Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 43 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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171 folgung der Tyranneien aller Zeitalter errveckk hat, da« ti zur Beule der Gewalt, der Ungerechtigkeit, de« Spotte«, der brutalen Stärke von Antiochu« und Hama« an bi« zu den christlichen und mvhamedanischen Jnquisitorm hat werden lassen? Ich will e« Euch sagen. Alle Bölter, wögen sie einen Offenbarer der Religion gehabt, oder sich Dogmen nach ihrer philosophischen Dernunft gebildet haben, haben sich Götter nach dem Muster der Gesellschaft, in welcher sie lebten, geschaffen. Dies« Götter, obgleich erhaben über dem Menschen, haben doch besten Leidenschaften und Gefühle. Der Himmel, den sie bewohnen, ist >mr ein größere« und schönere« örtliche« Vaterland. Die Gerechtigkeit in diesem Himmel übersteigt kesneSweg« die der Erde. Die Bewohner diese« Himmel« sind classificirt und gegipfelt die einen über die anderen, durch Verhältnisse der Abhängigkeit und der Vorrechte. Die Macht, so despotisch sie auch sei, hat von diesem Himmel nicht« zu fürchten. Sie hat wohl einige Pflichten gegen Einige, die ihre Pair« und Edelleut» find, zu erfüllen, abek nicht gegen Alle. E« giebr weder auf der Erbe noch im Himmel irgend einen Zusammenhang zwischen dem Menschen und der Menschheit. Sie kennen nur die Stadt, höchsten« da« Vaterland. Die Menschheit besteht nicht. Die Menschen sind nicht gleichberechtigt unter einander, da sie nicht Kinder eine« Gotte« sind. Die Sklaverei ist nicht allein nothwenbig, sondern auch' gesetzlich. Die Frau ist nicht aus der Rippe de« Manne« entstanden, und ist nicht seinesgleichen. Die Heirath ist eine Uebereinkunfi? Da« Gewissen endlich ist so viel al« möglich adgeschwächt. Vae victi*! Da« ist die Devise solcher Ordnung der Dinge, in welchen Gott nur stark ist, weil er donnert, aber nicht weil er der gerechte und seine Geschöpfe liebende Schöpfer ist. Mose« hat mit einem Worte diese« System umgestürzt: „Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde." Hätte er nur dies« einzige Zeile verkündigt, so hätte er den Grund-zur Freiheit und menschlichen Solidarität gelegt. Wir wollen den Gott de« Mose« erklären. So groß auch da« philosophische Genie oder der schöpferische Verstand de« Menschen sein mag, sobald er von den Wirkungen auf die Ursachen zurückgehr, sobald er die Endursache de« Leben« im Universum und der Schöpftmq zu burchdringen wünscht, muß er an ein Gesetz, an eine Kraft, an eine Wesenheit, welche da« All geschaffen hat, gelangen. Da« ist wa« Mose« in dem unaussprechlichen Terragramm *}, da« will sagen „da« Sein", hingestellt har. Mose« nennt im Anfang Gon Elvhim, d. h. unendliche Kraft, aber schon auf der zweiten Seite der Genesis heißt Gott Adonai Elohim, da« ist da« sich selbst Gesetze gebende Sein, welche« die Welt geschaffen. E« ist also „der, der da ist" da« ist da« Wesen der Wesen, welcher da« Weltall schuf, und in diesem Weltall schuf er den Menschen nach seinem Ebenbild«. Da« Wesen haucht in sein Geschöpf «inen göttlichen Funken und verleiht ihm die schöpferische Kraft für da« menschliche Werk, um die Materie zu vermenschlichen. Der Mensch ist also kein Wesen, da« sich selbst Gesetze giedt, unabhängig von der Natur und frei zu thun, wa« ihm gut scheint; er ist ein halb himmlische«, halb irdische« Wesen, besten Wurzel Telragramm, d. i. der viertuchsradige Name, Gotte« mrs\ in^em höchsten Wesen ruht, und mit diesem durch da« Zdeal /eine« Schöpfer« verbunden ist. Der Mensch hat da« Bewußtsein de« Guten und de« Bösen und seine« geschaffenen Stoffe«; er har die Veränderlichkeit und die Gebrechlichkeit de« Dasein«. Der Mensch ist in dem Sinne frei, da« Böse, selbst wenn, er weiß, da« e« da« Böse ist, thun zu können, aber, e« steht ihm nicht frei sich den logischen und göttlichen Folgen diese« Bösen zu entziehe«. Ebenso wenn er da« Gut« thut, — und nicht« ist gut als die Absicht de« Werke«, so fem sie auch liege, — er wird sich nicht den Segnungen diese« Guten, ungeachtet seiner vorgegebenen Freiheit, entziehen können, selbst wenn er den Willen hatte, darauf zu verzichten. Die Freiheit wie seine Existenz ist nicht absolut. Dieser Mensch ist der Vater, der Bruder aller menschlichen Wesen. Da« heißt, e« giedt keinen Unterschied zwischen ihm und seinesgleichen. Sein Ich ist kein andere« Ich, obgleich er höher stehen kan». Es ergiebt sich au« dem Edengesagten, baß die Freiheit de« Einen> aufhört, wo die de« Anderen angegriffen oder nur beeinträchtigt ist. Und da« ist da« Ideal der Bruderpflicht! In de!r Thqt, von zjwei Menschen ist der eine immer entweder stärker oder listiger. Wenn dieser Mensch nicht einem höheren Pnnzip« gchorcht, wird er seinen Bruder unterjochen, wenn er ihn nicht in einem Zorne-anfalle rodlet. Und da« ist die Sklaverei. Wer sich schön, stark, weiß gegenüber einem häßlichen, mißgestalteten, schwarzen Menschen sieht, glaubt sich von anderem Blute, von anderer Rare und da« ist der Abel gegenüber der Masse mit seinen Ungerechtigkeiten und Lorurrheilm. Diese ungerechte Gesellschaft hat Mose« mit einem Worte gestrichen und in da« Nicht« zmücktreten lassen. „Gott hat den Menschen geschaffen." Gleich Gott ist derjMenfch einer, und wie da« Individuum ist die Gattung «ine. Mir der Einheit Gotte« ersteht di« Einheit de« Menschengeschlecht«, mir anderen Worten die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diesem Manne gab Gott da« Wekd. Bei ihrem Anblick könnt, man sie für etwa« Andere« al« den Mann hatten. Mose« laßt sie selbst im Herzen de« Manne« erstehen, j Er har sie au« dem Ideal, dem Gefühl entspringen lassen, und theilr ihr eine Rolle der.Tugend und Hingebung zu. Dsese« Weid ist gleichberechtigt mit dem Manne, nur durch, die Liebe allem wird sie seine Herrin. „Deshalb." sagt Mose«, „verläßt der Mann Vater und Mutter, und t>ans«t; an seinem Weibe — da« ist 'die Monogamie, — und sie werden je in Fleisch." Mose« ist der Gesetzgeber, des in drei Zeilen auSspricht, wa« Andere in drei Hundert G««rationen In drei Tausend Bänden gesagt haben, and deshalb ist die« da« Gesetz. Rack der Einheit Gotte«, de« Menschengeschlecht« und der Heikaeh proklamier er die Einheit de« Gesetze«, 'de« Gewicht« und der Maße. > Ein Gesetz und «in Recht für Alle, sagt er, rin tia» zige« Glwicht für Hüe. Da« ist die Gleichheit vor hem Gesetz ohne Unterschiede Er geht noch weiter. Kein Gesetzgeber hat wie er di« Rechte de« Armen behütet. Aqßer dem Zehnten, sichert er ihm da« siebente Iahe, dessen Früchte und Erzeugnisse ihm rechtmäßig gehören. Er «rdirtek de!« Reichen da« Kleid und da« Bett de« ArMen al« Pfand zu nehmen. Sr befiehlt ben Lohn dem Tagelöhner am selben Tage der Arbeit zu zahlen. Er befiehlt