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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 7 (1861) · p. Seite 28

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
7 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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denen sie umgeben waren, und sehr bald herrschten di« Vertriebenen au- Judäa über da- Land, in welchem sie eine Zuflucht gefunden. Die Macht und die Religion der Hebräer hatte beinah sechshundert Zahre die Oberhand und die Gewalt über ganz Arabien. Der Handel nahm unter ihrer Herrschaft;u, der Ackerbau blühte und die Heecden vermehrten sich außerordentlich, aber es bereitete sich ein Sturm vor, der die socialen und staatlichen Verhältnisse dieses Landes und des ganzen Orienttotal verändern sollte. Muhammed erschien und mit ihm die Herrschaft des Schwertes über den Glauben und das Wissen des Morgenlandes. Di« Juden, damals di« einzigen Bewahrer der überlieferten GotteSidee, wie der Gelehrsamkeit in Arabien, wurden die ersten Opfer des neuen, religiösen Fanatismus. Keine Kopfsteuer, keinerlei schmachvolle Unterwerfung konnte j die treuen Bewahrer ihres Gesetzes. in dem heiligen Lande! des Islamvor blutiger Verfolgung schützen. Ader trotz aller grausamen Metzeleien und martervollen Hinfchlachtungen, ' welche oft ganze Dörfer und Städte der Juden von der j Erde vertilgten, finden sich doch heutzutage noch fast in ' jedem Dorfe, in jedem Gcbirgsstriche Arabienansehnliche: Bevölkerungen von Juden. Sanaa allein zählt, wie Stern! von den dortigen Rabbinern erfuhr, 3,500 jüdische Familienväter, und in ganz Jemen sollen über 200,000 Juden wohnen. Der sociale Zustand dieser jüdischen Bevölkerung ist zwar, wegen der beständigen Unterdrückung und Furcht, m welcher sie durch die Anarchie und durch die 'Willkür der Scheikhgehalten werden, ein sehr trauriger; gleichwohl haben die Juden nicht aufgebört, der arbeitsamste, industriöseste und nützlichste Theil de- Landezu sein, indem sie allein alle Gewerbe und Künste betreiben, die den Arabern ein Gräuel sind, während diese di« Juden vom Ackerbau und vom eigentlichen Handel ausgeschlossen haben. „Geht man durch einen Bazar," sagt Herr Sterns „so hat man nicht nöthig, sich nach dem Theile zu. erkundigen, den die Juden innebadey; man braucht nur dem Schalle des Ambo-und dem Geräusche des Weberschiffchen» zu folgen und man kann sicher sein, dort nach dem jüdischen Theile de- Bazarzu kommen. Reiche und einflußreiche Leutt.giebt es nicht in ihren Gemeinden. Das arme Volk! Eweiß, daß Gold und Silber nur seine Gefahren und Verfolgungen vermehren würden; daher sehnt es sich nicht nach Schätzen,' welche der Gouverneur, sowie Häscher oder die Beduinen der Wüstejeden Augenblick raube» können." Herr Stern scheint sich durch seine Kennmiß der hebräischen und der arabischen Sprache, sowie durch seine Theilnahme an ihrem Schicksale, großes Vertrauen unter den Juden von Sanaa und des ganzen Landstriches, den er auf der Hin» und Rückreise passirre, erworben zu haben. Er rühmt überall ihre entgegenkommende und uneigennützige Gastfreundschaft, im Gegensätze zu dem Fanatismus und der Raubsuchr der moslemilischen Araber, denen er mehrere. Mal in größter Gefahr war zum Opfer zu fallen. „In Mocka angekommen," so schließt Herr Stem seinen Bericht, „wurde ich in Folge der furchtbaren Anstrengungen und Entbehrungen, die ich auf der Reise erduldet hatte, von einem heftigen Fieber befalle». Di« in Mocka wohnenden wenigm jüdischen Familien waren emsig bemüht, mich zu pflege» und niemals werde ich die Güte eines Herrn Landau, eines deutschen Juden, vergessen, der, au« Ostindien mit einer Schiffsladung von Maaren kommend, auf dem Wege nach Suez war und meinetwegen länger in Mocka verweilte, um mich mit der Liebe und Zärtlichkeit eines Bruders zu pflegen. Herr Landau wollte sogar fein Schiff allein weiter segeln lassen und demselben erst nach meiner völligen Wiederherstellung folgen, aber dem gab ich nicht meine Zustimmung, da ich wußte, daß er hierdurch großen Verlust erleiden würbe'). *) Har sich Herr Stern aw Jude ober als Jutenbekedrer bei ihnen eingefiihrt? hwn Es fragte einst Jemand «inen Polen, wie es komme, daß man unter den Lehrern so viele 8el,etoim finde? Das will ich dir sagen. erwiederte der Pole: Als unser Herr Gott die Welt geschaffen, hatte er gar viele Berge, auch einen Berg Schluß. Als alle vertheilt avaren, blieb Letzterer noch übrig, da Niemand nach diesem verlangte. Am äußersten Ende des Eden lehnte «ine Gestalt an einem Baum, die der Herr nun hervorrief. Wer bist du denn? erscholl die Frage. Ich bin ein Redde. Nun, da hast du den ganzen Berg Schluß allein. — H. M. Ehestands-Anekdote. Ein Ehepaar feiert« di« silberne Hochzeit und sagte einige Tage darauf in den öffentlichen Blattern allen Denm Dank, welche di« schöne Feier dieses Tages durch ihre Theilnahme verherrlicht hätten. Acht Tage später erschienen sie im Hause des Geistlichen der Gemeinde, und eröffnet«» ihm — sie wollten sich scheiden lassen. Seit dem Tage ihrer silbernen Hochzeit hörte der Zank und Stteit unter ihnen nicht auf. Der Geistliche erholt« sich bald von seinem Erstaunen und wiedie alten Eheleute mit scharfen Worten nach Hause. Seitdem geht es wieder mir ihnen. Allgemeine Zeitung de- ZudentbumS. Ro. 6. 1861. Leitende Artikel: An die bayer'schen hohen Kammern.— Der preußische Soldateneid. —^lu» Ungarn. — Einige Blicke auf die Weltlage. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin, Berlin. Oesterreichlicher Kaiserstaat: Wien, ans Böhmen, Pesth. Frankreich: Magdeburg. Großbritannien: London. Italien: Turin. JLS Zn beziehen durch jede- Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thai er. Verantwortlicher Redakteur: &. Neide. 8rrl«g eca »amiagät taet'« «tuttcaMuag ta «n*|ig. — TrvaM Ma •. Cct«fiag « «et»»»,

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