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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 47 (1860) · p. Seite 186

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
47 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 Er harre Gold in Meng' nnd war ei» reicher Herr, Tab Ritter und Baron, weil sie ihn schützten sehr. Der Jude sirhr den Traf und spricht zu ihm ohn'Zagen: „Die Rüstung nimm von mir, von mir tollst Du sie tragen. Nicht Earl von St. Denis hat bessern Speer und Schild!" Der Ritter hört ihn an und kachelt fwundlich mild. Erhebt die Hand;um Gruß, sie fallt >auf- Juden Haupt, Den Mund harr' er geküßt, hält' er «n Gott geglaubt. „Gied her die Rüstung, giedl Du bist eia braver Mann, Du bist, spricht Olwier, ein zweiter Adelstan. Wenn aus der Schlacht ich kehr' gesund und wohl zurück, Mein Gott mir gnädig ist und auch Mein gutes Glück, Dann soll Dein Sohn, o Freund, mit ßnir zue Kirche gehn. Und Ritter soll er «erden und seine Fphn' soll wehn." — „Nicht strafe so mich Gott, daß Christ einst werd' mein Sohn, Dank, schönsten Dank, HerrGraf, nicht wünsch' ich solchen Lohn. So wahr ^ein Gott, der Herr, (<b( he,t' und immerdar. Den Sohn ich lieber seh' im Sarg u»d auf der Bahr, Den Tod soll er empfahn von meiner! eig'nen Hand, Treulos soll er nicht sein. - Herr Ritttr, welche Schand'!" Es hört Graf Olivier des Juden Retz' voll Hohn, Die Ritter schaun ihn an, die Männer seiner Frohn. „Nichr soll durch mich Dir sein je Schwerz und.bittre- Loos, Der Sohn, er mag Dir bleiben im väterlichen Schoß." Der edle Jud' enteilt, holt schnell sein reich' Gewand Und üdergiebt's mir Freud' der ritterlichen Hand. Der Bischof kommt alsbald und spricht den Segen aus, Er segnet Schild und Speer und auch der Juden Haus. Das sind die Waffen Gottes, der Ritter so sie. nennt. Sie sind .vom braven Mann, deö Lied' und Treue kennt. In dieser einfachen und schlichten Erzählungen» Romane von Fierabras spiegelt sich die Lage der Juden imsüdlichen Frankreich so klar, baß ich kein Bedenken trage, sie als allgemeine Charakteristik an den Anfang dieses Capirel« zu sitzen. Glücklich und ungestört lebten sie in Toulouse. In dieser alten Ketzerstabt, deren Graf ims neunten und zehnten Jahrbunderr das alte Recht in Ansprsich nahm, dem Vorsteher'der jüdischen Gemeinde an jedjem Charfreirage vor der Hauptkirche eine derbe Ohrfeige in versetzen, wurden während deS dreizehnten Jahrhunderts Juden zu StaarSämtt'rn zugelafsen, ja sogar zu Bailes ber'Sradr erwählt. Um sich von dem Banne zu befreien, welchen Inner,nz III. über ihn verhängt harre, mußte Grbf Raimund VI. bas Versprechen ablegen, keinen Juden ferner im Staatsdienst zu verwenden. Sechszehn Barone stellt» er als Bürge. Das Versprechen wurde nicht gehalten, tso daß zwanzig Jahre später Raimund VII. gezwungen wurde,! die Juden aus ihren Aemtern zu vertreiben.! Fast gleichbtrechrigr mir den Chri ken waren die Juden in Marseille.^. Als im Jahre 121;) die Stadt mit dem Bischof einen Vertrag einging, stand n die dort ansässigen Juden im Genüsse aller bürgerlichen Rechte, und damit die epiftopale Macht dies« nicht schtnälere, wurde eigens stipulirt, da^ sie so gut wie die Sarazenen frei und ungehinderk gehen und kommen, kaufen un! verkaufen, mit ihren oder mir fremden Schiffen in den Hafen ein- und auelaufen könnten, ganz wie sie wollten. Ebenso wurden Juden und Sarazenin in dem Dertrrge mir einbegriffen, welchen die Stadt Marseille 1257 mit dem Herzoge von Anjou, dem damaligen Grafen der Pjovenre, traf; in allen Handelsverttägen au» jener Zeit ist von den Juden wie von Bürgern die Rede. Das Gehirn. (64 lug an* Wc. 46.) 4. Das Derhalrniß deS Gehirns zur Seele. Wenn also das Gehirn da- Organ der Seele ist, so frägt es sich, wie man sich da- Derhältniß zwischen Gehirn und Seele zu denken habe, worüber nun sehr verschiedene Ansichten sich gebildet haben. Al« die hauptsächlichsten können wir drei anführen. 1) Kraft und Materie sind untrennbar, denn die Kraft ist nur Eigenschaft der Materie. Der MziSkel kann;usamznengezogen werden, wie das Gold gedehnt: es ist die Art seines Seins. Die Materie hat nämlich nach Form und Mischung verschiedene Eigenschaften, und so har in Folge ganz besonderer (specifischer) Formen und Mischungen die organische Materie Lebenseigenschaften. Im Organismus »st ein beständiger Stoffwechsel, daher auch in ihm »in unaufhörliche« Spiel von Functionen, die aber nicht aus separaten Lebenskräften entstehen. Das Seelenleben ist demnächst nur da« Product chemischer Prozesse im Gehirn, und im Tode sinder eine Zersetzung statt, mit der die bisherige Thätigkett aufhört. — Diese Ansicht ist jetzt veraltet, indem die Wissenschaft längst ihre Unrichtigkeit nachgewiesen Kar. Das Leben ist eine fortwährende Bewegung, während die chemischen Kräfte nur nach Ausgleichung und Ruhe streben. Ferner: wenn verschiedene Reize ein Organ treffen, so müßten nach obiger Ansicht verschiedene materielle Veränderungen einlreten, und diese verschiedene LedenSthätigkriten auf einmal Hervordringen, wohingegen di« Erfahrung zeigt, daß bei sehr verschiedenen materiellen Ursachen eine und dieselbe LebenSlhätigkeit sich zeigt, z. B. die Thätigkeit eine« Sinnesorgan«. Ueberhaupt aber wird diese, im vorigen Jahrhundert sehr gangbare Ansicht dadurch über den Haufen geworfen, baß damit alle Selbstständigkeit der Gedankenenrwickelung aufhören würbe, indem diese lediglich au« den chemischen Veränderungen de« Organ« hervorgehen müßten, die wiederum von äußeren Bedingungen abhangen; wer aber hat je gedacht, ohne seine Gedanken sich selbstständig entwickeln zu fühlen. 2) Seele und Leben sind nicht gesondert« Principe, sondern ein und dasselbe. Denn da die Seelentharigkeiten wie die Lebensthäligkeiten an Organe gebunden sind, beide bis zu einem gewissen Punkte ihres Daseins wachsen uiid dann wieder adnehmen, beide den Gesetzen der Reizbarkeit unterliegen: so sind sie dieselben, nur daß das bewußtlose Wirken der Lebenskraft sich in der Seele zum bewußten steigert. »Nun aber können Kraft, und Materie eigentlich nicht von einander getrennt werden. Was ist Kraft ohne Materie, und was »Materie ohne Kraft f Es giedt keine DerdauungSorgane ohne Verdauen, und kein Verdauen ohne BerdauungSorgane. Das Sehen kann nicht ohne Auge sein, und da« Auge hört auf, Auge zu sein, ohne zu sehen. Ebenso sind die höheren Seelenthätigkeiten auch an Organe gebunden, die im Gehirne, un« aber nur unbekannter sind als die Sinnesorgane. — Diese Ansicht leidet an einem

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