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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 2 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
2 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt C rv Zur RelehkÄKg und Unterhaftung auf jüdischem Gebiete. H«au*gegeben von! Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in »Magdeburg. 4 [9lo. 2. 1861.] Bon dieser Aeitschrift erschein« wöchentlich eine Rümmer. Pretde* Jahrgang* l Thlr. Vierteljährig 7 % Rgr. »Ue vnchhaadlungen. Postämter und Zeiwngöexpedinonr» nehme» Brstctlnngr» an. (8. Jahrg. 1. Quartal.] ©eenen und Gestalten ans meinem Leben. l Schluß von *.) Jahre warm vorübergegangen, ehe ich bei meinem diedem Kunden wieder ernkehrte. Ich fand ihn und seine Frau nur durch die Jahre verändert, ebenso, wie die Bewohner deuntern Stockwerke-, aber während diese ihre einzig« Tochter alalte, verblühet« Jungfer noch immer bei sich hatten, lebte der Händler Jakob mis feiner Frau allein. Wie war die« Alle« gekommen? Die guten Leute erzählten es mir sehr ausführlich, und ich will e« dem freundlichen Leser wiederholen. Zur selben Stunde stieg Jakob die Treppe hinunter zu dem französischen Offizier, der Jude, der Hofstallschuhmacher, bie Treppe hinauf zu dem französischen Offizier, der Katholik war. Beide stellten den Offizieren da- Gesuch, da- Quartier kameradlich zu wechseln, da eihnen, den Wirthen, sehr lieb wäre, bei dem bevorstehenden Osterfeste den Glaubensgenossen bei sich zu haben, und «S diesem gleichfalls angenehm fein müßte, da« Fest mit dem Glaubensgenossen zu feiern. Wir müssen eS verrathen, daß der Katholik weit weniger Einwendung erhob, als der Jude, wahrscheinlich weil schon damals die sogenannten aufgeklärten Juden am liebsten alS solche gar nicht erkannt fein wollten. In Erwägung aber, daß sein bisheriger Wirth, der Katholik, dm Wunsch hege, ihn loS zu fein, willigte auch er ein. So wurde denn der Lieutmant Berr die Treppe hinaufspedirt, und sein katholischer Kamerad die Treppe hinunter. Al« aber Berr sich bei dem braven Jakob einquartkert sah, wurde e« ihm doch um vielebehaglicher. Freilich wurde die Verbindung mit dm Mädchm der verschiedmen Stockwerke noch nicht ganz abgebrochen, aber sie fanden doch seltmer Gelegenheit, sich zu fehm und zu sprechen. Der Peßachabend war erschimm. Dabeste Zimmer im oberm Stock war festlich geschmückt, die Tafel aufnetteste hergerichtet, Lichter und Lampe brannten hell, alle Requisiten dieseeigmrhümlichm Festewarm in rechter Weise bereitet; der Wirth, seine Frau und Tochter, sowie sein Gast, ließen sich nieder, der Wein perlte in dm Bechern, wurde getrunken und wieder eingeschenkt, und der gemüthliche Bortrag mit allm seinen wechselndm Eeremoaien begann. Da «achtm in dem Limtmant all die schlummemdm Erinnerungen seiner Kindheit und Jugmd auf; er sah sich wieder an dem Tische seiner geliebrm Eltern, im Kreise seiner Geschwister; er fühlte wieder die frmdlge Aufregung, die da« Erwarten de« Feste«, die Theilnahme, die da« Felem desselbm in dem kindlichm Gemüthe heraufbracht«, die Befriedigung, die religiöse Weihe und zuletzt doch wieder die überschäummd« Fröhlichkeit, mit welcher der Abend zu enden pflegte. Er widmete daher dem Bortrage seine« Wirth« die größte Aufmerksamkeit, und al« nach dem ersten Absätze da« leckere Mahl folgte, betrachtete er sich seinm Wirth, dessen Frau und ihr« Tochter genauer, fand sie immer liebenswürdiger, «a«, ich sage e« offen, am meisten mit der letztem der Fall war. Die Sympathie . der GlaubmS- und StammeSgmvssenschast war der Zündfaden, der durch di« Herzm der vier, in so harmloser und gemüthlicher Feier begriffmen Personen lief, und bald zu einer Flamme aufloderte. Nicht« natürlicher, alS daß Berr'S Erinnerungen sich zu Worten gestaltttm, und er von seiner Heimath, seinm Eltem und Liedm allm erzählte. Er war nicht durch die Conscription zum Soldaten geworden, da schon ein älterer Bmder der Fahne gefolgt war. Aber al« er «inst in der Schenke seine« heimarhlichm Dorfe« mit seinen christlichen AlterSgenossm zusammen war, fingen diese den Juden zu neckm an. Sie behaupteten unter Anderm, daß kein Jude ander«, als gezwungm, Flinte und Säbel ergriffe, und daß die Juden meist. Mittel fänden, sich selbst diesem Zwange zu entziehen. Die« packte da« Herz de« ehrgeizigen Jüngling« so sehr, daß er sich vermaß, dm Gegenbeweis zu führm, und binnen Jahresfrist weiter gekommen sein würde, als si», seine und seine« Volke« Schmäher, all' ihr Lebelang. Er hielt sein Wort. Trotz dem Widerstrebm seine« greisen Dpter«, trotz den Thränm feiner alten Mutter, trotz dem Unwillen seiner Geschwister und Verwandten, dmen gegenüber «in Blick auf die Schenke oder einm derer, die seine Großsprecherel'-dort vemommm hatten, ihn in seinem Entschlüsse bestärkte, trat er, der siebzehnjährige Knabe, in ein Regiment ein, mach» Mort dm ersten italienischen Feldzug Napoleon'« mit, zeichnete sich, vom Glücke begünstigt, durch Bravour fo au«, daß «nachmehrermMonatm bereit« zum Sergeanten avancirte. Die« blieb er freilich eine lange Zelt, bi« er in ein« Schlacht in Deutschland sich di« Epaulettm verdimte. Nun freilich hatte er e« schlimm getroffen, daß sein Bataillon gerade in dem Landstädtchen gamisonirt ward, während seine Kameradm von Sieg zu Sieg flcWn. Jndeß der Soldat muß gehorchm, und wer könne wissen, wa« die Zukunft noch bringen werde. Diesi Mkttheilungm de« jungen Krieg«« brachtm unfem Jakob zu mannigfachen Fmg«!« über die militairifchm Admtmer unser« tapfem LimtmantS, die « jbhr bereitwillig «zählte, und wobei er sehr wohl merkte, baß die schöne Rebekka ihm nicht minder eine eifrig« Zuhörtri» war. Da. .

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