Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 1 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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ttocnn die eigene Mahnerstimme — so grob sie auch war — fleyi Gehör gefunden. Selbst diese bewaffnete Macht war irgend einen verborgenen Winkel der Stadt entflohen, va sie die Hoffnung verloren harte, die siegreiche französische Armee mir dem großen Rohrstock über den Rhein zu jagen. K.rrre Mühe, den tausendfältigen Fragen, die aus jeder uppe sich erneuern,;u entkommen, stieg lieber ad, und sich mein dampfendes Pferd von einem Burschen nach dem rlKShaus« bringen, um den Mann aufzusuchen, iJm ejfe^twillen ich hierhergekommen. Eö war ein braver jüischer Händler, der einen kleinen Kramladen auf der Hauptraße des Städtchens hatte, sind den ich Jahr aus Jahr ein il seinem kleinen Bedarf versah. Er war uns deshalb mmer mit einigen hundert Thalern verpflichtet, die er stets edlich vor jeder neuen Bestellung ablrug. Li« Laden, im Städtchen waren allesammr geschloffen, nd ich mußt« nach der Privalwohnung des biedern Jakob andern. Diese befand sich in einer Nebenstraße. Ein übscheS Häuschen, aus zwei Stockwerken bestehend, fiel em Kommenden schon von Weitem durch sein nettes Aeußere uf. Man sah, dib Hand der reinigenden Wirthin war äglich daran, und duldete keinen Schmutz und kein Spinneewede vom Grundstein bis zum First; das Täfelwerk war immer blank, die Scheiben glänzten,, das Trottoir vor dem ausi war gescheuert und ward jeden Morgen mit weißem and« bestreut. Das war nun freilich! nicht das Weck er Frau Jakob; bas Haus gehörte einem wohlhabenden chuhmacher, der, ich weiß nicht für welchen "herzoglichen der prinzlichen Stall Hofschuhmacher war, und Jakob hatte ur das obere Stockwerk als Micther inne. Aber Wirth nd Miether, Wirthin "und Mietherin mußten in seltener ympalhie sich treffen, denn durch bas ganze Haus wehet« ecselbe Geist der Reinlichkeit, und Frau Jakob , hielt die olzcrne Treppe und die Flur und die Küche und die Zimer ebenso durchaus nett und sorgfältig, wie die Frau Hofallschuhjnacherin die ihren, und sie wohnten schon viele, ieke Jahre mitsammen. Nun bestanden auch beide Stockerke aus gleich biederen, fleißigen Männern und gleich friedichcn, lhäligen Frauen, und, wie es sich einmal'gefügt, jedes Stockwerk harre ein einziges Kind, nämlich eine Locher, die ziemlich in einem Alter, und dieselbe Schule besucht atlen, jetzt;u blühenden Jungfrauen geworden. Als ich mich dem Hause, daS zwischen zwei Gärten stand, deren ^Mauern die Straße bilden halfen, näherte, sah ich, daß es!ich in einem außerordentlichen Zustande befirnd. Die Haushür war fest verschlossen und rin Balken vorn querüber ingefügt, die Fensterläden unten waren geschlossen, und im hbern Stockwerk mir Säcken verstopft. Die Bewohner hatten sich also in Belagerungszustand erklärt, und waren im Begriff, dem französischen Heere den Krieg zu erklären. Es siel mir gar nicht auf, ich hatte auf meinem Wege Mehrere Häuser in ähnlicher Beschaffenheit gesehm. Aber wie.hinein kommen? Ich ging die Gartenmauer entlang, hinter dem Hause herum, und fand ein Loch in einer Hecke, durch das ich mich in den Hof drängte. Zwar war die Hofpforte ebenfalls verschlossen, da donnerte ich aber mit Macht an, und plötzlich fuhren zwei bärtige Köpfe, der des Hofstallfchuhmachermeisters und der meines Händlers Jakod zu einem obem und untem Fenster hinaus, und frugen mit tinrc Stimme, welche ebenso Todesangst wie daS Verlangen rcht einzuflößen, verneth: wer da?! Mich ergriff ein - wahrer Lachkrampf, denn durch das Fenster gewahrte i,ch,„! in den Händen der beiden Männer rostige Flinten, also die I beiden Herren dachten in der Thar an einen tapfern Widerstand. AlS Jakob mich erblickte, rief ec beruhigt: „Ach, sind Sie es, Herr ....? Ei, das ist schön von Ihnen, Sic sollen mich von einer fürchterlichen Angst um Ihr Geld befreien; es liegt bereit, und wenn die Menschenfresser, die Löffelbande, die Franzosen gekommen, und harten eS geplündert . „Ja, aber — erwiederle ich — tapferer Dectheidiger, wie komme ich zu Ihnen? Wollen Sie die Thür nicht öffnen? Ich habe durchaus keine feindlichen Absichten, und werde der Besatzung kemen Schaden khun, auch ihre Verlheidigungsmittel dem Feinde nicht verrarhen — nur die Thür geöffnet! „Sind kenn aber auch die Feinde noch nicht da?" lautere die Antwort, „wie stchi's mit den Franzosen?" „Keine Spur dis jetzt von ihnen." Ich gab einen kurzen Bericht von dem, was ich auf meinem Wege gefunden. Es folgte eine kurze Berarhung zwischen dem Kopf unten und dem Kopf oben - der Wirth zog den seinen zurück, und nachdem innen einige Borlegeschlösser heruntergerasselr und das Hauptschloß geöffnet war, lhar sich die Pforte auf. Ich trat ein, und wollte die Treppe hinauf. Da fanden sich erst die rechten Schwierigkeiten. Was nur von altem ' Möbel aufzutreiben, das war auf der Treppe aufgestapelt auf einer quer vorgestellten Commode stand ein alter Tisch, auf dem Tisch eine Hühnersteige, in dieser Backtröge, Mulden rc.; hieran lehnte sich eine in die Höhe gerichtete Bettstelle, welche wieder einem fußlosen Kleiderschrank, der mit Bcetern und Blöcken gefüllt wa^ zur Stütze diente. Dies und noch viel Anderes war sg^geordner, daß es auf einen mäßigen Stoß hinunterrollen und dann sicherlich. den Niederschlagen mußte, der am FlLe der Treppe stünde. Entsetzt sprang ich zurück. „Herr!? rief ich dem oben stehenden Jakod zu, der rathloS üderleßke, wie er mich durch seine Barrikade schaffen könne — „Herr I waS haben Sie da gemacht! Wissen Sie denn nicht, daß Sie auf diese Weise das größte Unheil auf sich, die Ihrigen, dieses Haus, die ganze Stadt bringen werden? Sie wollen die Franzosen verhindem, in Ihre Wohnung zu dringen; was wird aber geschehen? Auf den ersten Mann, der hereinkommt, wird dieser Haufe alter Möbel und Breter niederstüczen und ihn erschlagen — seine Kameraden aber werden das, Gepolter" entfernen, und Rache schnaubend, Sie, Ihre Frarr und Ihre Tochter massacciren; der Ruf, ein Bürger habe einen Franzosen erschlagen, wird die ganze Bande vor diesem Hause versammeln, man wird es in Brand stecken und afle seine Bewohner verbrennen; der Brand wird sich über die ganze Stadt ausdreiten, die Feinde werden Niemandem erlauben zu löschen, die Soldaten plündern und rauben, und nach kurzer Zeit wird von dem lieben L. nur ein wüster Trümmerhaufen übrig geblieben sein..." Meine Rede schien Eindruck zu machen, und ich fuhr fort: „Ich beschwöre Sie, bei Ihrem und der Ihrigen Leben, räumen Sie diese rhörichte Barrikade hinweg, über welche Sie «inen Feind tödten und tausende von Freunden ermordenwerden..." Jetzt erhotz^auch der Hofstallschuhmachermeister seine