Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 50 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 4)
- Language
- German
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200 L heile gebrochen giebl die Zahl-44 welche unsere Rettung, den Matkabaersse l«r Ehanuccalichter, g bedeuten. I»r. I. M. Jost. Unter den bedeutenden Verlusten, Welche jüngst unsere Glaubensgenossenschaft erlitten, ist eine^ der empfindlichsten ' der am 20. November nach achttagigeiP Krankenlager verstorbene l>r. I. M. Jost in Frankfurt a. M. Geboren im Fcbc^ 1703 zu Bernburg in Anhalt, verbrachte er feine Kindheit in Dürftigkeit und in einem fchlecktbestellten Gedar, und diente seinem erblindeten Vater als Führer.^ Nach dem Tode desselben kam ec 1803 in die Samson'sche i Stiftung in Wolfenbürtel, -welche dam. ls nicht minder W sehr erbärmlichem Zustande war, aus welchem sie durch die Umgestaltung, die ihr der verstorbene Inspektor Ehrenderg unter einem umsichtigen Curatorium zu geben verstand, gerettet ward. Von bier kam der fähige und unermüdliche Jost 18-10 nach Braunschweig, woselbst er die obern Classen des Änmnasiums besuchte, studirle 1IU3 in Göttingcn, 1814 in Berlin, wo er später eine höhere Bürgerschule- und ein Pensionat gründete, die er I83b dem sir. Stern überließ, indem er einem Rufe als Lek rer an den höheren klaffen der israelitischen Realschule in Fr mkfurt a. M. folgte. Hier wirkte er 25 Jabre und wurde sein 25jabriges Lehr-. amcSjubilauin in diesem Jahre festlich begangen. Obgleich mehrere Male von Krankheiten heimgcucht, war er doch bis wenige Tage vor seinem Tode von ungeschmälerter Geisteskraft. wirksam in Amt und Literatur, so daß fein Tod üoerraschend kam und einen um so tieferen schmerzlichen Eindruck überallhin machte. Seine Ehe war kinderlos ge» blieben, und ward ihm seine Frau vor Jahren durch den Tod entrissen. Um so mebc wandte er seine Liebe ln thäliger Weise seinen Verwandten zu und fand eine besondere Befriedigung in der Gründung eines Waisenmädckcmnstiluls, oas er mit Hülfe cdclherziger Frauen aus kleinem Umfange zu immer crweit/tern Leistungen führte. Vor Allem aber ist er uns als Schriftsteller vom höchsten Werthe. Er war es, der in das Chaos der Geschichte des Judenkhunis und der Juden zuerst Licht brachte und durch eine Reibe der bedeutendsten Geschichtswerke sich ein unsterbliches Verdienst erwaro. Die Uederseyung der Mischnak in's Deutsche, di- Herausgabe oer^.Jsraelirischen Annalen" unDJct hebräischen Zeitschrift „Zion", sowie eine enorme Ma^e Ausiätze und Kritiken bezeichnen ferner feine Thacigckeit auf jüdischem Gebiete. Nicht minder erfolgreich, verfaßte er eine ausführliche englische Grammarik, ein Lepicorr zu Shakespcare's Dramen, ein Lehrbuch des deutschen StysS, eine Ueberfttzung der sammtlrchen Werke Friedrich b. Gr. und mehr. Was ihn aber besonders auszeichnete, das war fein Charakter, durch welchen er, inlonders in der jüdischen Gelehrtenwelt, als leuchtendes Vorbild dienen mag. Fern von aller Parreigangcrei, immer mit dem Blick auf das Allgemeine, ohne Rechthaberei und Kleinlichkeit jedes Verdienst, wo er es fand, freudig würdigend,, jeder Arroganz bar, gemüthlich, humoristisch, liebcnSrvürtzig, human, Beleidigungen bald vergessend und stets zur Versöhnung geneigt, immer ruhig und gemäßigt, konnte man ihn als Weisen bewundern, wenn man ihm schon als Lehrer, Gelehrten und Schriftsteller Gerechtigkeit hatte widerfahren lassen. Sein Begrabniß war ein sehr feierliches unter der allgemeinsten Betheiligung. An seinem Grabe sprachen der Rabbiner Stein und der Leiter der Schule, Dr. Stern. Orden wurden ihm nicht nachgetragen, Diplome, wenn nicht von einigen gelehrten Körperschaften, hinterläßt er nicht, marmorne Denkfaulen werden ihm nicht gesetzt werden — aber seine Werke sprechen lauter, als diese, die jüdische Wissenschaft wird stetauf die Fundamente weisen, die er für sie gelegt — sein- Angedenken wird bleibend zum Segen sein! Unterhaltungs-Pillen. Lon Louis Lechau ann in Bad-Homburg. Bei einem furchtbaren Brande, der im vorigen Jahrhundert in der alten Jubengasse zu Frankfurt atzsbrach, mußten die Abgebrannten in den nahen von Christen bewohnten Straßen ein Obdach suchen. S., ein großer Narr, aber hatte wie immer viel zu fragen und den Leuten den Weg zu versperren. Man gab ihm kein Gehör und stieß ihn zurück, aber einige Judenknaben blieben nicht dabei stehen, sondern lachten ihn aus und schalten ihn einen Narren. Doch S. ließ diesmal nicht gewähren wie sonst, sondern indem ec den Knaben nachlief und sie züchtigte, rief er einmal übers andre: „Muß denn dec Goi auch wissen, daß ich ein Schote dini!" — Derselbe wurde einmal von seinem Vater zu einem Kaufmann geschickt, um ein« große Rechnung zu bezahlen. Der Kaufmann öffnete nur eine Rolle und als ec darin einige schlechte Geldstücke fand, sagte er: „nun lieber S., was ist da« „Zahlt nur weiter, erwiederte der Andre, Ihr werdet schon noch mehr finden." Zwei Polen gehen durch die Straßen Londons und unterbauen sich von den Sitten und von der Frechheit des Landes. Im Gespräche stille stehend befinden fie sich vor einem Uhrenlaben, da fällt des Einen Blick auf eine große Taschenuhr, worunter die Worte Uendres (Genfer Taschenuhren). „Bruder, sieh einmal da, ruft der Eine der Polen, meint man, daß cs möglich wäre, Ooneve!?, hat man zu Haus nicht auch manchmal (icneves, wer aber wagt's anzuschreiben?!" — (Geueves — Diebstahl.) Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 49. 1860. Leitende Artikel: Die Antwort des königl. preuß. Stöatsniinifterii auf die Petition der 226 Gemeinden. — Die Bewegung i in Ungarn. — I)r. I. M. Jost. — Stimmen aus Rußlands inionders Bolbynicn. (Forts.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, Hanuover. SchwedenStockholm. Großbritannien: London. Syrien: Paris. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 8 Thäler, vierteljährlich yt Tbaler. Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe. Verlag »ob Laum gärtne.r'« Buchhandlung in Leipzig- — Druck von G. Lrepsiug iu Leipzig.