Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 47 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4908862-5999354-6026390--1761-4910252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches Bolksllatt. Zur > Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem ffebiefe. Herau-gegedeu von Rabbiner Vr. Ludwig Phlli-psoa in Magdeburg. > lRo. 47. 1860.j tta» vieler ZeUtckrUl enchetui »ocheaUich ei»e -iummcr. Prei, de« 3a!zrgaug« l THU. Bicriclj^hrig 7 % R«r. BEt Buchda»dl»»gea, Postämter ond Zeim»g«ekpedUio»ea ordme» Vkstrlluage» qn. [7. AsKrg. 4. ^jmtlaL] Geschichtliches. <Lu» der vor kurzem erschienenen Schrift: „Die Juden in Navarra, den vaskenländern x." von Dr. M. « ayserling. Berlin. 1. Ein vorleuchrendeS Beispiel auch noch für unsere Tage. Heinrich IV. von Frankreich war durch den Mordstahl des elenden Ravaillac'S gefallen. Es war ein Harrer Schlag, für die Hugenorren nicht weniger, als für die Juden. Diese empfanden den herben Verlust nicht unmittelbar nach seinem Lode. So lange di« Regierung in den Händen der Maria de MediciS und ihres Florentiner Günstling» Concino Coacini lag, hatten die spanisch - portugiesischen Ju-; den der Pyrenäenländer keine Veränderung in ihrem glücklichen Zustand erfahren; sie schuldeten dieses vornehmlich dem Einflüsse, welchen einer ihrer Glaubensgenossen und Landsleute auf die Regentin und Eoncini übte, dem Ansehen deS königlichen Leibarztes Elia» Monralro. Von portugiesischen Eltern jüdischen Geschlechts in Eastello - Lranco in der Provinz Beira geboren und ein jüngerer Bruder des berühmten Arztes AmatuS Lust ranuS, widmete er sich auf den Hochschulen Spaniens und Portugaldem Studium der Medicin. Die Furcht vor der Inquisition trieb auch ihn vom heimathlichen Herb. Monralto ging spätestens ILA» nach Livorno, woselbst er nicht allein für seine Person streng nach dem jüdischen Gesetz« lebte, sondern auch manchen Neu»Christen, wie ben .ibm von Diego Gomez Lobato empfohlenm Paul de Pi na, welcher eine Reise nach Rom vor hatte, um dort in ein Kloster einzutreren, zum Judenthum zurückführte. Nach einigen Jahren siedelte dieser seiner umfassenden Gelehrsamkeit und außerordentlichen Bescheidenheit wegen von Allen geehrt« und geachtete Mann nach Venedig über. Hier hatte ihn Concino Eoncini kennen lemen, welspater feine Gönnerin Maria de MediciS bewog, ihn alS ihren Leibarzt nach Pan» zu berufen. In einem Schreiben, welches er am 6. Mai 1611 an Eoncini richtete, versprach er dem ehrenvollen Rufe jedoch nur unter der Bedingung Folge zu leisten, daß er nicht gezwungen würde, seine Religion zu verläugnen, und e< ihm frei stände, vor aller Welt seinem Judentdume gemäß leben zu tonnen. Bedeutende Anträge, welche ihm von Bologna, Messina, Pisa, waren gemacht worden, hätte er auSgefchlagrn, die erste Professur an der Universität Padua, selbst die Nachfolge deS großen Mercurial, durch welche ihm das Glück bereitet würde, unter dem Schutze des Großherzogs Feeditzanb von Toscana weilen zu. können, hätte et verschmähet: alles diese«, weil ihm die Religion höher stände , alS alle Ehrenstellen. So hoch er eS auch anschlage, den französischen Majestäten mit seiner Kunst diene» zu können, so müsse er °doch vor seiner festen Zusage um die Garantie bitten, daß er in. der Feier und Heiligha^ung deS Saddarhs in keiner Weis« gestört würde. Welch' selten« Opferfähigkeit! Hatten ihm doch die Raddiner Venedig s gestattet, in dringenden Fallen und auf Wunsch deS Hofe» am Sabharh zu fahren. . Maria de MediciS sicherte ihm frei« ReligionSüdung und Monlatto siedelte nach Paris über; Saul Lrvi Morteira soll in feiner Begleitung dorthin gekommen sein. Die Königin befördertt ihn zu der Würde eines RarhS, der ganz« Hof ilirbtc und achte» ihn. Als er einst an einem Freirage eine Prinzessin besuchen soll», deren Wohnsitz so entfernt von Paris war, daß er vor Eintritt des SaddathS dt« Hauptstadt nicht wieder erreichen konnte, wurden an zehn Stationen Courierpferde für ihin bestellt, damit er nur seinen Ruhetag nicht entweihe. Es würde uns zu weit führen, wollten wir die Leistungen dieses bewunderungswürdigen Kenners der äefammre« Natur, wie Benedict de Castro^ihn nennt, hier näher betrachten. Seine literarische Thäligkeit beschränk» sich nicht auf das Gebier der. Medicin; er trat auch al». Kämpfer für seinen Glauben auf und zeig» sich alS gewqndrer Polemiker gegen wvrtverdrrheade Geistliche. Al» rettender Engel erschien Monttlto den Bewohnern von Bordeaux während der Pest, welch« 1614 dort wüthe». Bald nach der Sntfemung' der Königin-Mutter von den Regierungsgeschäften und dem Stürzt Eoncsai'S starb Monralto »n Tour» (September 161&), wohin er sich in Begleitung Ludwig'» XIII. begeben hatte. Niemand bedauerte mehr den Tod ihre» Leibarztes, al» die schwachsinnige Leonora Galigai, die Gemahlin Eoacini'S, welche eS allein dem Verwenden Montaltv'S verdank», daß sie nicht schon früher nach Ca^n tranSportirt worden war. I Kaum hatte er die Augen geschloffen, so brach daS Unglück über sie zusammen. Den Leichnam Montaltv'S ließ Maria de MediciS einbalsamiren und durch Morteira und einige Verwand» de» Verstorbenen nach Amsterdam schaffen. 2. Die 3ubtn(n Toulouse und Marseiile. Der Jude Joachim lebt' einst in jener Stadt, In der Graf Olivier zum Zug sich rüste» chat;