesetzt, ließ Eiwch ihm ein schönemarmorne- Grabmal aufrichten. Od Enoch verheirathet gewesen, und Familie gehabt, habe ich nicht, erfahre», daaber weiß ich, daß Ella und Alls, Lehnchen und Krönchen und alle ihre Schwesternnoch jetzt als Toltc Jungfern leben, und ihr Haueinem kleinen Nonnenkloster mit allen Vorzügen und Schwächen einesolch« gleicht. Ihr Hau- — ach, eist nicht mehr ihr Hay-, und überhaupt kein Hau-, sondern ein enger Raum in einem Hintergebäude. Denn Herr Benjamin hattt zuletzt doch einen Vanquerott gemacht, den die Gläubiger nicht ertragen wollten, und so war seine Familie von der ersten bizue dritten, Bö-willige sagen bizur vierten Kaste, oder gar bizum Kometenschweife herabfunken. Sic iransit gloria mundi. Arabien. Die Juden in Jemen*). Eine englische Mission--Zeitschrift und nach ihr «in deusche- Joumal gleicher Tendenz, die kn Bre-la» erscheinenden „Dibre Ernelb,“ brachte vor einiger Zeit überaumerkwürdige Nachricht« über den Zustand der Juden in Jemen, und zwar vorzug-weise in der alten Arabia fein. Der englische Missions-Prediger Stern ist im September de- Jahre- 1856 von Hodeida aumit großen Mühseligkeiten, Entbehrung« und Gefahren in die GebirgS-Laadschaft Sanaa eingedrungen, wohin noch niemals ber Fuß einechristlichen Missionair- und selten auch der eineeuropäisch« Reisenden gelangt war. Der Bericht, den Herr Stem über die dortigen Zustände und namentlich über die zahlreich« 'Juden in Jemen giebr, ist ungemein interessant und «thält Biele-, wabisher in England und im übrigen Europa gänzlich unbekannt war. Wir entlehnen daraus Nachsteh«de-: Sanaa, die Hauptstadt degleichnamigen Reiche-, von L Millionen Seelen, dabivor wenig« Jahr« von . erblich« Imamregiert wurde, 'jetzt aber unter der Herrschaft zahlreicher Stamme-fürstm (Scheikh-) sich befindet, zählt 40,000 Einwohner, von den« etwa 22,000 Muhammedaner und 18,000 Jude» fein mögen, welche Letzteren nicht weniger alachtzehn Synagvgm in dieser Stadt besitzen. Die Zeit, in welcher di«. Juden sich in diesem Theile von Arabien niederlleßen, gehört der fernsten Vergangenheit au. Ihren eigenen Ueberlieferuagen zufolge, gehört« ihre Voreltern zu denjenigen, welche nach Zerstörung deersten Tempeldurch Nebukadnezac au- Jerusalem und Palästina «tflohen waren- und in d« Gebirgen Arabiensich niedergelass« hatten. An Anstrengung« gewöhnt, im Kriege auferzogm, gelangt« dies« Ansiedler bald zu physischer und moralischer üeberlegenlstir über die wild« Stämme^vo» *) Mag. f. k. d. Ball. $». 1.