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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 6 (1861) · p. Seite 24

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
6 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Aufheben - oder Rucken bei den Juden früher als ein Scher; oder Spiel zur Belustigung bei fröhlichen Festen wohl bekannt war, ohne^aß dabei an eine Wunderthätigkeit der Kabbala und noch weniger an Zauberei gedacht wurde. Man saß traulich dei BeschnetdungSfesten und dgl. um den Tisch herum, fang fröhlich svnagogale Lieder und Melodien — uiib erlaubte sich dabei zur Erheiterung der im Kreise kerumsitzenden Gaste den Spaß „mit dem in die Höhe gehenden Tische." - Daß dies die Alten nur dei lustigen Gesellschaften, vei Zechen, wie Brenz gesteht, thalen, ist der beste Beweis, daß sie dabei weder einen übernatürlichen Einstuß, noch eine spirituelle Kraft vermulheten. Sie betrachteten die Sache, die sie sich wokl nicht ganz zu erklären wissen mochten, als etwas Natürliches, da sie es nicht gewagt hatten, darauS . sich einen Zeitvertreib zu machen, wenn sie nur im Entferntesten eine Ahnung, davon gehabt hauen, daß hier ein Geheimniß oder sonst ein Geisterspuk obwalte. Mit Hexereien und Zaubereien war damals nicht zu spaßen, denn in demselben Decennium, wo Brenz seine Schmähschrift, HU4, veröffentlichte, wurde in Würzdurg von der Domkanzcl horab, Iftlti, verkündet, baß binnen Jahresfrist 3O0 Hexen in dem kleinen Lande verbrannt wurden! (S. Krug ik>«t. 5. Band S. 523.-. »Nur der blinde Haß suchte sich dessen als eine gefährliche Waf^ zur Verfolgung, der unglücklichen Juden zu bedienen, und R. S. Offenhausin wußte sich auch nicht anders aus der Schlinge zu ziehen, als indem er eine Nordlüge, nämlich die Wunderthätigkeit der Kabbala, vorschützte, von deren Nichtigkeit er wohl selbst überzeugt war. — Unsere Zeit har sich längst von dem Wahne und dem Glauben an Zauberei und an die Kabbala |«racii«-a losgesagt, um also unbefangen über diesen Gegenstand ihr Urtbcil fallen zu tonnen. — und doch entblöber man sich nicht, das Tischrücken und Geifterklopfen als etwas Magisches und UedernatürlicheS in Schutz zu nehmen! Wir glauben, der Nachweis, daß nichts Neues unter der Sonne seine Geltung habe, reicht schon hin, wie dies oft der Fall ist, die meisten Gläubigen zu 'enknüchkrrn, und es würde uns freuen, wenn wir durch diesen historischen Versuch dazu beitragen möchten, diesen lächerlichen Aberglauben gänzlich - ertilgen zu helfen. Der Israelit har besonder« die Pflicht, daS Aufkommen solchen AderwitzcS zu bekämpfen, da die Bibel, wie wir oben dre Stellen cilirt Kaden, alle Arten von Beschwörungen und Zauberwesen verbietet. UedrigenS wissen wir uns nicht zu erinnern, von dem Gebrauche des TifchaufgeKens in irgend einem Buche eine Erwähnung gesilnden zu haben, und «S wäre interessant, wenn Jemand weitere Nachsuchungen in alten Schriften deshalb vomebmcn mochte. Nicht dloS die Naturwissenschaften, auch die Geschichte kann viel Beiträgen zur Auf- > hellung so manchen Wadn- und Aberglauben» und dessen UrsvrunaeS! ' j tfactin« V«vi» CjM»m|ciw in tfr. Bekskerek Notizen des Tages. Endlich ist auch in Preußen ein Israelit als R i ch t e r angestellr worden, nämlich in Hamm. Der neue Justizminister, Herr v. BernurK, bar also schnell den Pfad seines Vorgängers verlassen. — In Bayern, wie in Württemberg wird die EmanriparionSfrage an die eben zufammentcerenden Landtage gelangen. Man hofft mir Zuversicht, daß in Bayern endlich da» Motrikelgefetz, nach welchem nur eine bestimmte Anzahl israelitischer Familien bestehen darf, nunmehr fallen werde. Bayern zeichnet sich durch die Conservirung dieser Mumie als einzig in dieser Art auS. — In Oesterreich tritt bereits ein Theil de» Adels selbst fiir völlige Gleichstellung der Confessionen auf. — In Italien lst bereits ein zweiter Israelit alS Professor angestellr worden, nämlich Herr Ale* *s.mrlro d'Anrona als Professor der Literatur an der Universitär zu Pisa. — Die Regierung zu Hannover giedt jetzt jährlich lO.av Thaler au» SraakSmitkeln'zu den Kosten deS jüdischen Seminars daselbst her. — C u r i o s u m. Ein einsichtsvoller Mann, der lange Zeit in Polen und Rußland gewohnt, lhetlr uns mir, daß e« ein merkwürdiger Zug bei unfern Glaubensgenossen in den flavischen Ländern sei, daß sie — einzelne Ausnahmen werden im Voraus zugegeben — durchaus keinen Sinn für Naturschönheiten haben. Man könne z. B. genau unterscheiden, daß, wenn an den Fenstern eine» Hauses sich Blumenstöcke befänden, diese» sicherlich von Ehristen bewohnt wäre, da an den Fenstern jüdischer Wohnungen dergleichen niemals gepflegt würden. — Es erinnerte uns diese Mittheilung lebhaft an die bekannte Anekdote, als ein christlicher Seidenhändler in Leipzig im Frühling mit einem sonst noblen Bcodv'er Kaufmann spa;»ren ging, und sagte: „Sehen Sie, wie schön grün die Bäume werden!" antwortete der Andere: „Nun, wa» Wunder, sollen sie werden blau!" — Worin übrigens der Grund für diese Gleichgültigkeit gegen Narucgenüste zu suchen, kann zweifelhaft sein: Ob in. der Entfernung von allem Lanbdau — dann müßte sie aber auch bei der Mehrzahl der übrigen Juden und bei allen Stadtbewohnern vorhanden fein — oder in psychischen Eigenrhümlichkeiren, in dem Hang zum Eonrreten, in der vorwiegenden Uedunq dcS Scharfsinn» und dgl. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 5. 1861. reitende Artikel: Einige Blicke auf die Weltlage. — Wochenschau: Preußen. — Oesterreich. — Italien. — Türkei. — rüerariicher Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Dcunchlaud: Bayreuth, Hannover, aus Bayern. Preußen: Lisia. Rußland: Dresden. Lorresponbenz: Musikalisches 93C Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler^ vierteljährlich '/* Thaler. Berankwonlicher Redacteur: St. Nabe *n!4| »CR «MfcRRfelsng u> — Imtf wi G. ftt'Vfimg ia

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