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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 1 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
1 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches NolkSblatt. 3« Sefcörunfl und llnlertjaftung auf jüdischem stekiele. HerLusgegebea von Rabbiner vr. Ludwig Philihpson in Magdeburg. sNo. 1. 1861.j «<m Meier jritttrift ertocint »*dKUtt* ei« tt*«mer. Peei» de« 3«t>r- «ang« 1 THIr. «itnrijäbrii 7 'X R,r. «Oe «u6^BMxKdni, Poftt»rei «d Ze»»,^e«»edittO»i» «h»eB tteftflbftfeeK aa. [8. Jakrg. 1. Quartal.] Scenen und Gestalten aus meinem Leben. 2. Haltet die Treppe frei. Einejener schrecklichen Kriegsjahre war über Deutschland gekommen, welcheder Ehrgeiz und die Herrschsucht defranzösischen Imperatorfür da- Land bereitet batte, daseit der Römerzeit fast ununterbrochen, der Schauplatz jedeeuropäischen Kampfewar. Ich hatte von meinem Hause die Anweisung bekommen, nach der Landschaft zu eilen, welche der Krieg soeben heimgesucht hatte, oder heimzufuchen bedrohte, um zu sehen, wavon den Außenständen noch zu retten, oder wie bedrängten Kunden, die noch nicht ganz verloren waren, beizuspringen fei. Denn damals sah der Großhändler alle seine Kunden noch wie fine Art Familie an, deren Glieder sich gegenseitig aufrecht du erhalten verpflichtet wären, und erblickte darin seinen-eignen Dortheik, während jetzt eine Art Krieg zwischen dem einen und den anderen besteht, wobei es nur darauf auzukommen scheint, wer durch den Ruin deanderen am meisten zu gewinnen habe. Mein Reiseziel war zunächst da- Städtchen 8. Ich kam durch einen Landstrich, wo wenige Tage vorher der Kampf gewüthet hatte. Wa< ist doch der Krieg für! ein gräßliche- Ungerhüm, und wie zahllos die Opfer, die everschlingt! Wenn im Frieden ein Mensch den anderen tödret, oder ihn an seinem Eigenrhum« beschädigt — welch' Aufsehen, welche Genauigkeit der Untersuchung, welch' Spiel deganzen richterlichen Apparat-, um den Thardestand festzustellen, um Anklage und Berrheidigung zu führen, den Verbrecher zu entdecken und nr treffen! Hier aber werden Tausend« bewaffnet, mit de.» künstlichsten Mordwertzeugen versehen, ihr Muth durch aste möglichen Motive entflammt, um anders raufend Söhne von Müttern zu verwunden, zu verstümstkln und zu rödtm! Da- Eigenthum hört auf, eine Lost am Zerstören, die zur Leidenschaft wird, zertrümmert, wa< nicht verbrcktzcht oder fortgeschleppt werben kann. — Und die- Allel und »och viel mehr wird dem Sieger mit Lordeerkränzen und all« möglich« Au<zeichnung« belohnt! So «üth« Mensch« geg« Menschen, die sich akemals geseh«, niemals beleidigt, niemals verletzt Hab«, die unter auder« Umständen sich mit größter Kraftanstrengung beigestand«, die sich vielleicht gelicht hätten. Und die-, um vielleicht der Eitelkeit eines Einzig«, oder dem eingebildet« Rechte eines Ander« zu bi««, einefottet, den vielleicht der nächste Tag in da- Grab streckt,Geavff« der Wür»»er macht, wie all' feine anderen Zeitgenossen auch die schnell vorübrrfliehende Zeit.' Noch zittert mein altes Herz vo^-Grauen, wenn ich an da- Entsetz« denke, dadie Brust dezwqnzigjLhrtgen Jünglingfüllte, als ich durch dakrieg-durchstürmte Thal eilte. Die Felder waren zertreten von den Huf« der Rosse, von den Rädern der Geschütze, von den Tritteader langen Schlachtlinie; noch lagen viele tobte MenschMf und Thierkörper zerstreut, und ein Schwarm von Aasvöigeln breitete seine schweren Schwingen überall hin, um vgn Mahl zu Mahl zu zieh«. Uederall traf man auf zerbrochene Waffen und Wagen, au-geplSndertes Gepäcks leere Karren. De^ Weg führte mich Vurcb-Dorfer, welche die Flamm« verzehrt, oder die Kugeln in Trümmer geschoss« hattsn; di« Bewohner war« entflohen, und selbst da- Betlang«, die Ueberreste ihrer Hab« zusammen zu such«, hatte ihre Furcht noch nicht überwindest könn«. Mein zusammtngefchnürte- Herz machte sich in einem lauten Seufzer Loft, als ich die ziemlich scharf bezeichnet« Linie überschritten. Über die der Kampf nicht hinangekomm«, wo die Staaten wieder standen, und die Bäume und einzeln« Gehöfte, freilich noch Fenster und Thür« verrammelt; und ich endlich nach «in«» Dorft kam, wo einzelne Bauern al< Wachtposten au-ge, stellt war«, um schnell Kunde zu dringen, weaq die finster« Knegswürfei auch über ihre stille Heimath da- Loos der Verheerung ausschütt« würden. Sie umringt« mich, überhäuften mich, mit Fragen, wie ich es auf dem zurückgelegten Wege gefunden, und brachten mich mit freudigem Jauchz« in das Dorf, als ich ihn« mitgetheilt, daß der Kampf sich bereitweit ad von der Gegend gezogen. So mach« lange Angst und Befürchtung d« Mmfchm erst recht selbstsüchtig, daß er der grausamsten Leiden fröhlich vergißt, w«n er sich selbst gerettet sieht. — Die Baue« bjotta mir in ihrem Freudenrausch« Speise und Trank ln Fülle dar, ich aber eilte von dann«, um noch au selbigem Tage mein zu erreich«. , «Das Stäbchen L. trug d«s«lb« Charakter der klein» WMen Furcht und Schreck« an sich. Hier ustd da stand« puppen von Leuten, die mit den ängstlichste» Gesichtt« noch dem offen« Thore blickt«, wo sie jed« Augenblick die Feinde eiazieh« feh« könnt«. Da- StädtHe» hatte fett dem spanisch« .Erbfolgekriege kein« Feind, jc kau» eia« Soldat« gesehen. Die ganze bewaffne« Ma hl bestand l« einem alt« Pollz^mann mit großem Rohrstortz mit welchem er die GaffeabutzM kn dt« Flucht jagte, mii sie sich auf d« Straß« et» waig zu lärmmd betrug«, und d« die Bärger.^»» Etukasfir« ihrer kl««« Schultz« i gebrauchten.

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