Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 5 (1861) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
5 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999360-6026403--1819-4910300
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19 bilde sich übrigen» ja nicht ein, daß die Aufklärung de» lOJahchunderts, in so weit sie im englischen eomwoo renre ihr« Auldruck findet, vom Geisterklopfen allein befriedigt werde'), ve. Cummings Great Tribulation" erlebt «ine Auflage nach der andern, und der Weltuntergang, den der berühmte Gotte-gelehrte in diesem Buche für das /-Jahr 1867 prophezeit, wird täglich populärer. Da- Auffallendste dabei ist, daß Dr. Cumming, der trotz seinedurch Ueberstudium dealten Testaments erzeugten Pcophetenwahnsinnes einer der gelehttesten Theologen, und sicherlich der beste Kanzelrebnek Großbritanniens ist, seine gläubigsten Anhänger in den sogenannten gebildeten Ständen findet. Ja man behauptet, daß die Schüler gläubiger fein als der Meister, wenigstens ist e» Thqrsache, daß Dr. Cumming trotz de» in sieden Jahren erwarteten Weltuntergängenoch neulich ein Haus auf 20 Jahre genommen hat. Da übrigens bis zum Jahre 1867 noch viel geschehen muß, auf baß alle» daerfüllt werde, was sich der gelehrte Prophet aus der Bibel zusammenstudirt, so reist er jetzt im Land umher, um auf den letzten Tag vorzubereilen. Vorgestern prophezeite er vor Tausenden von Zuhörern in dem ungeheuren Saale der Fceetcade-Hall zu Manchester, und wählte sich zum Thema: „Oie Bestimmung Englands in den Weissagungen der Propheten." Der letzte Tag, der ihm so sehr am Herzen liegt, kann nicht erscheinen, ehe die . Juden nach Palästina zurückgeführt sind. Die Propheten erkennen dieses Werk England als Aufgabe zu, denn die „schnellen Thiere", von denen JesaiaS spricht, sind die englischen Kriezsdampfer. welche von Tarschifch, also von Indien her, kommen werden, um das Werk GotteS zu vollenden. Die Feinde der Offenbarung und des von der Zurückkehr der Juden abhängigen letzten Tages sind di« Russen und die Franzosen, die sich der Wiederherstellung Z,onS widersetzen. Diese muffen also von den „schnellen Thieren" vernichtet werden, was um so leichter geht, da die letzlern sich bereitin Syrien befinden. Und den Triumph! Der Donner von Alt-Englands Kanonen, das Signal zur Bestrafung der Gottlosen und zur Befreiung der Gerechten, wird noch in der letzten Stunde der Weltgeschichte gehört werden." Wir wollen nun nach dieser Mittheilung aus der Gegenwart die Nachrichten bei den Alten hören. Doch muffen wir zuvor unsere Quelle naher angeben und schildern, denn wenigen Lesern wird wohl das folgend« curio^ dreirheilige und dreispaltige Werk 'bekannt sein,^dao unsere Zeit der verdienten Vergessenheit übergeden^tzat: Theriaca *) Wir lasten den Artikel weiter folgen, weil er so manche interestaute Punkte enthält. Besonder» gehört hierher der geistliche Artikel: „Prophezeiungen über unsere Zeit"' in der Allg. Zeitung Nr. 298 ff. Beilage, au» welchem wir folgende Stelle zur Bervollständiguug citiren. „Auch die Juden sind nicht» weniger frei von solchen Gemülhsstimmnngen, ist doch einige Aehnlichkeil zwischen dem papieren Schwindel an der Börse und dem profitlofea religiöse» Schwindel erregter Gemüt her. Erst im vorigen Jahre ist eia gelehrtes <d. h. mit Quelleabelegea reich versehenes) Buch bei Brockhau» über die bevorstehende Erneuerung des Reiche- Zion erschienen. Die Leser dieser Blauer haben wohl Ursache dem Himmel zu danken, daß sie al» nicht betheiligt-bei diesem Unternehmen auch die 1036 Seiten des gründlichen Werkes nicht S genießen brauchen." — Daß der Talmud die messianischen «rechnungea verbietet, weiß wohl die Allg. Zeitung nicht! Shuebnum 9* B.: vx'p ^awno bn nn nu'n Jndaica ad examen revocau. Bon Johau« Wülfer, Nürnberg 1681. dl r. erste Theil desselben bildet die abgefeimte Schmähst rift des Eonvertiten oder wie er sich selbst schreibt: gerauten Juden Samuel Friedrich Brenz, zubenannk: Jüdischer abgtstreister Schlangeu-Balg u. s. w. Nümberg I. Auflage 1614.; der 2. Theil besteht aus dem jüdisch - deutschen Wirke des R. Salomon Offenhausen betitelt: Jüdischer TYeriak u. s. w., eine Entgegnung auf Brenz' Denunciarion«; der 3. Theil ist die liktelmsch« Uebrrsetzung des Theriak von Wülfer mit zahlreichen, weitläufigen, rheils polemischen, theitt apologetischen Anmerkungen. — In dem wohl durchlebendvon giftigen Lügen und bitterem Haffe strotzenden Buche des Brenj lesen wir S.4. folgend« bemerkensrversh« Stelle: „Wollen Sie <die Juden) in Ihren Zechen lustig sein, und sonderlich wann Sie Br-' fchneidung halten, sa beladen »der beschwere« Sie «inen Tisch mit etlichen Centner schwer, und brummen untereinander etliche Teufels-Namen je einer dem andern in die Ohren, s so fährt alsdann der,Tisch in die Höhe, daß er oben anstößet.— Habe» wir hier nicht, wenn wir die! boßhaften Glossen des rohen abergläubischen und unwissenden? , Srrnj auSscheiben, mit klaren Worten daS Tifchrücken geschildert II Doch iß das Zeugntß eines Brm; viel zit^ verdächtig, und so viel uns bekannt, findet sich hierüber nirgends'eine Andeutung in einer hebräischen Schrift! Allein R. Salomon Offenhausen, der die falschen Denuntiarionen seines Gegnersehr häufig glücklich aufdeckt, sucht hier blos denselben zu widerlegen, daß bei dem Scherz« weder Zauberei nsch der Teufel im Spiele sei — und daß die Kabbala mit der Magie und schwarzen Kunst nichts gemein habe. Di« Worte des R. S. Offenhausen lauten nämlich aus dem jüdisch-deutschen (mit hebräischer Schrift gedruckt) möglichst getreu ins Deutsch« übertragen: „Ferner schreibt der Apostat, ioia, wir mach« .mit Zauberei, spc’o, den Tisch aufgehen an fröhlichen Zeiten, und bispem einander Teufelsnawen O'iv vv matt, in die Ohren, so geht der Tisch, so mit vielen Eentüern beladen ist, in 'die^Höhe. Hierüber habe sch weitläufiger gesprochen in dem^für die - Christen (in deutscher Sprache verfaßt«) und bestimmten Werke'). Es wird nicht allein mir unfern Schriften p'-ieo, bewiesen, daß die Kabbala durch o-wnp me», heilig- Gvttesnamen zugehr, und nicht Teufelswerk on» n»ye ist; sondern e» schreiben es auch die christlichen Gelehrten; und Philosophen. Es schreib«^ o r n e l i u s Agrtppa Theophr^st; Picus de Mtrandula und Hr. Dr. Reuchlin und noch viele Ander», dj« ich der Länge halber nicht bringen will, welche alle in der Kaddala erfahren waren, daß die Kabbala keine Nekrvmanrie oder Schwnrzkunst sei, sondern sie kommt von Gottes Vollmacht her, und gar nicht mit dem Teufel Gemeinschaft habe. So kann zu diesem Tisch- Anfgehea kein Teufelswerk, n»yo D'iv gebraucht werden, denn wir singen köstliche Lieder Rioworim, Psalmen, dazu, als Xdoo 01a» ligdai. So Kann auch kein Teufetswerk leiden, wen» man Gutes gedenkt; sie (die Teufel-werte) sichte» auch nichts aus als Bisses. Bornämlich ist uns Inden allerlei Zauberei, ftrtn und groß bet TodeSstraft verbot« z. B. 2 8. 9t 23,17: Eine Zauberin sollst du nicht! leb« lass«; 3 B. M. 19, 26:! •*) Dieses Werk iß leider nicht erschienen und das Manuscripr 1 iß wahrschidnltch verloren gegangen wie Wülfer glanbt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.