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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 6 (1861) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
6 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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\ steigen, um auf den Hof zu gelangen, wo sich links der Backofen und davor ein langer Stall befand, in welchem > sich die Leute versammelten, welche sehnsüchtig auf' den! Schaler'etzer warteten, wenn er mit großer Wurde Punkts eilf Ahr Sadbath Vormittags erschien, die verschlossene Ofenrhür zu öffnen, und die heißen Schalettöpfe heraus-> zuholen. Es wais Freitag Abend, der Ofen längst besorgt, ■ der Hausherr aus der Synagoge schon zuruckgrkehct, der Tisch gedeckt, die Lampe und die Lichter längst angezündet. Da schmetterte vom Thoce her durch, die Hauptstraße ohne Unterlaß das Horn eines Postillons, jetzt bog die rasselnde ^Extrapost um dir Ecke in die Querstraße, immer lauter scholl die lustige Weise des Posthorns — horch, der Wagen Katt vor der Thür Meiers, der Kurschenschlag geht auf, ein Mann springt heraus, er öffnet die Thür, eilt die Stufen hinab, von innen wird die Stubenkhuc aufgestoßen - Enoch siebt vor seinen Eltern. Die arme Mutter war von dieser ungeahnten Erscheinung so ergriffen, daß sie von ihrem Stuhle nicht aufzustekcn vermochte; mit ausgestreckten; Armen, mit stierem Blick, unbeweglich saß sie da, und, erst als ibjr Sohn an ihre mütterliche Brust gesunken, , löste sich /öie Fessel ihrer Glieder und ihrer Thranendrusen. Anders die Wirkung auf den Barer. Nachdem er den! Sohn mtt einem Freudenschrei umarmt harre, machte er! seinem Hexten'Luft, Hub die Arme immer von Neuem in : die Höhe, sthtua die breiten Hände zusammen, und gcrieth wie in eine Ar^von Tanz-, der nicht eher aufhörle,- als 1 bis der PostillonAE^)ülfe zweier anderer starker Männer; einen großen Koffer hereinbrachre, der nach seiner Schwere zu urrheilen, mit edlem Metalle gefüllt sein mußte, denn! obgleich man auch damals schon der Staarsschuldscheine > genug, hatte man doch des Papiergeldes noch weniger als i jetzt und man mußte sich zu seinem Bedarfe genügend mit’ Metalle versehen. Als der Schaletsttzer dies gewahrte, blieb . er ebenso starr und steif stehen, wie seine Frau beim An-; blick ihres Sohnes sitzen. Da verargt man es denn wohl auch nicht unsrem Helden, daß er kein Wörtchen des Vorwurfs über die Lippen brachte, warum der Sohn so spät in den Sabbath hineingefahren sei? Was an diesem Abendein dem halduntericdischen Zimmer : des Schalersetzers noch vor sich gegangen, was gesprochen, und erzählt worden, wer gekommen und gegangen, weiß ich nicht mehr zu berichten. Aber eS blieb doch nicht ganz; Gehcimniß, und am Morgen standen doch schon Einige j auf der Straße und Einer sprach zum Anderen: Wißt! Ihr schon? Des Schaletsetzers Enoch ist zuruckgekommen — und meint Ihr, ec hat Geld mitgrbrachtt Ein Millionär ist er, ein ganzer Millionär!" Und nun wurde Alles in gewaltigen, riesigen Umrissen geschildert. Punkt neun Uhr öffnete sich des Schaletsetzers Thür, und aus dem Dunkel der Flur stiegen.auf die Straße hinauf der Schaletsttzer, hinter ihm seine Frau, hinter ihr Enoch in elegantester Kleidung mit mächtiger Goldkett« und kostbarem Solitär, die Finger voll blitzender Ringe und hinter ihm Bar, der Pfeifer. Draußen nahmen Mutter und Vater den Sohn in /die Mitte, der Klesmor marfchirte bedächtig hinterdrein. S?' ging der Zug nach der nahgelegenen Synagoge und in dieselbe hinein. Meier trat zum Vorsteher, sprach einige Worte zu ihm, die er mit gewichtigen Gederden begleitete und zog sich mit seinem Sohne auf seine Stätte zurück. Eben hatte man die Dor'lefung aus der Thora beginnen . '"4wollen; sofott wurde Enoch zur OeffnunZ der Lade und zum HerauSlebeki der'h. Nolle commandin; Das Schelischi Längs«, stieg er den Almemor auf ihm, kein Laut war in dem i laume hörbar. Er sprach die doch bewegter Stimme. Er war nn das gewöhnliche Mischederach sprach und schludberte etz^chr, fiel ihm natürlich' auch zu hinauf; alle Blicke ruhten sonst so ge äuschvollkn Segensfprüche^mir lauter, zu Ende, de: Canwr dega aber o, Wunder! er wie gewöhnt ch^ er sang «6,'trillerte, brachte Eadenzen an. dis er, als tr zum Gelob giß des Aufgerufenen kam, nicht sprach, nicht sang, nicht tri leite, fondtrn schrie: Schenaudew Elef Rat (der gelobet tausend Thaler). Diese unerhörte Armengabe verursachte einGenurmel, Gebraust, Bespreche, endlich Geschrei, las nur plötzlich verstummte, als der Eanlor chit außerorden sicher Anstrengung seiner Lungen, — und die konnten Etwas lelfien^ierin — von Neuem begann, und ein M.'scheistrach für die. glücklichen Eltern des Millionärs auSbrachtk, ^welche« wieder die goldenen Worte einschloß: der gelober ftzinfh u ndert Thaler. Es folgten noch! mehrere und am Schtt sse fand sich, daß der Freigebige 2Ö00 Thaler M Verthsilmg an die Armen und für die wohlthätigen Vereine'gesptn iet hatte. Wir überlassen es dem Leser, sich tzen R.mstch zu denken, in welchen die ganze Gemeinde versetzt war.! Wie der Gottesdienst kaum beachtet ward, wi den we gehenden Nadob -fllle Honoratiorerl der Gemein »e umrilgten, wie «draußen die Masse Spaliier bildere, Jed:r mir st w m Scholaum alaichem: einen Händedruck oder au h nur jeiuen Blick zu erhaschen suchte, den^ Zeder glauble, ein solcher. Händedruck dürfte' einem zu boxenden Capit ilchen, ein solcher Blick einem zu schenkenden Sümmchen glich stinlioie endlich Alle-, was bis zum zehnten Gliede sich dem Dhaletsttzer verwandt zu rechnen glaube, sich in di Kellerstpbr Meiers drängte, um mit dem Manne aus Golkonda einige Worte zu wechsttn. Wie war Alles so weich gestimmt,! harte Thranen im Auge, weckte Erinnerungen, bis unser He^d vor allem Erinnern sich gar nichts mehr erinn rte. Dxapßen in der Querstraße aber wogte .die Menge, denn dse > Gemeinde, statt wie gewöhnlich auf die Wachrpnade und in den Lustgarten sich zu begeben, ergoß sich in die Querstraße, um wenigstens die niedrigen Fenster zu beguckem, Hinter denen der für sie merkwürdigste Mensch des Zahrhunbetts weilte. Jetzt kamen auch schon Damen zum Vorschein!, geputzte Damen, aufgedonnerte Mädchen, die vor jMN Fenstem hin und her spazierten. Denn obst >on, wir chüssen es nur gestehen, unser Held gls ein fas häßlich^ Bursche von dannengezogen, und die asiatische--Sonne! und die Seelust ihjr eher noch häßlicher gemach , war et doch.jetzt in den Augen der meisten Damen der s«,önste Mann von der Welt, und nur wenige Mädchenkerze i ihm unüberwindlich. ■«MaS *’ Das Tischrüt en bei den Alten! Ein Beitrag zur Beleucht» nAdkse« rnEngland und in Amerika noch immer allgemei l Herrickethen Aberglaubens! Schluß.) Doch um wieder zu unj wem Gegenstände zurückzukommen, so glauben wir aus dem Geständnösse des Verfassersdes jüdischen Theriak entnehn ry. zu dqrfen, daß das Tisch-

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