Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 49 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
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194. sagte ein Mohammedaner von ihm, „und £ u findest Glück und Hoffnung. Niemals har ein Freund Fehl an ihm gefunden." Als die Söhne des letzten & on von exilarchifcher Abkunft nach Spanien flüchteten, n rhm fl« Joseph Jbn-Nagrela gastfreundlich auf und ließ! e in Granada eine neue Heimath finden. Der jung« jübift >e Wefir leitete wie fein Barer ein LehrhauS und hielt Vorträge über den Talmud. Nur in zwei Punkten wich Joseph 10m Benehmen feines Bakers ab: er beförderte allzu auffail nd seine GlaudenSgenoffen zu StaatSämrern und benahm sich gegen Untergebene hochfahread. Ein naher Verwandte - seines Hauses nahm die nächste Stelle im Staate nach ihn ein.' Dadurch erregte Joseph den Haß der Berbern, der h reichenden Bevölkerung in Granada, gegen sich und die; uden. Einige Vorfälle während seines WesiralS steigerten den Haß zum Jngrimme. Zwischen dem Erbprinzen Ball in und Joseph, der früher dessen Secretär gewesen war, herri trle eine'gegenseitige .Antipathie. Plötzlich starb Balkin, u id man glaubte durch Vergiftung. Der König BadiS ließ hierauf einige Diener und Frauen des Prinzen als Schul rr'ge hinrichten. Die Uedrigen entflohen aus Furcht vor derselben Strafe (lOti-l). Das Volk aber glaubte, Joseph h. be den Prinzen Gift gegeben. Ein anderer Vorfall, wobei sic» Joseph ebenso menschlich wie staakstlug und seinem Herr« ergeben zeigte, scheint ihm Badis' Gunst entzogen zu ha^en. Zwischen aka und anderherrschte ein so gemischter Bellls einst König ec von Ronda den zur Herrschaft gelangten Berbern in Grar wartS. in Spanien und den echtem Arabem erbitterter Racenkaß, baß jede Stadt von völkerung fast in zwei Lager getheilt war. Badis erfuhr, daß der berberische Beherrsct durch eine von dem Könige von Sevilla a lgezerrelke Verschwörung der Araber seinen Tod gefunden Halle, war er voller Mißtrauen gegen die Araber feiner Hauptstadt. . Er fürchtete jeden Augenblick in eine Schlinge . u^geralhen und gleich seinem Stammgenossen als Opfer eine Verschwörung zu fallen. BadiS faßte daher einen teuflischen Plan, fämmtliche Araber feiner Hauptstadt während des Gottesdienstes an einem Freitag von feinem Heere niederm lchen zu lassen. Diesen Plan theilte er seinem jüdischen Mir ister mir, ohne den er nichts unternahm, jvnd fügte hinzu, daß sein Entschluß so fest stehe,-daß er durch Gegengründ> nicht wankend gemacht werben könnte. Auch erwartete er v, n ibm strengste Verschwiegenheit darüber. Joseph hielt aber den Mordplan ffa einen unheilvollen politischen Fehler und , nterli.ß nichts, dem blutdürstigen König dieselbe Uederzeugur g deizubnngen. Er stellte ihm eindringlich vor, baß der Plan scheitern kenne, und die Araber der Stadt und Umgegend zur Selbstrettung die Waffen ergreifen würden; aber selbst im Falle, daß die i ganze arabische Bevölkerung ohne Gegenwet r fallen sollte,! würde die Gefahr nicht schwinden, sondern nu noch wachsen;! denn die rein arabischen Nachbarstaaten, wie k er von Sevilla, ' würden dadurch zu um fo> größerer Wutb a; /gestachelt werben und einen Rachezug gegen den Ververbei ihrer Stamm- > genossen unternehmen. „Ich sehe sie schon/ sprach Joseph ■ lebhaft, ,. ich sehe sie schon wutbenlbrann herbeiftrömen, ' jeder von ihnen schwingt sein Schwert um Oein Haupt, o , König, und unzählige Feinde wie die Wo, cn des Meeres stürzen sich auf Dich, gegen welche Du und 2;,in Heer nicht« , vermögen." So der jüdische -Staatsmann. j Badis bekarrte aber bei seinem Enrschlu se und crtheilte! in diesem Sinne seine Befehle an seine Truppenführer. Allein Joseph hielt eS für seine Pflicht, ein solche« Unheil ' vom Haupte der arabischen Bevölkerung und de« König« wider dessen Willen abzuwenden, und setzte dabei sein Leben auf« Spiel. Durch Frauen, denen ec vertrauen durfte, ließ er die angesehenen Araber der Hauptstadt heimlich warne«, sich am nächsten Freirag nicht in die Moschee zu begeben, sondern sich versteckt zu halten. Sie verstanden den Wink und befolgten ihn. Am Freitag waren die Truppen in der Nähe deS Palastes aufgestellt. Badis' Spione fanden aber in der Moschee nur Berbern und wenige Araber aus der niederen DoltSelasse. BadiS mußte den Plan aufgrbea, aber fein Zorn wandte sich gegen seinen Minister, den er im Verdacht batte, sein Gebeimniß verrathen zu haben, und er machte ihm bittere Vorwürfe darüber. Joseph laugnele die Thatsache-, die Araber gewarnt zu haden, und behauptete, sein Plan habe sich in Folge der geheimnißvollen militärischen Vorkehrung obne Zweck von selbst verrathen. Schließlich bemerkte ec: der König möge Gokt danken, daß er ihn vor unausbleiblicher Gefahr geschützt habe. „Die Zeit wird kommen, wo Du meine Anschauung von der Sache billigen und die Rathschläge, die ich Dir ertheilt, gutheißen wirst." Auch ein berberischer Schaich unterstützte die Worte de« Wesirs, und Badis beruhigte sich. Allein ein Stachel blieb ihm im Herzen gegen seinen jüdischen Minister, und er war voller Argwohn gegen ihn. Joseph konnte sich auf seinem Posten nur durch Spione behaupten, - welche ihm von jeder Aeußerung de« König« Kunde brachten. Die berberische Bevölkerung merkte aber wohl, daß der jü- : bische Wesir nicht mehr die volle Gnade ihre« Herrschers ' genoß, und durste e« wagen, sich gegen ihn zu verschwören und ihren Haß an ibm und. an den Juden zu kühlen. Immer mehr nachlheilige Gerüchte wurden gegen ihn in Umlauf gesetzt. Seine Feinde gewannen die Oberhand. Ein fanatischer mohammedanischer Dichter, Abu-JSchak al- Elviri stachelte durch ein zündendes Gedicht den Judenhaß der Moslemin von Granada zur Thätlichkeil auf: „Lag den Linbag'iicrr, den ^ollkräfiigen der Zeit und den Moiren der LUisie — Euer Herr bat gefreven, er gab «^Ebre den Ungläubigen. Er maibie zum Miuisier (Äüiib einen Anteil, mährend er einen solchen unter den gläubige» finteit tcnnrc. Tie ^uten wiegeu sich in tdörickien Hoffnungen, er beben siä' zu Herren unk dcbandeln mir Ltolz die Moolentin.'' Dieses aufregende Gedicht war bald im Munde aller Mohammedaner, e« war das Eulengekrächze für Josephs Tod. Ein Vorfall entfesselte die Wuth seiner Gegner zuni Morde. Truppen eines Nachbarfürsten, Almolassem von i Almecia, batten einen Einfall in das Gebiet von Granada! gemacht, und diese sollen ausgesagl haben, daß ihr Herr im! Einverständnis mit dem Minister Joseph stehe, und daß sie ' auf dessen Anregung gerufen worden seien, weil ec beabsichrige, da« Land Almolassem zu überliefern. Da« Wahre | an der Sache läßt sich nicht mehr ermitteln. Möglich baß Almolassem selbst diese« Lügengewebe gegen den umsichtigen jüdischen Wesir gesponnen bat, um dessen Untergang herdeizuführen. Sobald sich die Aussage der almerischen Soldaten verbreitet hatte, stürzten sich noch an demselben Tage, an einem Sonnabend, die Sinhag'iten, begleitet von einer Menge niedrigen Gesindels, auf Josephs Palast. Als dieser die Nachricht von der Aufregung erhalten harre, verbarg ec