Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 5 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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l Indisches BolkSblatt. Zur Retehrung und Anterhattung Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Zeblete. lNo. 5. 1861.1 Bon dieser ZeitschriN erftbeiut «öcbeuUich eia« Rmnmer. Pret« de« S«hr-1 r,t * »Dck 4 l tl Sans« 1 LHIr. Vierieljährij, 7 R,r. M( «uchda»d!»»snl. P»-L«rrr> I < , 1. vK87l2l.t »ob Zeiomg»«rVrditr»»e« ueh«e« Ve-etliuige» aa. >- Wv » J MtBtl, Scenen und Gestaltev aus meinem Leben. 4. Der Spion. Da die Juden damals nur noch in geringer Zahl in jener Festung wohnten und darum keinen Rabbiner hatten, ging der Borbeter zur Seite dessen, der jetzt zum Sterben wandelte, an sie schlossen sich mun andere Glaubensgenossen, denen die Erlaudniß dazu gewährt worden. Ich befand mich unter ihnen und ging dicht hinter dem Verurtheilten. Ach, alch er hinaustrat, und die lichte Sonne ihren Strahl ihm zusandte, der bald der letzte für ihn sein sollte, und er die gaffende Meng« um sich erblickte, und von drüben her dahochragende Gebälk deS Galgens mit dem verhangnißvÄlen Stricke, da wurde sein Antlitz so bleich wie ein Leichentuch, und sein Auge stierte gläsern dahin, woher ihm der Tod winkte; «in Rieseln der Frostesschauer ging durch seine knochigen Glieder — aber da ich nach feinem Arme griff, um ihn zu stützen, wehrte er mich ab, bald war sein Schritt fest wie vorher, ja er richtete seine gebeugte Gestalt auf, um zu beweisen, daß er seine Thal nicht bereue und den Tod nicht fürchte. Bald war der Raum bis zum Marktplätze, bis zur schrecklichen Richtstätte durchschritten; wir langten am Fuße des Galgens an, wir stiegen mit dem Unglücklichen die Stufm hinan; der Henker ergriff ihn, und legte die herunterhängende Schleife um seinen Hals. Dann ttat ein Auditeur vor und laS das Urtheil in französischer und deutscher Sprache vor. Hierauf wandten wir uns zu Daniel und sagten ihm das hebräische Sündenbekenntniß vor; er wiederholte ,S kräftig, indem er bei jedem Worte mit der Hand an die Brust schlug. Jetzt stieg der Henker die Leiter hinauf, um die Schleife anzuziehm, und sein Gehülfe schickte sich an', den Block «egzustoßen, auf dem der Unglückliche stand —; da erhob sich ein Geschrei in der Menge, wie „Pardon! Pardon!“ sie theilte sich/ ein Adjutant sprengte herbei, winkte dem Henker adzulaffen von seinem schrecklichen Werk und übergab dem Aubiteuer einm schriftlichen Befehl des Obercommandanten, mit der Hinrichtung einzuhaltm, und den Delinquenten nach dem Gefangniß zurückzubringen... Die Schleife fiel von dem Halse Daniels herab; jetzt war e», wo der starke Mann schwach wurde, seine Kate zittterten, er brach zusammen, und sank wie entseelt in meine Arme. Drunten aber drängte sich ein Weib, gefolgt von -vier Kindern,, schreiend dMch die Menge, fi« Kürzten die Stufm herauf und umringten ^-retteten Manu und Vater, Trommrlwirstrl, die Soldaten marschiren ad, man geleitet Daniel j famijit dm Seinigen uqd und Allen in das Gefängniß zurück ein Gebraust ging durch die Menge, aber es wor ein freudiges und ein heiteres Lächeln stand auf jedem Gesicht». Wie dar zug^gangen, erfahren wir bald. Ln der vorhergehendm Nacht warijenerjOderlieferant Lurhckgekehrt; man hatte ihn bald von dem Kanzea Vorfälle in Keniitniß gesttzr. Ader wichtige Geschäfte! führten ihn so noch mitten in der Nacht zu dem Comm!»ndaaten. Er bracht« die sicheren Beweist mit, daß der^Friede zu Paris geschlossen sei, womit jeder Widerstand seitens der französischm Besatzung widerrechtlich geworden!, so daß der Eommandant zu einer Capitulation sich genöthigl«sah, zu.welcher die Vorschläge der Preußen lbereic Sorgelegt wurden. Dies* bmutzte der kluge Lieferant, ten Kommandanten um -die Begnadigung, des SpionS! anz «gehen. Er bat ihn, nicht nutzlos das Blut eines verirrt« n Menschen in dem Augenblicke zu vergießen, wo hie g inze Welt dem Frieden entgegenjuble, und diesen viejmehr durch ein Werk der Gnade zu besiegeln. Er macht der französischm Befehlshaber aufmerksam, daß eS stlbs gefc hrlich fei, di» Gemüther der Bevölkerung durch dm Tod eine- Patrioten vollends zu erbittern, die nicht versehen würde, sich irgendwie, und sei ei an Einzelnen der ab jleher den Französin, zu rächen. Ader Allewar vergeben,. 8S waren dem General, wie er meinte, zu viele Lor eerrr in der Dertheidigung deS Platzedurch die Schlich des schmutzigenDichte« verloren gegangen, als daß er ihi nicht exemplarisch ^strafen müsse. Hoffärtig noch immer, er ‘CdcteT er, baß sie ja so bald wiederkehren würden, und danp wäre eS vortheilhaft, wenn die utschen wüßten, daß itzan picht unbestraft dm Berräther md Vorstellungen.vergeblich warm, auf ein Pferd, sprengte, da er ch dem prrußischen Lager, wurde Gmrral vorgelassen, legte ihm or, und da jener von den auS- Dimstm Dahiel'-I genaue Kennmiß hatte, stand n Schreiben an dm> Französin zu erlgssm, aadiqung ■ des DeKrqumrm als. rin« pttulatioa eEÜ«vr. Mit diesem ant zurück, und mdem er diesem Summe, welche die Judm unter Gksthewk beilegte, fand sich der »,! »««ist jedoch wenigstendie SchiHel alverdien» Straf« «jffstz, und da e< bereitneun h --H tte. Da alle Bitten wamsich» der Lieferant pam«^»»r«oul hatte, bei -vEnrommandirmder die g^^Angelegenheit gezeichnet er nicht a worin er d' Hauptbedingung Schreibm eilt« der Schreibe« eine bedeu sich aufgebracht, alfranzöfische General Qualm deS HingangS aa dep, Verbrecher 93488^