Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 49 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Vvlksblatt. Zur Lesehrung unk) Anterhastung auf jüdischem ZeKiele. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in. Magdeburg. lNo. 49. 1860.1 Bon kikjcr •{citi<britt eridjeint w«br>»lich eine Nummer. Preis de« Jadrgang» l Tl'ir. Bicrirlj--vn^ 7 V. 91 $r. Alle Pmbdanrlungeii, Postämter unk Zeilung-eroeritiöitra nehmen Bestellungen an. s7. Jtahrg. 4. Quartal.] Samuel Ibn-Nagrela. > Fortsetzung u. >s«bluk au« No. <d.> Kein Wunder, baß ein solcher Mann von lauterem Scelenadel und tiefem Sinn für Weisheit und Religion überall Segen verbreitete, Wissenschaft und Poesie förderte' und die Pfleger des Geistes mit fürstlicher Freigebigkeit unterstützte. Samuel stand mit den bedeutenden Männern feiner Zeit in Irak, Syrien, Egypten und Afrika in brieflicher Verbindung, namentlich mir dem letzten großen Gaon 9t. Hai und mit R. Nisstm, spendete ihnen von seinen Reichthümern, ließ Bücher copiren und verschenkte sie an arme Studirende, munterte schlummernde Talente auf und war der Schutzgeist feiner Stammgenossen in der Nähe und Ferne. Den größtes! Dichter der Zeit Jbn-G'ebirol tröstete. ec mit herzgewinnender Freundlichkeit in seinem Trübsinn. Mit Recht schildert ihn ein Schriftsteller der nachfolgenden Generation mit den Worten: „Zu Samuels Zeit erhob sich das Reich der Wissenschaft aus seiner Niedrigkeit, und die Gestirne der Erkenntniß erglänzten wieder. Gott har ihm einen hohen Geist verliehen, der die Sphären erreichte und, den Himmel berührte, auf daß er die Wissenschaft und ihre Pfleger liebe und dir Religion und ihre Träger verherrliche." Die Stellung der Juden in dem Königreiche, dessen Zügel ihr Glaubensgenosse leitete, war gehoben. Sie hakten Antheil an den SlaakSämlern und bienten sogar im Heere. In keinem Lande der Welt genossen sie damals eine so durchgreifende Gleichstellung, wie in dem ziridischen Staate Granada. Ee war ein freundlicher Sonnendlick nach vielen düsteren Tagen. Sie waren sogar bei dem herrschenden- Sramm, den Berbern, beliebter alS die stockarabische Bevölkerung, welche mit stillem Ingrimm die Herrschaft der Sinhag'iren ertrug und ihren Blick auf den Nachbarstaat Sevilla richtete, wo ein König aus arabischem Dollblure regiert«. Der Staatsminister und Rabbiner Jbn-Nagrela beschäftigte sich auch mit der Erforschung des Baues der heiligen Sprache, aber daS war seine schwache Seite— Er war über die von Ehajug' ausgestellten Regeln nicht hinausgekommen. Für die Verdienst« seines Meisters, war er abei; so sehr eingenommen, daß er für neue Leistungen kein Derständniß hatte. Samuel verfaßte zweiundzwanzig Schriften übsr die hebräische Grammatik. Indessen wird nur eine einzige, „daS Buch des Reichthums" (Sefer ha-Oscher), alS nennenSwerth angeführt. Die übrigen waren wohl nur gelegentliche Streitschriften, die er gegen den größten hebräischen Sprachforscher Jdn-G'anach geschleudert chatte. Denn mit diesem lebte Samuel in Unfrieden. Dieserftitfste Kenner der hebräischen Sprache in alter Zeit, der nicht weniger eine Zierde der spanischen Juhenheit war, alS der Wesir Jdn -Nagrela, verdient ein besonderes Blatt in fi*r jüdischen Geschichte, zumal er eine lange Zeit unbekannt und verkannt blieb, Samuel, der Stolz' der spanischen Juden, der, wie sein Biograph von ihm sagt, vier Kronen trug: die Krone der Lehre, des Levirenrhums, des Ruhms und darüber die Krone der Hochherzigkeit, der über ein viertel Jahrhundert die Seele der jüdisch-spanischen Gemeinden war, starb von seinen Zeitgenossen aufrichtig betrauert (1055). Vor dem Elvirarhor in Granada setzten sie seine Hülle bei, und sein Sohn errichtete ihm ein kunstvolles Denkmal. Ein noch schöneres Denkmal fetzte ihm Salocho Jbn-G'edirol in wenigen, aber inhaltsreichen Versen: Zn meinem Herzen ist kein Ott, ^est stebl rein Zetl für immer dort. Tick mck' ick da. dick sind' ick da, . ■ —' Bist mir wie meine^Scete nab. Samuels vortrefflicher Sohn Abu Hussain Joseph Jbn-Nagrela (ged; 1031) folgte ihm in allen seinen Würden. Der König Badis, der an ihm ebenso viel Wohlgefallen, wie an seinem Vater fand, übertrug ihm daS Wesirar, und di« jüdische Gemeinde von Granada erkannte ihn alS ihren Rabbiner und.Führer (Nagkb) an, obwohl er erst ein Zwanziger war. Joseph harr« eine fürstliche Erziehung genossen. Sein Vater hatte ihn von einsichtsvollen Lehrern aus verschiedenen Gegenden unterrichten lassen, und er zeigte schon in der Jugend eine entschiedene GeisteSreife. Im Arabischen ebenso gewandt wie sein Vater, war Joseph noch bei dessen Leben Secretär des Erbprinzen Baltin. Mit achtzehn Jahren hatte ihm der Vater eine Gattin zugeführt, die er nicht unter den Reichen und Vornehmen Andalusiens ausgesucht hatte, die-gelehrte und tugendhafte Tochter des armen R. Nifsim aus Kairuan. Erde aller Größe feine- Vater-, lebte er, obwohl reich und von ausnehmender Schönheit, in der Vollkraft der Jugend mit einer Mäßigkeit, welch« einen grellen Gegensatz bildere gegen die Schwelgerei mohammedanischer Großen. AlS Minister sorgte Joseph für daS StaatSwohl und regierte ebenso selbstständig wie sein Vater. Die Wissenschaft und ihre Pfleger unterstützte auch er, und so groß war seine Freigebigkeit und so überwältigend sein GesinnungSadel, daß ihn auch arabische Dichter besangen. „Grüße sein Gesicht,"