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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 5 (1861) · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
5 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Ihr sollt nicht aus Schlangen und nicht aus Wolken! deuten: ibid. 31 und 20, 6: Wendet euch nicht den Be-! schwörern und Weissagern zu; suchet sie nicht auf, daß ihr ' euch durch sie verunreinigt; 5 B. M. 18, 10: Es soll nicht gefunden werden unter dir u. s. w., der Wähsagerei treibt, der aus Wolken und Schlangen deutet--und ein p Zauberer, und ein Geisierdanner, und der Beschwörung befragt und ein Weissager und der die Tobten befragt. In Summe -?a*7 spc, wir haben die Thora und die Propheten voll, daß wir mit keinerlei Zauberei umgeben dürfen, wenn es selbst schon ohne Schaben der Menschen zugeht; denn das Zauberwerk ist an sich stldst verboten. Was aber durch die Kabbala und die heiligen Namen Gottes und seiner Engel zugeht, das ist erlaubt, denn -da-. durch sieht man die Kraft Gottes. Das ist die sogenannte Kabbala practica, kw m n;apn. Also geschieht das. Tifchaufgehen auch! Es wird keine Zauberei hier gebraucht. Wer Zauberei treibt, ist des Todes schuldig! Den Unterschied zwischen ' Zauberei und Kabbala findet man in „Tracrar Sanhedrin 67. d."-- Wir sehen also, daß R. Salomon Offenhaufen daS Factum des Tischaufgehens, oder wie wir jetzt sagen würden, des Tischrückens, vollkommen zugibt;. nur verwahrte er sich dagegen auf's feierlichste, daß dasselbe weder durch Zauberei, was die Bibel und der Talmud verpönt, noch durch Beihülfe des Satans, der ja selbst vor i dem Gesänge frommer Lieder und Psalmen entflieht, bemerk-! stelliget wird. Za durch die feststehende Thatsache des Tischrückens und die darauf basirre niederträchtige Aufschul-, digung des elenden Brenz, „daß die Zuden große Lust zu der Zauberei haben wider Gottes Befehl" — eine Anklage, die im Mittelalter viele tausende Unschuldige auf dm Scheiterhaufen brachte — in die Enge gettiebm, sieht sich unser Apologet gezwungen, bei der Kabbala, die damals bei den größten christlichen Gelehrten im höchstm Ansehen stand, seine Zuflucht zu suchen. Hier wußte er, finde er am besten Schutz gegen di« giftigen Verleumdungen des Apostaten! Wülfer in seinen, weitläufigen Anmerkungen über die Bedeumng und den Unterschied der Kabbala theo* retiea et practica — wo eine große Mmge von Zeugnissen aus jüdischen und christlichen Schriften pro und contra zufammengestellr sind — hat diesen Umstand übersehen, daß R. S. Offenhausen die Kabbala blos als Nothdehelf hier anführt, und wirklich gar nicht ernst gemeint habe, da er wohl wußte,' daß kein .Kabbalist zum Scherze und beim Weine mit der Kabbala ein freches Spiel treiben würde. Es geht dies deutlich aus der gleich darauf folgenden Stelle hervor. Der ebenso rohe' als unwissende Apostat führt nämlich weiter als Argument das. Prager Märchen mit dem G c^lem an, das er nach feiner Manier eigenthümlich ausschmückt. „Eine andere Zauberei haben Eie, welche damor goliw genannt wird, da machen Sie ein Bild von Laymen einem Menschen gleich, zischperen oder brummeln demselben erliche Beschwörung in die Ohren, davon dann das Bild gehet." R. Salomon macht sich hier natürlich über die Ignoranz des Brenz lustig, der eigentlich selbst ein solcher Golem wäre, und fährt bann, nachdem er über das Buch Zezira, über die Propheten der Esseer bei Josephus gesprochen, fort: „Solche Kabbalisten haben sich von der Welt gänzlich zurückgezogen und sind den Propheten zu pergleichen, wie auch Zofephus schreibt u. s. w.; allein uns deutschen Zuden ist solche Kabbala verborgen. Zm heiligen Lande aber soll es noch solche Leute habm, die durch die Kabbala viel thun können; aber unsere Golems, machen wir nicht aus Laymen, sondern aus Mutterleib werden sie geboren." Man sieht also, daß R. S. O. den deutschen Judenseiner Zeit die Kennmiß der Kabbala practica gar abspricht und selbst an die Wunderthatigkeit derselben leisen Zweifel setzt! — Uebrigens ist es bekannt, daß die Sage mit dem Golem, Iwmunculus. nicht gerade bei den Juden sich findet, da die Alchemisten, Kabbalisten, Adepten und dgl. vorgabm, daß sie durch magische und dämonische Kräfte, wie auch durch Beimischung verschiedener Stoffe, ein solches menschenähnliches Wesen, bnmunciilu«, zu bilden im Stande wären. Vergleiche Krug Philos. Lexiron 5. Band, Artikel: bomimkel, wo eine Schrift des Paracelan»: De generatione rerum naturaliiim angeführt wird, worin aussuhrlich und im vollen Ernste über die Bildung dergleichen Zauberwesen gehandelt wird. Goethe laßt bekanntlich im 2. Theil seines Faust den Homunkel sogar leibhaftig aus einer alcheiüistischen Phiole hervorgehen — und endlich in Wülfers Anmerkungen findet man viele Eitate hierüber aus alten Wecken. Das Prager Märchen stammt wahrscheinlich aus derselben trüben Quelle; aber immerhin bleibt es rälbselhafr, wodurch der berühmte R. Lob aus Prag es v/ranlaßt haben mag, daß er zu den Adepten seiner Zeit gezählt wurde! feint i. Ehestands-Anekdoten. Ein Ehepaar, dessen Zwistigkeiten gar handgreiflich geworden, stand vor dem Richter zum Sühneversuch. Die Frau beschwor ihren Mann, sie wieder zu sich zu nehmen, und versicherte ihn ihrer unveränderten Liebe. Der Richter redete dem Manne zu, und sagte: Sie haben doch eine so hübsche, liebevolle Frau, warum wollen Sie sie also nicht? — „Nu", antwortete der Ehemann, „Herr Richter, wenn sie Ihnen gefällt, warum nehmen Sie sie sich nicht?" Zwischen einem alten Ehepaare, das bereits viele Jahrzehende mit einander verlebt hatte, Mann und Frau hatten die Siebenzig schon erreicht, stand es nicht immer richtig.' Die Frau schmälte ihren Mann aus, und beklagte sich bitter: Gott, was habe ich für einen Schlemihl bekommen! „Wie", rief der Mann aus, „vierzig Jahre verheirathet, und noch immer Eharotho sReue) auf dm Schiddur (Ehe)?" Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 4. 1861. Leirenbe Artikel: Einige^Blicke auf die Weltlage. — Die israelitische Bibel» Anstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preußen: Uedem, Aachen, Köln. Oesterreichischer Kaiserstaat: Aus dem Banate, Neuwa, aus dem Tokayergebirge, Wien, Arad Torrespondenz: Aus Mahren. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich y* Thaler. Lerantwortlicher Redakteur: St. Nabe. StrUf »o» Samgittatt’« SsdrfciMng i» -eipzig. — Druck von @. Kreysing in £ci«)tg.

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