Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 5 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Ut)c Vormittags geworden, behielt er den Lieferanten bei sich, damit er nichtverrathe, und ließ di« Vorbereitungen zur Hinrichtung vor sich gehen. So wollte er wenigstens die Macht der Franzosen noch einmal zur Schau stellen, und wie die Begnadigung ein Act seines Willens.gewesen. Am andern Tage zogen die Franzosen ab. Sie marschirren mit klingendem Spiele »um Thore hinaus, bis durch die i Walle, defiiirten so vor den Preußen vorüber, legten dann ihre Waffen nieder, wurden als Kriegsgefangene an ben Rhein gebracht und dort in die Heimatd eyrlassen. Am: nachfolgenden Tagßtzogen die Preußen ein. Wie sie empfangen ■ wurden, will ich hier nicht schildern. Ewar ein schöner1 sonniger Tag, der blaue Himmel lachte in unsere Freude, in^ unfern Jubel hinein. .. Als der letzte französische Soldat bas Tb?r passirte, schritt »Daniel durch die Pforte de- Gefängnisses, und ging frei nach seinem Hause. Ader auch jetzt noch und später wies er jede Belohnung, jede Auszeichnung ab. Ich 1 kannte ihn noch viele Jahre. Mit den Franzosen schwand der Galgen vor dem Rarhhause, um, will'« Gott nie wieder, errichtet ju werben. Selbst die Stelle, wo er gestanden, ' ist aus dem Gedächtnr'ß des Volke-geschwunden. Niemals aber. wird das Gedächtniß jener großen Zeit, jenes heiligen Feuers^ in dem Herzen der deutschen Nation erlöschen. ' Ich gllmbe,' von der Zeit an wird der Geist der Nation in den Berechnungen nicht wieder unberücksichtigt bleiben. Das Tischrücken bei den Alten! £in Beitrag zur Beleuchtung riese» in England und kn Amerika noch immer allgemein-herrschenden Aberglauben»! Es giebt gewisse Arten von Borurrheilen und Aberglauben, Sie stets wieberkehren und immer in neuer Gestalt auftreren. Als vor -einigen Jahren Europa von dem Taumel des Tischrücken- und des Geisterklopfens beherrscht wurd«> der so schnell er gekommen wieder verging, glaubte man, daß dieser Wahn, dessen man sich nachgerade schämte, für immer abgelhan sei. Europa, müde von den Aufregungen und Wehen der Jahre 1848 und 1849, suchte sich zu zerstreuen und das Tischrücken mit feinem ganzen Geisterspuk leistete für den Moment treffliche Dienste, da in dieser thatenarmen und reaktion-reichen Zeit alle Welt sich dabei prächtig amusirte. Allein es ist mir den Borurtheilen wie mit den Verleumdungen, die, tausendmal widerlegt, dennoch immer haften bleiben, und sich »iemalS völlig au-rol/tzn wissen. Auch das Tischrücken, im Allgemeinen wohl schon^angst vergessen und als. ein thörichter Wahn belächelt,^Mt seine zahlreichen Anhänger und Verehrer noch immer in^fferika, in der Schweiz und hauptsächlich in E n g l a nö£ Ein geistreicher Artikel der „allgemeinen Zeitung" Ro. LüDBeilage vom vorigen Jahre, den ich'zur Einleitung und^»^nrschuldigung. daß ich di« allgemeine Aufmerksamkeit''Auf diesen absurden Gegenstand wieder zu lenken wag«, deshalb vollständig citire, erinnerte mich an ein längst verschollenes Buch und an eine darin befindliche, fabelhaft klingend« Erzählung. Wir glauben nämlich in demselben ein deutliches, unzweifelhaftes Zeugniß gefunden zu habe», daß den Alte« das Tischrücken vollkommen bekannt war, das sie es aber nur für ein kurzwelliges Spiel hielten, ohne dabei an irgend einen Geisterspuk oder an .einen spirituellen Einfluß z, denken. Möglich, daß diese Entdeckung dazu beitragen dürfte, diesen Aberglauben auszutilgen, und ich fand mich darum veranlaßt, dieselbe der Oeffentlichkeit zur weitern Erforschung und Begründung der Sache zu übergeben. Doch wir wollen zuvor den Artikel der allgem. Zeitung, „der Spiritualismus in England" überschrieben, hören. — „London Oktober. Eist eine auffallende, aber psychologisch richtige Erscheinung, daß die englische Nation, welche den ersten Platz ip der Bewegung des modernen Materialismus einnimmt, .stolz darauf ist, keine Philosphie zu besitzen, und die Herrschaft der Ideen durch die der Interessen für ewige Zeiten verdrängt zu haben behauptet; daß dieselbe Ration, welche die bloßen Worte Idealismus und Geist als Erfindungen der unpraktischen, spielenden und träumenden Deutschen denuncirt, unaufhörlich von Gei'stern verfolgt wird, und aus dem geistlosesten „Spiritualismus" ein System, eine Wissenschaft mit eigener Literatur und hierarchischer Vertretung gemacht hat. Der Spiritualismus in feiner plumpsten Form des Tisch» rücken- und Geisterklopfens har in England drei ständige Journale, die sich nur mit der Vertretung dieser rohesten und' kindischesten aller Geisterbeschwörungen befassen. „Das Spiritual Magazine" verkauft allein wöchentlich gegen IS,000 Exemplare, meistenan Abonnenten, also an stetige Anhänger dieser sonderbaren Beschäftigung des gepriesenen „comwon snise“. Ader nicht genug damit — seit einigen Wochen ist die Frage des Geisterklopfens (spirit-rapping) von unsere^ politischen und literarischen Presse wieder ausgenommen wolrden, und wird jetzt mit einem Glaubensernste besprochen, als gehörte sie in erster Linie zu der bekannten „C iv ilijü tton", deren Vorkämpfer England sein will. Thackettw's > „ Cornhill Magazine" machte den Anfang, und erklärte, daß eine Verbindung der diesseitigen und jenseitigen Welt vermittelst der Stuhl» und Tischbeine nicht wegzuläugnen sei, Blackwoods „Magazine" und Dicker- „Once a Week" waren dagegen, und so fort di« herunter zum elendesten Pennyblatt. In der politischen Tagespresse ist es sehr dezeichnmd der „Star", den Vertreter des Materialismus p»r euellenoe, der sich zum hauptsächlichsten Besitzer dieser hochherzigen Bewegung aufwirft. Man kann in diesem Partei-Organ der Manchesierschule jetzt täglich 2 bis 3 Spalten der Erörterung jener Frage gewidmet finden. In welchem Zusammenhänge steht da« spiritrapping mit der göttlichen Offenbarung i Wer ist das beste Medium, Frau! Marschall oder Herr Home? Sicherlich der letztere, der in seinen geheimnißvollen Geistersitzungen mit dem Kaiser l und der Kaiserin der Franzosen (wie bezeichnend, daß auch! diese hohen Herrschaften zu den entschiedenen Gläubigen j gehören!) so Außerordentliches geleistet hat. Sind die Geister i vor oder nach Tisch am wirksamsten? Müssen die Hände mit untergeschobenem oder ausgestrecktem Daumen auf dem Tisch gehalten werden, um die Geister am schnellsten hrrbeizurufen? Wie viele von den Lesem der Allg. Zeitung würden wohl für; der Mühe werth halten, diesen Fragen, die ia der englischen Presse mit Ernst, Gründlichkeit und fanatischer Intoleranz besprochen werden, eine lächelnde Aufmerksamkeit von wenigen Augmblicken zu schenken t Wahrscheinlich würde ihre Zahl sehr gering sein. Man l