Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 49 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
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196 so nnöm wir ihn am Ballabend, schwär; gekleidet, tm Hotel der schönen Gräfin, baS seinen höchsten Glan; angethan. Lichtströme ergossen sich auf die kostbaren Meubles, Blumen und Putz erfüllten die Säle, und bei der eines Straußischen Walzers belebte sich hinreißenden Musik die ganz« Damenwelt, die ihre Liebenswürdigkeit entfaltete, um die Bewunderung der Herren zu fesseln, und sich gegenseitig an Grazie und Anmulh zu.übertreffen. Die schone Graftn dor schnip» pifä un'erm Doctor den Arm zu eene ,edock nicht annahm-, dagegen mußte er Whistes mit einem Gesandten und Mir der Stadt durchspielen, wo er Lurch Würde und Anstand sich dennoch die Anerkennung seiner M tspieler .erwarb, ungeachtet er bei der Masse neuer Ein rücke seinem Spiele nicht volle Aufmerksamkeit widmete. Die Gesellschaft entfernte sich, .Hausis blieben, der Doctor nicht mi man zu Tische; unser Doctor wurde in placirt, man war heiter und jovial, dem der Wein belebte Witz und Laune, als ein junger Df» cier sich erhob, die .Glaser mit Champagner vollfüllen ließ, ausbrachte: „Hoch lebe die schöne Grc lebe bdch, daß sie die ihr auferlegten iBedingungen erfüllt hat, wir sind besiegt und bieten ihr'hier iir die 100 Ducaken dar. als den Belauf der Werre, weiche u d e n in ihre Geduldigen ibr, daß sie, um Won zu hrlren, nicht vor der peinlichen Idee zücückgeschreckt, einen sellschaft zu laden; sie lebe doch!" . fciar.' - Araw-oise, die er die Langweile eines >em Commandanren!'. Vertrauteren des i «der. Endlich ging >er Nabe der Gräfin uns folgenden Toast sin WilKelmu^c! sie sie gewonnen. Wir C n r > o s »ii Zn diesen Tagen wurde in Magd, bürg wieder ein alter Krieger jüdischen Glaubens begraben,! )r die Freiheitskriege mitgtmadH und als Unrerofsicier aus dem Heere getreten. Er batte alle die Seinigen verloren, t nd war, obschon arbeitsam, verarmt. Zum ersten Male g schah es. daß, nachdem vor 10 ZaKren die Staturen u: agearbeilel und jede confessionelle Bedingung beseitigt worb n, ein Zude in das s. g. „Augustinerkloster" aufgenomnen ward, ein altes Stift, dessen Schützlinge freie Wodn« ng,'Beheizung, Licht und eine wöchentliche Geld^tkxerstützung erhalten. Hier lebte er mehrere Zahre, friedfertig, ehrend-ft dis an sein Ende und den frommen Hebungen feiner 9 eligion ergeben. Ec wurde .mit großer Feierlichkeit begrabt!indem der hiesige Kriegerverein, dessen Mitglied er nalür> ich war, einen Musikchor. 30 Srabträger lweil er Unteroffic er war), die Dercinsfahne und seinen Vorstand vor dem arge ziehen ließ, und zahlreich folgte.' Seine Ehrenzeichen wurden vyn einem andern alten jüdischen Krieger gerrage Es war ein sehr schöner Novembermvrgcn. Der Rad >iner Ilr. Philippson hielt am Grabe eine kurze Rede, er prach: „Geehrte Anwesende! Wer sind die, die sich hier so zah reich um dieses offene Grad versammlet haben, einen Verbli Heven voll Wehmuth in die Gruft hinabzusenken und die € chollen Erbe über ihn zu decken! Sind es die Geschwister und Verwandten des Verstorbenen! Nein, diese sind ihm längst vorangegangen. Das geliebte Weib, die Gefährtin seines Wege-! In der Blürhe des Lebens wurde sie aus seinen Armen gerissen. Kinder und Enkel! Dem einzigen Sohn, dem trefflichen Jüngling hat er selbst das gebrochene Auge zugebrückl. Einsam war er zurückgeblieben, die Tage des Alters ganz einsam zu verleben. Dder sind wir solche, die er durch seinen Reichtkum, seinen Stand, seinen Einfluß an sich gefesselt! Er harre keinen Reichkhum, keinen Stand, keinen Einfluß, und, obschoo arbeitsam sein Lebelang gewesin, war er doch gezwungen sein Grciienhaupr auf das Kissen der Wohltkaligkeil zu legen und das Brot der Barmherzigkeit zu essen. Sondern: daß ihm Ehre geschieht in seinem Tode, ist, weil er Ehrenvolles gethan in seinem Leben. Weil er, alS Jüngling, die Waffen ergriffen, das Schwert geschwungen für das Vaterland, weil er, gehorchend dem Aufruf feines Königs, seine Zugenbkraft darbot, das fremde Zoch «zerbrechen zu helfen, weil ec, einer der ersten aus dem Stamme Israel'-, die, nachdem dieser anderthalb Zahrrausende aus dem Waffenkämpfe der Völker ausgeschlossen, da bas Vaterland rief, willig herdeieilten zu bezeugen, baß daS Blut der Makkabäer noch nicht in unfern Adern versiegt ist — weil er so Ehrenhaftes gethan, und weil dieses schöne Werk seiner Zugend durch sein ganzes weiteres Leben fortgesetzt in redlichem Wandel, mir unbefleckter Ehre, ein gläubiger Jude, aber ebenso ein guter Bürger, in allen Geschicken fest und bieder und anständig — darum geschieht ihm im Tode die Ehre! Wohl, so giebl auch dieses, nunmehr geschlossene Leben laureS Zeugniß, daß gute. Werke auch hienieden schon guten Lohn mir sich führen, die Krone des Lebens, welche die Hand deS Todes erst recht dem Sterbenden auf das Haupt drückt. Denn auch dieses wollen wir nicht mir Stillschweigen übergehen, daß Dfcfer Tobte eS war, den zum ersten Male als einem Juden die Pforten, jenes allen Klosters, der Zufluchtsstätte für gute, aber verarmte Bürger sich offnere, fo daß seine Gruft zugleich ein neues Denkmal der Duldung, der Bruderliebe, der Gleichstellung ist, welche den Charakter unsrer ehrwürdigen Stadt so wesentlich charakrerisiren. Wohl, so möge dieser Geist fort und fort unter uns. den Lebenden, und unter allen folgenden Geschlechtern wirken, daß wir Alle Eines Gottes Kinder. Eines Vaterlandes Söhne sind, zusammenzustehen in Gefahr und Norh, in Leben und Tod!" Folgte daS Gebet. ') *) Tao Z^cbec bei jeder Leichenrede enter dcr I>r. Pb. mit den lintircncii res Buches Daniel 12, V>. Allgemeine Leitung ke^JutenlbumS. Ro. 4*. 1S60. Leitend«. Artikel: klimmen aus Rußland, iwonters BoU'vnieu. — Die kleinen und kleineren l^cmeinken. — Die ii'raclin'ktic Bibelanstalr. — Literarischer ^.-eciienbencht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Lluttgart, Magde« .bürg, Magdeburg, Leipzig Preußen: Berlin. Rußland und Polen: Xaii’di, Friedrichjkadt. Italien: Bologna. jy Zu beziehen durch jedes Pcstamr und jede Buchhandlung, jährlich li Xhalcr, vierteljährlich yt Lbalcr. Verantwortlicher Redakteur: K. Näbe. -i.-.laz tea i*a u «t.* Jrt a«t'* Pu«dt>anriung in veiru,;. — Tivi eca -ti« n?t h * ir.