Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 48 (1860) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
48 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026391--1767-4910257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

190 fangen sollte. Der sterbende Wesir vertueihn aber auf seinen jüdischen Geheimschreiber, gestand zhm, daß er sein« gelungenen Operationen lediglich dessen weifen Hingebungen verdankte, und empfahl ihn Habu» dringend zu seinem Rathgeber. Der granadische König, der <^ls Berber weniger Dorurrheile gegen Juden hatte, aldie pradischen Muselmänner, nahm keinen Anstand, Samuel Ibn»Ragrela mit der höchsten Würde als seinen StaatSrmnistek (Kaub) zu bekleiden und ihm die Leitung der diplvt^atischen und militärischen Angelegenheiten anzuvertrauen (1027). Der Krämer von Malaga wohnte seitdem im königlichen Palaste, und der Talmudjünger R. ChanochS Hane eine gewichtige Stimme in der Politik der pprenäischenj Halbinsel. Denn ein mohammedanischer König, der sich eiften Wesir wählte, herrschte wohl und haue despotische Lausen, aber. regierte nicht. Das war Sache seines Hauptn^inisterS, der ihm dafür mit seinem Kopfe verantwortlich war. Samuel hatte sein Glück zunächst seiner Feder zu verdanken und er feierte sie auch durch ein Sinngedicht. HabuS haue seine Wahl nicht zu bereuen. Sein Königreich gedieh unter der Hand deS einsichtsvollen und rhäcigm jüdis^en Wesirs'. Dir Launen des derberischen Königs wußte Samuel zu beschäftigen und ihn für sich einzunehmen. Ä verfaßte auf ihn ein Lodgedichr in sieden Sprachen, und! nichts war einem mohammedanischen Herrscher schmeichelhofter, als sich in kunstreichen Versen verherrlicht zu. sehen.! Bei der tslamitischen Bevölkerung machte er sich durch sein bescheidenes Auftreten beliebt. Mit Geduld ertrug er Widerwärtigkeiten. Gr verband mir einem Hellen überlegenen Leiste, mit sanften einnehmenden Manieren einen festen Ehärakter. Gewandt, klug, immer Herr feiner selbst, war Jdn^Nagrela stets von ausgesuchtester Höflichkeit, verstand die Umstände' zu benutzen und besaß die Gabe, seine Gegner zu enrmaffnen. Ungeachtet seines lebhaften Geistes sprach er wenig dachte dafür aber viel. Ibn - Nagrela entwarf selbst mir Meisterhand daS Bild eines würdigen Herrschers, daS seist Leitstern gewesen zu seiik-scheint. „Wessen Rath lauter ist gleich dem Sonnenlicht, wer rein ist von der Lüste Flecken, wessen Augen sich nicht dem Schlafe schließen, wessen Gedanken fest wie Thürme, wen die Würde gleich Waffrnglan; umstrahlt, wer den Willen Anderer sich untert.han zu mstchen weiß und sich fern, hält von dem, was Schande bringt, der ist der Herrschaft würdig" '). Seine Weisheit unh Frömmigkeit bewahrten ihn vor jenem Hochmuth, der Emporkömmlingen so eigen ist und sie verhaßt macht, ^aher konnte sich Samuel fast-drei Jahrzehende in seiner hohen Stellung als Regent des Königreichs Granada behaupten. Seine Sanfrmuth, mit der er feiste Gegner zu entwaffnen wußte, vergegenwärtigt eine Anekdote. In der Nahe von Habu«' Palaste harte ein nstrselmännischer Gewürzkramer einen Laben, und so oft Dieser den jüdischen Minister in Begleitung des Königs sah,s überhäufte er ihn mir Schimpfwörtern und Flüchen. HabuS, darod erzürnt, befahl einst Samuel, den lästigen Fanatiker zu züchtigen und zwar ihm die Zunge ausschneidetz zu lassest. Der jüdische Wesir kannte aber ein andere« Mittel, den Fluchenden stumm zu machen. Er gab ihm Geld und dieses verwandelte sein Fluchen in Cegm für ihn. Als Habu« einst den Gewürzkramer wieder.bemerkte, war er darüber verwundert und stellte Samuel zur Rede. Dieser antwortete: „Ich habe ihm die döse Zunge ausgerissen und ihm dafür eine gute gegeben" *). Uebrigens war dieser Gewürzkrämer nicht sein einziger Feind, er hatte deren manche und sehr gefährliche. Fanatische Mohammedaner sahen in der Erhebung eines „Ungläubigen" zu einem so hohen Range, der ihm die vollziehend« Regierungsgewalt in die Hände gab, »eine Verhöhnung ihrer Religion. Es erregte ihren Unwillen, baß bi, zahlreiche jüdische Bevölkerung de« Königreichs Granada das Haupt erhob und sich mit den Moslemin ebenbürtig fühlt«. Zwei Staatsbeamte, Jbn»AbdaS und Ibn- Abi-Muss, schmiedeten Ränke gegen ihn, um ihn zu stürzen. Ader ihre Plane mißlangen; Jdn-Addas wurde zum Tode ' verurtheilt. | Das Glück war aber auch diesem jüdischen Wesir günstig, ' obwohl er nahe daran war, seine Stellung und vielleicht auch fein Leben zu verlieren. Als der König Habu« gestorben war (1037), entstanden in Granada zwei Parteien, ‘ die sich um zwei Prinzen schaartrn. Die meisten derberischen > Großen und auch einige einflußreiche Juden: Joseph-!Jbn-Migasch, Jsaakd. Leon und NehemiaAsch- | kafa, waren für den jüngern Sohn Balkin. Eine klei-! nere Partei und darunter auch Samuel wünschten den! älteren Sohn Namens Bad is zum Nachfolger. Schon war die zahlreichere Partei bereit, Balkin zu huldigen, alS dieser selbst zu Gunsten seines älteren Bruders abdankte. Badis wurde König 'Oktober 1037), und Samuel behielt nicht nur feine bisherige Stellung,, sondern war der That nach König von Granada, da sich der den Lüsten ergebene Badis sehr wenig um Regierungsgeschäfte kümmerte. Später bereute Baltin seine Großmuth gegen seinen Bruder und legte dessen Regierung Hindernisse in den Wag. Badis gab in Folge dessen Balkin« Leibarzt einen Wink, ihm wahrend einer Krankheit keine Arzneimittel zu reichen, was seinen Tod herbeiführte. Nach dessen Tode blieben Badis' Regierung und Jdn-Nagrela'S Stellung unanfochten. Balkin» Anhänger mußten Granada verlassen, darunter auch die drei eben genannten Juden. Sie wandelten nach Sevilla au« und wurden freundlich von dem dortigen Könige, dem Abbadiden Mohammed Aig'afer ausgenommen, Verein Gegner de« Königs von Granada war. Einer der drei Flüchtigen, Joseph Jbn-Migasch I., von dem König von Sevilla zu einem hohen Posten erhoben, wurde der Ahn eines bedeutenden Mannes. Interessant ist eS von einem zeitgenössischen Geschichtsschreiber zu erfahren, wie der jüdische Minister an die mohammedanische Bevölkerung RegierungSerlasse formulirte. Samuel, oder wie ihn die Araber nannten: Jsmael Jbn- Nagrela, gebrauchte in den Eircularien ohne Scrupel die den moslemitischen Regenten eigenen Formeln. Ec eröffnete I die Erlasse mir den Dorten Cham-Mllahi (Gott Lob), fügte, j wenn er Mohammeds Namen zu nennen hatte, den Beisatz! hinzu: „Gott'möge über ihn beten und ihn segnen." Er mahnte diejenigen, an welche die Regierungsschreiden gerichtet waren, ferner nach der Vorschrift des Islam zu leben; kurz seine Erlasse waren ganz und gar in mohammedanischem Style gehalten. Samuel's Ben-Mi*fhte bei Lukes Vlumenleie, S. 56. *) Handschriftliche Anekboten-Sammlung in hebräischer Sprache, im Äesitz des Herrn Larmoly, der die Freundlichkeit hatte, mich davon Einsicht nehmen zu lasten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.