Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 48 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolkMatt. Zur Zjeleheung und Anterhattung aus jüdischem HeKiete. H«ra»»grgcb«n voll ' Rabbiner Sr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Mo. 48. 1860.1 vto« »itfcr ZrillchriN trfAri«! «ochniNicd Hw JNmacr. Preis des Aadrgaag< l Ihle, «iftuijäjjtifl 7 % Kgr. Alle Bi-chdaabUu-g««, Poftimrcr und ZtiNlaglervekirioneil nebmcv Veftebuvgr» au. 17. AsKrz. 4. chusrtLl.^ Samuel Jbn-Nagrela. Ein Eharnklerdild. *) Das jüdische Spanien übernahm die ganze Erbschaft von Judäa, Babylonien und Nordafrika und mehrte das ererdte Gut für die kommenden Geschlechter vielfältig. Als wenn Andalusien ein jüdischer Staat wäre, suchten die flüchtigen Sohne des jüdisch-chazarischen Fürsten und die Söhne deletzten Exilarchensprößlings dort Zuflucht und Ruhe. An'der Spitze der spanischen Gemeinden stand ein Mann, der durch Weisheit, Tugend und Stellung den Vorrang verdiente: Samuel Jbn-Nagrela, der erst« in der Reihe bet nachgaonäischen Lehrer. Ec hat da- RadbineNlhum zu einem idealen Glanze gebracht; einen wardigern Vertreter konnte es nicht finden. Samuel Jdn» Nagrela vereinigte in seiner Person allein die verschiedenen Eigenschaften des Triumvirats, welches den Ruhm des jüdischen Spanien begründet har. Er'war zugleich ChaSdal, der hochherzige, wissensfördernde Fürst, Mose b. Chanvch, der tiefe Talmudkuudige, und Dunasch d. Labrat, der Dichter und Grammatiker. Der LebenSgang des Samuel (JSmael) Halevi Jbn-Nagrela war eigenthümllch. Geboren in Eocdova (993), wohin sein Vater Joseph aus Merida überfledelt war, wurde er im Lehrhause des R. Chanvch mir dem reichen und schwierigen Stoff des Talmud vertraut. In die Feinheiten der hebräischen Sprache weihte ihn Jehuda Chajug', der Begründer der hebräischen Sprachkunde, ein. Für andere Wissen-facher und namentlich für das Arabische, das er sich mit großer Meisterschaft aneignere/bot ihm die andalusische Hauptstadt,-welche damals auf dem Höhepunkt der Cultur stand, Gelegenheit genug. Als zwanzigjähriger Jüngling mußte Samuel aber mir vielen Andern, wegen des erbitterten Bürgerkriege-, Cordova verlassen. Der der» berische Häuptling Sulaiman, im Kampfe mit den Arabern und der sclavonischen Leibwache der Chalifen und Sieger über dieselben, zerstörte mir afrikanischer Wuch die Prachtgedäude der Hauptstadt, ließ Frauen und Tochter schänden und brachte die reichsten Familien an den Bettelstab (April 1013). Die angesehenen'jüdischen Familien wanderten wegen solcher Drangsale nach Granada, Toledo und sogar dis nach dem entfernten Saragossa aus. Samuel Jbn- Nagrela ließ sich in der Hafenstadt Malaga nieder, man *) Au» dem, in rilligen Monaten durch da« „Institut zur Förderung der ijrael. Literatur" erscheinelldeu sechsten Bande von Gray, Geschichte der Juden weiß nicht, ob mit oder ohne seine Elrerrr. Er lehre von einem kleinen Kram und betrieb neben dem Talmud Sprachstudien. Er verstand nächst dem Hebräischen, Arabische« und Chaldaischen noch vier Sprachen, wohl Lateinisch, - Castiliatpsch und Berberisch. Ungleich den übrigen Jude«, welche da« Arabische meistens mit hebräischen Schrlfrzügen schrieben, war Jbn-Nagrela in der arabischen Schönschrift Meister, worauf die Araber damals einen b«sondern Werth legren. Seiner Sprachkenntniß und Kalligraphie verdankte er «ine so hohe Stellung, wie sie kein Jude bis dahin seit dem Untergange, des jüdischen Staates inne hart«. Bürgerkriege und der Ehrgeiz der Statthalter (Emire) hatten den von den ommejadlsche» Chalifen geschaffenen Organismus des andalusisch-mohammedanische« Reiches in kleine'GedierStheile zerstückelt. Es entstand in Andalusien nach dem Untergange der letzten Ommejadea eine Kleinstaaterei wie in Deutschland und Italien; Ke arabischen Geschichtsschreiber nenaen daher die'Regeaten dieser Zeit „die Könige der Zerrissenheit." Eia Stamm der Berbern, di« Sinhag'ah, gründeten unter einen Häuptling Waisen aus der Familie der Zirihen im südlichen Spanien ein eigenes Königreich (1020). Das von Juden reich bevölkerte Granada wurde Hauptstadt dieses Königreichs und Malaga ge, hörte ebenfalls dazu. In Malaga hatte der Wesir des zweiten granadischen König- Habus, mit Namen Adulkafim Jdn-Alarif, einen Palast neben SamuelS Kramladen. Diese Nachbarschaft brachte dem kümmerlich lebenden jungen Gelehrten Glück, enthob ihn den beengend« Nahrungssorgea und stellte ihn auf eine Höhe, der feine Größe gewachsen war. Eine vertrau» Sklavin des Wesirs, welche ihrem Herrn Bericht zu^erstatien hatte, ließ sich nämlich die Briefe regelmäßig von ihrem Nachbar, best jüdischen Krämer, schreiben. Die Brieft verrktthen aber so viel sprachliche und kalligraphische Gewandtheit, daß der Wesir Jbn- Alarif begierig war, den Schniber kenn« zu lernen. Als er dessen Namen erfuhr, ließ er Samnel zu sich rufe« und bewog ihn, in seinen Dienst als Geheimscheeiber zu treten (um 1023). Bald gewahr« Habus'Wesir, daß Jbn-Nagrela .eben so tiefe politische Einsicht besaß, wie geschmackvollen arabischen Styl und: zog ihn bei wichtige» Sraatsangelegenheittn zu Rathe. Da nun Samuels Rathschläge sich durch glückliche Erfolge als treffend bewährten, so unternahm def arabisch« Staarsmiüistrr nichts ohne dessen Zustimmung. Samuel sollte bald inoch höher steigen. Ihn-Alans war erkrankt, und der König Habus war in Verzweiflung, was er ohne ihn in den verwickelten Verhältnissen, in döaen er zu den Nachbarstaattn stand, an»-