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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 2 (1861) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
2 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 er nun feine JRtb« mehrere Male an sie richtete, wagte sie auch schüchtern di, Frag« 'an idn zu richten, ob er Nachrichten von Haufe hätte ^nd welche. Damit haue sie die Smleusrn seinleS- Herzen» geöffnet; voll Wehmuth erzählte er von seinen Eltern, welche ein« ziemliche Zahl von Webern beschäftigten, pnd darum im Dorfe sehr angesehen und einflußreich, voiL ihrem schonen Hause, ibren Aeckern und Wieseü; banv gedachte er seiner Brüder und erwäbnre seiner einzigen Schnestcr, dieser alS blühende- Mädchen verlassen, und welche plötzlich ein hitzige- Fieber ergriffen und hinweggerafft hatte. Mir tiefem Schmerze schilderte er ihre Liede zu ihm, die «c. so innig erwiederle, da- Andenken, dasie ihm beim Ad'chirde mikgegeden, und wie sein Name, nach den Mittheil» ngen der Seinigen, der letzte Laut gewesen, .der ihren ste dendcn Lippen entglitt. Der junge Mann sah in Rebck a'- leuchtendem Auge eine Tdrane de- Mitgefühlblinket, die sich langsam die blühende Wange hinabstahl. Er er aßke ihre Hand und drückte sie lebhaft. Da ^fiel der Hau»! err rasch mit der Mahnung ein, daß eeine Sünde sei, rm Festlage der Trauer nachzuhangen, von Neuem fuiltd er die Becher, und begann da- Tischgebet. Wirtlich halj dienebst den nachfolgenden Heberen über den Schmer; jhinweg, und alnun der Vortrag zu den heitern Melodien am Schlüsse überging, sielen Lieutenant und die schöne Rebekka mir Heller Stimme ein, daß eeine Lust zu hören und zu singen war. Von dies m Tage an war der Offizier wie ein Kind im Hause. C c betrachtete sich so und wurde so angesehen. Die Besuche beim Hotstallfchuhmacher wurden semer/eilimmer selten c, wie die de» andern Offizier'- im odern Stockwerk. Denn da dieser die Schuhmacher-lochter nach der Messe de. leitete, und da- Osterfest nicht minder herzlich mir seinm Glaubensdrüdern vollbrachte, so war e« natürlich, bar di, frühern Fäden sich kosten, und dafür neu« grknüps wurden, welche fester zu werden schienen. Alder Früh ing erwacht war, half Berr der Tochter seine- Wirlhihren kleinen Garten bestellen und pflegen, der ihre ganze. Freude war, untz als die Fliederlaube sich immer dichter umdu chre, die duftenden Blüthen Hervordrachen, und vir Nach igall ihre entzückenden Lieder ertönen ließ, da saß man dorr öfter bei einander, nach der Arbeit ein wenig zu ruhen unk die Wonne de- Lenzein sich aufzunehmen. Ader m tun in diese Idylle schmetterte die Kriegstrompete hine n. Eine fliegende Colonne des Feindewar in die Landschaft eingedrungen und harre sich dem Städtchen genähert. Versprengte Vorposten waren in die Stadt geflohen, der Generalmarsch wurde plötzlich geschlagen, und in der kürzesten Zeit stand da- Bataillon kampfgerüstet auf dem Marktplätze und marschirte unter Hörnerklang und Trommttschlag zum Thore hinaus. Nicht lange?, und sie trafen auf den Feind. - Dieser, der seine Stzeifzüge gern weiter hinausgedehnr hätte, griff mukhig die Franzosen.an, und wollte sie über den Haufen werfen. Diese aber hielten tapfer Stand, der Angriff mißlang, ein blutige- Gefecht erfolgte, und wandte sich später zu einem unwiderstehlichen Angriff seitender Franzosen um. Alder deutsch« Odrifl sah, baß seine Gegner nur durch einen langen Kampf überwunden werden könnren, und daß es ihm zu» viele Opfer kosten würde, um seinen verwegenen Zug noch weiter fortsetzen zu können, befahl er den Rückzug, der in guter Ordnung vor sich ging. Di« Franzosen verfolgten hitzig.! und hierbei geschah es, daß unser Lieutenant, der unter den j Vordersten voran stürmte, eine Schußwunde in den Schenkel! und einen Säbelhieb in den Acm^erhielt. Er sank nieder, 'aber feine Soldaten, die ihn all^liebten, hoben ihn auf und brachten ihn in die Stadt und in sein Quartier. Der gute Händler und die Seinen waren außer sich vor Schrecken . und Kummer. Der junge Mann war lange Zeit bewußtlos, dann kam ein heftige- Wundfieber, so daß sein Zu-! stand nicht ohne Gefahr war. Rebekka widmete dem Verwunderen die sorgfältigste Pflege^ und wich, sobald der 'Chirurg seine Dienste geleistet hatte, nicht vom Bett« de-! Kranken. Die kräftige Natur desselben überwand die Folgen. . der stacken Verwundungen, und endlich ging die Genesung, 'wenn auch langsam, vor sich. Seine Dankbarkeit kannte keine Grenzen, und aler, von seinem Ehef eine Belobung und die Zusicherung baldigen weiteren Avancements erhielt,' rief er voll Begeisterung au»: „Wem danke ich es, daß ich diese- Glück erleben konnte, als Ihnen, Rebekka V Brauche ich es meinen Lesern noch weitläufig zu schildern, daß diese Vorgänge nicht ohne Folgen blieben i Die Herzen der jungen Leute waren sich in Freud und Leid zu nahe gekommen, aldaß sie sich nicht mit der innigsten sZuneigung harten erfüllen sollen. Als der Lieutenant wieder zum ersten Male in der Fliederlaube saß, und die warmen Sommerlüfre und die goldenen Strahlen der untergehenden Sonne seine Seele mit Entzücken füllten, da streckte er : seine Hand nach Rebekka au-, bekannte ihr die Fülle feiner ' Gefühle.für sie, und dar sie um ihre Hand .... Da» war nun dem Papa Jakob nicht ganz recht. Was! sollte daraus werden f Meinte eder junge Offizier ehrlich, so würde er im günstigsten Falle die Tochter weit, weit hinweg führen, daß dir alten Leute sie kaum wieder zu , sehen bekämen. Aber waS für Unfällen ist eine Soldaken-! braut auSgefttzt! Wer kann ihr bürgen, daß der, den sie i über Alleliebt, morgen noch athmeli Und fürwahr, Na-; poleon schonte seine Leute nicht. Ihm waren, wie er in Dresden selbst gesagt, hundert tausend Menschen wie Nicht-, ' wenn sie seinen Zwecken dienten. Ewar damals keine Aussicht vorhanden, daß daunglückliche Europa den so sehr ersehnten Frieden erlangen, daß daunruhige Frankreich, ' welchem seine Herrscher stets mehr Wunden geschlagen als seine Feinde, zur Ruhe kommen würbe. Wie sollte Jakob ' sein einziges Kind sich auf ein« so leichte Barke eknschiffrn ' sehen, die hohe See der Kriege-zeit zu befahren. Allein i wavermag ein Vater einer so starken und in sich gerechtfertigten Liebe gegenüber i Rebekka weinte, ihre Wangen wurden bleich und fielen ad, in Folge dessen heulte Frau Zatod und jammerte, und in Folge dessen gab Herr Jakob nach, und die beiden jungen Leute wurden verlobt. AehnlicheS mochte wohl im untern Stockwerke auch vor sich gegangen fein, denn auch unten gab eein Brautpaar, und die beiden Pärchen wünschten sich aufrichtig Glück, denn sie fühlten, daß es so besser sei, als früher. Nun, der hinkende Bore kam nach. Nach kurzer Rast eröffnele Napoleon den kolossalen Feldzug gegen Rußland, und auch baS Bataillon, dem unsre beiden Offiziere angehörten, trat den Marsch nach den nordischen Wüsten an. Ich gehe über die letzten Tage des Zusammensein-, Über den Abschied, die Thronen und Schwüre und datiefe, bodenlose Weh dieser jungen Herzen hinweg. Dennoch vermochte e« Rebekka, ihrem Bräutigam da- Geleit weit

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