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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 1 (1861) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
1 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Stimme und sprach: „Wa-, mein Hauverbrennen? mein schoneweiße- Hau-? Nimmermehr, geben wie unser« Widerstand auf, Freund Jakob; wir haben unsre Barerlandsliebe genugsam bewiesen, daß wir unsre Wohnung so lange im Zustande der Bertheidigung erhalten haben, der Herr har Recht, Widerstand ist vergeben-. Der Ehre ist genug geschehen, wir wollen unergeben." Der Händler Jakob, besten Tapferkeit ich dis jetzt gar nicht gekannt hatte — entwickeln sich doch die größten Tugenden erst in der Stunde der Gefahr und der Prüfung — schaute wehmüthig auf seine Befestigungsarbeiten und wollte sich noch gar nicht darein ergeben, seine schlau ersonnenen Plane zu opfern. „Wie," rief er, „ich soll nicht einmal Weib und Kind vertheidigen) Wir sollen widerstandslos in den Tod gehen?" „Sie irren, mein Bester," sprach ich. „Wenn Sie keinen Widerstand leisten, so wird Ihnen Niemand warhun. Sie werden einige Steuern mcbr bezahlen, ein paar Soldaten in- Quartier bekommen, daist Alles. Glaubt doch nicht, »Ihr Kleinstädter, jeder feindliche Soldat verspeist ein halb Dutzend von Euch zum Frühstück, und ein ganzes Duyend zu Mittag, dazu seid Ihr viel zu gHhmackloS. Also vor Allem — Halter die Treppe frei!" Jetzt trat der Wirtd die freien Stufen der Treppe hinan, und sprach mit außerordentlichem Nachdruck: „Wenn Ihr auf den Freund nicht hören wollet, Jakob, so befehle ich Euch al- Wirth, das Gerümpel hier wegzuschaffen, oder, ich laste den Posizeimann holen, und klage Euch der Verletzung meine- Hau-rechtan." Das war freilich ein Argument, gegen welchenichtmehc aufkommen konnte. Mein tapferer Kunde, welcher der ganzen französischen Armee Widerstand leisten wollte, verlor bei der Erwähnung de- PolizeimannS allen Muth, wehmüthig rief ec aus: „Ihr habt ezu verantworten" — und sing an, die Treppe frei zu machen. — Mein Geschäft mit Freund Jakob war bald geordnet. Ec zahlte mir seine Schuld, wollte aber keine Bestellung machen, da er traurig in die Zukunft blickte. Nach kurzem Aufenthalt verließ ich das Städtchen wieder, wo noch immer die ängstlichen Gruppen auf der Straße standen, und nach dem Thore blickten, um Fersengeld zu geben, sobald eine feindliche Trommel sich Horen ließe. Wenige Monatr^d«quf führte mich mein Weg abermals dahin, und neugienA^wandte ich meine Schritte;u dem,biederen Händler, um k«rEkft^g seiner Selbstüberwindung , mit der er den Kampf geqpb-die Franzosen aufgegeben, zu vernehme». Ich fand ihn und feine tteue Gattin in großer Verlegenheit. Ein französisches Bataillon war nach dem Städtchen verlegt worden, und sollte hier dleibead eiaquartiert sein. Daschone, reinliche Haudes Hofstallr schuhmachermeisterwurde mit zwei Offiziere« belegt, und bas Schicksal, welchedie beiden Swckwerk« immer in gleicher Weift bedachte, föhtte jedem Stockwerk« einen Offizier zu. Hiermit sirllte aber die-mal die Aehnkichkeit aufhören. In dem Bataillon, welcheau» lauter Elsässer« bestand, dienten mehrere Juden, und der «in« war dizum Offizier avancirt. Es traf sich nun, daß gerade der jüdische Offizier bei dem Hofstallschuhmacher und ein katholischer bei Freund Jakob einquartiert wurde. Die Erwartungen, wie ich sie ausgesprochen, waren in ErMllnng gegangen. Die Franzosen forderten nicht zuviel, und wenn «an ihnen diebereitwillig leistete, so benahmen sie sich ^höflich, und gegen die Frauen galant. Die beiden Offiziere sprachen deutsch, hielten sogar darauf, daß ihre Leute, wenn sie dareinliche Haubetraten, sich von allem Schmutze reinigten,' und die frühere Furcht hatte sich bald in wahre Freundschaft verwandelt. Dennoch befanden sich Freund Jakob und seine Gattin in großer Verlegenheit. Zurrst stand das Prssachfest vor der Thür, und sie fürchtet?», daß der katholische Offizier ihnen große @«ne verursachen, und sich kaum in die neue Ordnung der Dinge, in daverwickelte Peffach-Regime finden würde. Die» war aber noch da- Kteinere. Mehr Sorge noch machte es ihnen, daß der- Herr Offizier seine Galanterien der wunderhübschen Rebekka zuwandte, welche < sie sehr fteundlich aufzuachmea schien. Die elterlichen Herzen waren sehr beängstigt. Sie träumten von Entführung u. bgl. Gern hätten sie > ihre einzige Tochter nach irgend einer Base oder Muhme geschickt, aber die Schrecken de- Kriegewaren über dagajaze Land gebreitet. Gern hätten sie Rebekka in ein Hinferzimmerchen verschlossen und wieder eine Barrikade davo4 aufgeführt. Aber der freundliche Offizier war gewohnt ftei durch alle Zimmer zu gehen, und war so zuvorkommend und einaehmend, daß sich gar nichts dagegen machen ließ. Da- Merkwürdige war, daß der Hofstallfchuhmacher ein ähnliches Verhaltnlß zwischen dem jüdischen Offizier und! dem einzigen Töchterlein dekatholischen Wirthes sich eathi!uuen gesehen, und davon in gleicher Bekümmerniß berichtet h^tte. ftnufc lich verfolgten die beiden Stockwerke jeden Schritt, 'jdrtp Blick, jedes Wort ihrer militärischen Besatzung, und leider wurden ihre Besorgnisse nur immer mehr verst-rkr. Mitten in diese Verlegenheiten kam mein Besuch; an! dem gedrückten Wesen meiner Freund« erkannte ich, dast Etwalöset, auf mein Befragen schütteten sie ihr Herz vor mir au-, und bestürmten mich um Rath. „Ei," sagte ich, „der ist leicht zu finden. Ich wiedechole Euch meinen Rach von meinem letzten Besuche: haltet die Treppe ftei! Nur keine Barrikade! Trag? bei Eurem Wirthe und den Herren Offizierm auf einen Wechsel Eurer Garnison an, erbittet Euch den Juden und gebt de» Katholiken ad."- „Ja, daran dachte ich auch schon," erwiderte Jakob, „aber wie soll ich daanfangen' „Sehr einfach. Peffach ist vor der Thür, und da haben Sie vor aller Welt den plausibelsten Grund, sich den Juden zu erbitten. Sie sagen. Sie glaubten diesem einen Gefallen damit zu chun, wenn St« ih« Gelegenheit böten, da- Fest einmal wieder in der'Mitte von Glaubensgenossen zu feiern^ und Ihnen sei ijt «ine Äohlchat, sich in keiner Weife geairt zu fthen. Der Herr .Hofstallschuhmacher wird Ihnen willig Beistand leisten, denn er leidet an denselben Besorgnissen. Dann liegt die Kreppe zwischen den beiden Pärchen — und wenn Sie diese auch fortwährend frei halten müssend so ist doch schon der beständige Umgang und die beständige Gelegenheit geuommeu." Der Rach gefiel außerordentlich, ich schibd mir Dank beladen, und hoffte den besten Erfolg. <e«inf ms s wa*.) •_ *1

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