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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 48 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
48 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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191 Ohne Zweifel räumten Habu- und Badis dem jüdischen Wefir auch eine gewisse Macht über die jüdischen Gemeinden degranadischen Königreich« ein, wie sie vor ihm Eha-dal und Jbn«G'au ln Eordova befaßen.« Samuel war nämlich Oberhaupt und „Sfirft" sRagi'b) der Juden; diesen Titel füdrr er bei jüdischen Schriftstellern. Der Staat-minister war zugleich Rabbiner, stand einem Lehrhaufe vor, in dem er vor Iüngem Vorträge über den Talmud hielt. Er erließ gutachtliche Bescheide auf religiöse Anfragen an ihn, kurz, er fungirte vollständig wie ein Rabbiner jener Zeit. Mit derselben Feder, mit der er RegierungSerlasse au-fertigte, schrieb er auch Gutachtm und Abhandlungen über den Talmud. Samuel Ragid stellte eine Methodologie de- Talmud (Kebo ha-Talmud * **)) auf, worin er die technischen Ausdrücke klar und faßlich erläuterte. Al- Eingang dazu fügte er di« Tra ditio n-kette zusammen, die Reihefolge der mit Autorität bekleideten Träger de« Judenthumvon den Männern der großen Versammlung durch die Tanaiten, Amoräer, Saburäer und Gaonen hindurch biauf R. Mos« und R. Ehanoch, seine Lehrer. Er verfaßte auch einen Commenrar zum ganzen Talmud für die religiöse Praxi-, der von den Spätem sehr geschätzt und al- Norm anerkannt wurde (Hilcliela Gahriata). Samuel Zbn- Nagrela war auch neuhebräischer Dichver und verstand Reim und Ber-maß gewandt zu handhaben. Er verfaßte Gebete nach Psalmenart mit voller GlaubrnSinnigkeit und Hingebung und. nannte die Sammlung den jungen. Psalter (ven lelüllim). Er componirte gedankenreiche Sentenen und Parabeln, eine Frucht seiner tiefen B«bachtung der Menschen und Verhältnisse, und nannte di^se Composttion das.junge Spruchbuch (Leo Mischlc).* Endlich stellte er eine Leden-philosophie nach dem Muster de- „Prediger-" zusammen (Key KnKeiet). Da er das letztere in reifem Alter verfaßte, so war edagelungenste seiner schriftstellerischen Werke, voll Erhabmheit und Beredsamkeit"). Er dichtete auch Epigramme und Lob-, gedichte, aber seine dichterischen Eomposilionen, die weltlichen und geistlichen, sind schwunglo-, schwerfällig und dunkel, gedankenreich, aber ohne schöne Form. Man urtheilre schon vor Altervon ihnen: „Kalt wie der Schnee de-Hermon oder wie di« Lieder de- Leviten Samuel." <5cttfe|}u«0 jofat) Die israelitische Bibelanstalt. Die Constituimng und Realisirung dieser neugeschaffenen Anstalt har einen wesentlichen Schritt weiter gethan, indem nunmehr da- Comits sich gebildet hat. Ebesteht alldem Oberrabbiner Dr. Landau in Dre-den, dem Rabbiner, k. k. Professor vr. Kämpf in Prag, und Rabbiner Dr. P hllippfon in Magdeburg. *) Ist zum Theil gedruckt in der TalmubauSgabe; der historische Theil ist von Abraham Jbn-Daud und Andern benutzt. Fragmente daraus befinden sich im Besitze Larmoly'S handschriftlich. **) Munk Xvtics a. a. O. p. 107 und Dukes Kacbal Kedumim S. 31 ff. Bon den 432 Sentenzen des Ben Mischle sind noch etwa 100 vorhanden, zum Theil zerstreut gedruckt: Zion 1. 131; Orient. Litbl-, Jahra. 1840 col. 811; 1843, 357; 1845, 652, 697, 614; 1846. 797, 807; 1851, 308, 327: vgl. Jehuda 1 Jbn-Tibbon Ermahnungsschreiben, das viele Sentenzen von Sa« ' muel enthält. Die Grundsätze, über welche da-- Comike sich geeinigt hat, sind: 1. Der hebräische Text muß in der möglichsten Correctkeik geliefert «erden, we-halb behufs der mehrmaligen Correctme« die gewandtesten Correetoren, zugleich auch Männer gewonnen «erben müssen, welche almik der Massovah vorzüglich vertraut bekannt sind. 2. Was die deutsche Urbersetzung betrifft, fo soll a. die Uedersetzung in dem große« Philkppson'fchen Bibel, werke zu Grundegelegt, b. dieselbe aber nach den einzelnen Büchem von einzelnen Gelehrten r-vibirt, e. die revidirte von einem Comit^mitglied« fuperrevidirt werden. 3. Die Grundsätze dieser Revision sollen sein a. Da die Phili^pson'sche Uedersetzung Überall nach philologischer Treu« und genauem Anschmiegen an den hebräischen Tr^t strebt, eS sich aber hier um eine Volks- und Schulbibel handelt, soll in dieser mehr auf den flüssigen Ton und den deutschen Sprachgebrauch geachtet werden; b. alle Eonjecruftn Seitender Uedersetzung und der Revision sollet vermieden und dafür thunlichst die üblichen Deutiingen bewahrt bleiben; c. wo die Tradirjion nicht geradezu mir dem einfachen Wortsinn ’Ditcd) in Widerspruch liegt, soll sie dei'behLltcn werden, nicht aber, wo dieser mit jener sireitek; . d. die kleine Anzahl -der in dieser Beziehung durchaus streitigen Stelftn soll - der Berathung degesammten Connteunterbreitet werden; e. bei denjenigen Stellen, welche einer wesentlich verschiedenen Deutung unterliegen, sollen UedersetzungSvarianten angefthrt werden. Es soll die« aber nur geschehen, wo die Verschiedenheit inhaltlich von Bedeutung ifi.j > 4. In einer Einleitung sollen diese Grundsätze ausgesprochen, und die Revisoren und Superreviforen genannt werden,. damit diese die Verantwortlichkeit für die betceffenben^Bücher tragen. 5. Zu den Revisioi^-arbeiten sollen auch ändere Gelehrten außer den Comijemitgliedem herangezogen werden. All« Diejenigen, welche an der Gründung der gedachten Anstalt Theil nehmen, werden diesem erfreulichen Fortschritte ihre Zustimmung widmen, und anerkennen, daß mit der größten Besonnenheit sind Unparteilichkeit vorgegangen wird. Indem wir nun auch den Statuder Bibelanstalr vom Isten Nov. c. geben! schicken wir folgende Bemerkungen voran. I 1. Mit Au-nah^ie von circa 509 Thlrn., welche al- Zeichnungen eingesanbt worden, kamen die Spenden sämmrlich uns in Laar zu, und wurde», so wie sie sich immerzu Summen von 500 Thlrn. angesammelt, zinsbar belegt. 2. Don jenen Zeichnungen sind nunmehr alle, bis auf 10 Thlr., welche der Rabb. Landauer in Corbach gezeichnet, aber trotz mehrmaktgtm Versprechen nicht eingezahlt hat, daar eingegangen. Doch war auch der Jrrlhum vorgegangen, daß die Zeichnung, welche Herr Albert Lohn für sich und die freiherrliche Familie von Rothschild in Parigleich im Beginn gegeben, und die gerade darum von großem Werthe war, mißverständlich zu 1100 Frcö. gelesen worden.

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