Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 50 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
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J [ 199 Dukaten als Salair, und jetzt, wo wir quitt sind, vergessen «Sie, mein Herr, daß ich Sie gewürdigt Ihnen meinen Arm zu geben, mit Ihnen zu sprechen, und Sie bei mir aufzunchmen. -eben Sie wohl!" Bei den ersten Worten schien der Doctor niedergebonnert, aber bald gab ihm da- Gefühl beleidigter Würde seine volle Festigkeit wieder. Er erhob da- Haupt, warf »inen bemitleidenden Blick auf die spottende Gesellschaft, und sich ruhig erhebend, nahm er vom Fortepiano da- Album der Gräfin, und sprach mir edler Energie: „Alich dss erste Mal Ihren dringenden Bitten nachgab und hieher kam, wußte ich recht wohl, daß mein Platz nicht unter diesem Flitterstaat, noch unter den jungen Brausewinden sei, die hier ihr Spiel treiben. Aber Sie wissen recht wohl, daß ich Irrenarzt bin, und eine heilige Pflicht veranlaßt mich vor keinem Opfer zurückzuweichen, wenn edarauf ankömmr, meine Erfahrungen zu bereichern, die meinen Kranken heilsam sein könnten. Seit Jahren bin ich beschäftigt Tag für Tag die Scelenkrantheiren der Armen zu studiren, noch war mir aber nicht vergönnt, von Angesicht zu Angesicht die Zerstörungen zu beobachten, welche der Wahnwitz in der höh er n Gesellschaft ausübt: da konnte ich bei Ihrer Einladung dem Wunsche nicht widerstehen, in Ihrem Salon diese Erfahrung zu sammeln. Sehen Sie her, was ich einschrieb, alich zum ersten Mal Ihren Salon betrat: „Bei den meisten Frauen bient der Geist mehr dazu ihre Thorheiten verstärken als ihre Vernunft, aber man findet Mittel, um die Thorheit zu heilen, während man nichtsinder, um die Verkehrtheit de- Geistes wieder in Ordnung zu bringen." Diese beiden Gedanken wollen Sie in Erwägung ziehen, Madame, eö wird Ihnen dann klar sein, daß Sie von Ihrem Geiste und von Ihrer Stellung einen unwürdigen Gebrauch gemacht, und Sie werden einsehen. daß Ihr Geist nur dazu gedient hat, Ihre Tborheit zu verstärken, da Sie undankbar genug sein konnten, mich armen, waffenlosen Mann unvermukhet zu demülhigen, der nur darin schuldig ist, daß er Ihnen einen Dienst erwies, den er jedem schwachen Weibe schuldig ist. Ihre lächerlichen Vorurtheile gegen die Juden will ich nur berühren; Sie würden enicht verstehen wollen und können, wenn ich Ihnen das Gegentheil bewiese. Da ich auch nur Irrenarzt bin, würde ich dlos Zeit verlieren, Ihnen Vernunft zu predigen, denn: die Thorheit kann geheilt werden, aber die Verkehrtheit des Geistes nicht. Leben Sie wohl, Madame, genehmigen Sie die Versicherung meines Dankes für die Gelegenheit, welche Sie mir gegeben, in Ihren Salons den Wahnwitz zu studiren, jetzt kehre ich gern und lieber zu meinen Dachstuben zurück. Ich danke Ihnen ferner für die 100 Duralen, welche ich einer armen Familienmutter zustellen werde, die in Folge eine- Milchfiebers irrsinnig geworden, und die vielleicht Ihr Almosen heilen wird. Der Gott der Gnade, der Gott Israel'- wird Ihnen Allen verzeihen, und Ihren Stolz entschuldigen, so wie zu Ehren Ihrer hohen Namen Ihre Herzen bessern, und Ihre Geister erleuchten!" Nach diesen Worten empfahl sich der Doctor frei und stolz; die Gesellschaft aber war beschämt und außer Haltung. Am andern Morgen wurde der Doctor Salomon vermöge königlicher Ordonnanz Oberarzt der Irrenanstalt. Di« Hofzeitung rühmte die Toleranz de- Staate-, der ein so wichtige- Amt einem Juden anvertraute, aber man erfuhr, daß die Gräfin Wilhelmine um diese Ernennung nachgesucht hatte.!j Ben Levi. i Hadrians Grausamkeit. Eon Alexander Elsässer. Ein armer Israelit grüßte einst denlKaiser voll und Ehrfurcht. „Wer bist Du?" fragt« der Kaiser. — „Ein Demuth o uaverarmrr Jude." — kannst Du, elnttder Jude, schämt sein, den Kaiser zu grüßen?" Zersetzte der Kaiser, und ließ den Juden erkrhaupren. Ein anderer Jude, der diegehört, hielt efür das Beste, den Kaiser bei der. Begegnung Zar nicht zu brachten. Doch Hadrian fragte: „Wer bist 25u?"l! — „Ein Unglück, licher Jude." — „Und ein verächtlicher Jude hat d!>e Frechheit, bei demKaiser vorüberzugehen, ohne ihn zu grüjen?"— Und sogleich befahl er, chm da- Haupt^abzuschlagin. Aleiner der Hofleute sich eine Vorstellung dagegen erlaubte, rief ihm der Tyrann zu: „Schweig! Hadrian hat/' nicht erst zu lernen nölhig, wie er feine Feinde rerderden soll!" Chamicca-KatoveS. r‘- Mitgekheilt vo» Nathanion in Magdeburg. Manchem Leser dieses geschätzten Blattes dürfte! enoch erinnerlich sein wie man sich früher am Chanurcstfeste so gem heiteren Scherzen hingegeben. Jeder in seiner Weise. Natürlich durften dieselben', der Religion und guten Sitte in keinerlei Weise einen Anstoß geben. Selbst die Gelehrten belustigten sich dadurch, daß sie verschiedene Schriftsätze der Skdroth oder Geber«, welche während des Festeverkamen, durch Zusammenstellung -der Buchstaben scharfsinnig auf bas Fest deuteten, indem sie die Gesammtzahl der Chanucca- Lichter darin zu finden suchten. Solche Deutungen biblischer Stellen nannte man „Chanucca-Karove-". Alinya lan mögen hier einige folgen. ' 1) In Kpa v 1. B. M. 43,1: es»» 13b na« wurde so gebeutet r-iaip man zerbreche (zerthelle) das Wort isb dessen Zahleninhalt 86, die Hälfte also 43 ist, ba« oso da- Wenigste vom Worte |bae» nämlich die kleinste Zahl^ also « 1. dazu gerechnet macht 44* Die Gesammtzahl der Chanucca-Lichter, und v'woio. 2) Da- Cbanuccafest fallt bekanntli^ in die Zeit, au welcher die Sibroth 'm * wa'i * ypo fern an der Reihe sind; da sagte man tpi wsm wi ypsl ist ein Chanucca- Katoves, nämlich ■»m ypa da- Eahe von *jti also ' — 10 vpi w:n, dazu kommt vri, dessen Zahlen- Jnhalt 34, macht zusammen 44. 3) Psalm 124, bon den Psalmen / welche man am Winter-Sadach beim Mincha. Gebete sagt, also auch am Sadath-Ehauucca Vers 7. des erwähnte« Eap. -owo" ncrr i3sbo3 33N3SN da- Wort nv in Zwei (zwei Theilen) gebrochen I3*b03 I3n3«i bedeutet unsere Rettung. Nämlich das Wort nv enthaft die Zahl 86. Dies also in zwei ,C ,4^ I