Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 49 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 sich in einer Kohlrnkammer und schwärzte sich das Gesicht, um sich unkenntlich zu machen. Die wükhenben Feinde erkannten ihn aber nichtsdestoweniger, tödketen ihn und kreuzigten ihn vor dem Thor« von Granada. Eines solchen elenden TodeS starb der jugendliche Minister im fünfundbreißigsten Lebensjahre (9. Tedet 30. December 1066). Auch fammtliche Juden Granada's, welche sich nicht durch die Flucht gerettet hatten, traf die Wukh der aufgeregten Meuchelmörder. Ueder 1500 jüdische Familien fanden an demselben Tage ihren Tod, und ihre Hauser wurden zerstört. Nur Wenige entgingen dem Gemetzel, darunter Josephs Frau mit ihrem jungen Sohne Asaria, welche nach Lurena entflohen. Diese hatten aber von den Reichthümern so wenig retten können, daß sie auf Kosten der Lucener Gemeinde unterhalten werden mußten. Josephs bedeutende Büchersammlung wurde theils zerstört, theils verkauft. Die Trauer um die jüdischen Märtyrer Granada's und den edlen jüdischen Fürsten war groß. Selbst ein arabischer Dichter, Jdn-Alfara, der Joseph auch beim Leben besungen hatte, weihte ihm ein Trauerlied, .worin die Worte Vorkommen : „Mir ist die Treue Religion und diese befiehlt' mir, für den Juden eine Thräne zu weinen." Wegen dieser Thräne wurde der mohammedanische Dichter am Hofe des Königs von Almeria angeschwärzt und dieser wurde gewarnt, ihm Gastfreundschaft zu gewähren. Der Fürst bemerkte aber dagegen: „Dieser Dichter muß ein edles Her; haben, daß er einen Juden nach dessen Tode beweint har; denn ich kenne Moslemin, die sich um ihre lebenden Glaubensgenossen wenig kümmern."!! Der Aufstand gegen Joseph Jbn - Nagrela in Granada Jj war die erste Judenverfolgung auf der pyrenäischen Halbinsel ' seit der Herrschaft des Islam. Sie scheint noch einige Zeit fortgedauert zu haben. Denn die Juden des ganzen Königreichs Granada waren gezwungen, auszuwandern und ihre liegenden Güter zu verkaufen. Indessen hatte sie keine Folgen für die jüdischen Bewohner in andern Theilen Spaniens. Die Fürsten oder Könige der einzelnen Landstriche, welche sich mrch dem Sturze des EhalifalS von Cordova unabhängig gemacht halten, waren so gehässig und eifersüchtig auf einander, daß die von einem derselben Verfolgten Schützlinge seines Gegners wurden. Der Irren-Arzt. Eine Anckbole. In der Hauptstadt eines kleinen deutschen Staates lebte ein Arzt, zwar arm und unbekannt, aber reich an Erfahrungen und Kenntnissen, voll glühenden Eifers für seine Kunst und bescheiden in seinem Wirken. Der Doclor Salomen, wie der Ehrenmann hieß, widmete sein Forschen und Leben den Krankheiten der Seele insbesondere, der gebeimnißreichen Organisation der menschlichen Vernunft waren seine Bemühungen geweiht. Mit wenigem Vermögen that er Viel Gutes; die Armen segneten ihn, die Reichen ehrten ihn, und wenn er Nicht Jude gewesen, würbe er Oder-Arzt der Irrenanstalt geworden sein, welche der Staat unterhielt. An einem Herbstabende erging sich unser Doctoc in den Alleen, welche die Hauptstadt umgaben, als eine einfach gekleidete Dame ihn begrüßte, und indem sie durch ihre Manieren verrierh, daß sie der höhern Gesellschaft angehöre, ihn zögernd ersuchte, sie nach Hause zu geleiten; sie hätte unbemerkt ihre Begleitung aus dem Gesicht verloren, und - sei nicht im Stande sich nack Haus zu finden. Der Doktor reichte ihr zuvorkommend seinen Arm, und Nachdem ihm die Dame ihre Wohnung, als auf dem Schloßplatz gelegen, bezeichnet hatte, führte er sie unter geistreicher und lebhafter Unterhaltung, die den weiten Weg und das schlechte Wetter weniger fühlbar machte, nach dem Hotel, an dessen Thür die Dame so dringend ihrm Begleiter ersuchte die wenigen Abendstunden noch bei einer Tasse Thee in ihrer Gesellschaft zu verplaudern, daß ek darauf wohl einging, zumal der Weg_. nach feinem Hause noch entfernt war und er sich noth- ' wendigerwei'e die Kleidung trocknen mußte'." Das Hotel war bedeutend und zeigte großen Rrichlhum; mehrere Diener beeilten sich beim Eintritt den Weg durch viele prächtig meublirte Zimmer zu erleuchten, und der Doktor erhielt in einem derselben an einem wohlerwärmten und verzierten Ofen seinen Platz,, wahrend die Dame ver- . schwand, um ihre Toilette zu ändern. Unser Ooctor machte es sich in einem großen Armstuhl am Feuer bequem, .und begann behaglich seine Lieblingsforfchungen über den menschlichen Wahnsinn zu verfolgen, . den so viel als möglich zu ergründen und nachzuspüren er als Hauptzweck seines Lebens ansah. Da inzwischen die Dame bei ihrer Toilette langer verweilte, äls er beim Trocknen und Denken, griff er nach einem Album, das er auf dem Fortepiano fand, und amüsirte sich die hochmüthigen und leeren Sprüche und Witze zu lesen, welche die gewöhnlichen Besucher dieser Gemächer darin eingeschrieben. Er fand darin falsche Ansichten, dumme Vvrurtheile, und zu seinem Erstaunen Alle mit den höchsten Namen des Reiches unterzeichnet, was seine Gedanken trübe stimmte, und ein mitleidiges Lächeln auf feine Lippen rief. In ' diesem Augenblick hörte er in der Ferne ein dumpfe- Geräusch von Worten durch unterdrücktes Lachen unterbrochen, 1 er zuckle die Schultern, und schrieb noch schnell einige Zeilen in daS Stammbuch; kaum fertig, führte ihn ein Kammerdiener zur Gebieterin des Hauses, die er in einem eleganten Zimmer, koquelt gekleidet und von einer glänzenden Gesellschaft umgeben vorfand, wonach denn auch der Thee sogleich umhergeceicht wurde. Wenn sich auch der Doclor in diesem steifen und höchsten Cirkel etwas unheimlich' fühlte, so behielt er doch sein festes ruhiges Benehmen bei, un- ' geachtet seine Schützlingin, die "ffd) ihm als Gräfin Wilhelmine vdrstellre, als die stolzeste und reichste Dame des Reiches in der Stadt bekannt war. Beim Abschiede ersuchte ihn die Gräfin sie wieder zu besuchen, und ließ ihn in einem prachtvollen Wagen nach Hause fahren. Diese Begebenheit machte nicht wenig Aufsehenin der Stadt, ,und unter den Juden besonders; diese, welche den armen Doctor bisher nach seinem innern Werthe nicht be-. urtheilt, begannen nunmehr ihn fm einen einflußreichen. Mann zu halten, während dieser selbst sich bescheisen seinen allen Studien ergab, und nach der sogenannten feinen Welt sich ebensowenig ferner Zutritt wünschte, den nur der Einfältige zur Befriedigung eitlen Ehrgeizes erstrebt. - Er setzte seine Besuche bei der Gkäsin nicht fort. Nach einiger Zeit gab jedoch die Gräfin einen große» Ball, und. der Doclor erhielt in so verbindlichen Worten eine Einladung, daß er unhöflich gewesen, wenn er sie zurÜckgewiescn, und