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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 42 (1860) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
42 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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166 suchen. Es handelt sich also nicht um Gerechtigkeit, Befreiung und Wahrheit. Eist Druck und Gewalt. Es handelt sich nun noch darum, zu wissen, ob wir unser Derm^en und unser Leders für unsren Glauben hiogeben sollen. DaS will sagen, o«! wie unsre unsterbliche Seele gegen eine« sterblichen Körper j auStauschen sollen. ES ist sicher, daß jeder Israelit, der an Gott glaubt! und sein Leben und seine Seele in Seine Hände empfiehlt, I nicht einen Augenblick zaudert. Aber es giebr unter uns! Einige, die, nachdem sie ihre Religion der Kritik der Vernunft unter^gen und keine marhematisthen Beweise außerhalb der Offenbarung Mosis gefunden haben, sich Zweifeln { hingebea und sich folgende Frage stellen: da sich keine Rej ligion auf ein« unzweifelhafte Weise außerhalb d«S Glauben-! beweisen läßt, soll man eher dem Leben! entsagen alS einen! Zweifel für einen anderen verrauschen? Andere, von christlichen Priestern katechesirt, suchen sich > auf folgende Weist zu helfen. Die Religion MosiS, sagen sie, würde'nicht ohne di« Offenbarung des 'Sinai bestehen. Kö»nte es nicht sein, daß diese Offenbarung, weit entfernt schon abgeschlossen zu sein, nur die Mutter der katholischen Religion wäre, welche! aus ihr die Grundlage entnommen und! ihre Wurzeln über! die ganze Erde auSgebreitet hat? Nun noch eine dritte Frage, die! ich oft in unsren Versammlungen verhandeln gehört habe. „Ist es nichts besser zu leben, die Taufe in ihrer äußere« Form anzünehmen und heimlich den Glauben an unsren Gott zu bewahren, der sich mit der Beehrung, die wir in un'ren Her^n bewahren,: begnügt i"! Auf diese Fragen will ich antworten, nicht in meiner; Eigenschaft alt Rabbiner, sondern al«: Mensch, brr anit göttlicher Vernunft begabt, die nur allein baS menschliche Wesen von allen anderen Geschöpfen unterscheidet, und nach der durch die Gnade GorteS aus den Büchern unsrer Propheten und Weisen geschöpften Wissenschaft. Eist ein historisches Phänomen, haß unter allen Religionen der Erd« nur die Religion MosiS die allein verfolgte und"angefeindere ist. Schon im Alterthume haben die heidnischen Völker einen wüthenden Krieg gegen Zudcnrhum und Juden geführt, nicht aus politischen Gründen, sondem ausschließlich nur auS religiösen. Die Heiden unter sich führten EroberungSkri^e. Die Pbrfer harren nichts gegen die Götter Athens; die Athener erklärten den Spartanern nicht den Krieg aus religiösen Motiven, uno Rom hat Karthago nicht zerstört, weil die Karthager ihr« Kinder dem Moloch opferten, ein Opfer welches Moses bei Todesstrafe verboten har lLev. XX.). Aber schon Rebuchadnezar und Salmanassar sühnen einen Vernichtungskrieg gegen; den Gott der Israeliten. Man kennt die Religionsverfol-! gungen der griechischen Könige gegen di« Hebräer und den Widerstand der Makkabäer. Rom har den Tempel zu Jerusalem zerstört. Als es di« Schüler von Jesus verfolgte, glaubte eS immer die Juden anzvgreifen, denn dies waren aus Jerusalem kommende Juden, die die Lehr« Mosis verbreiteren, wenn auch unter einer anderen Form. Kaum harr« sich der KakholicismuS zu einem Dogma gestalter,» so wandte er stine Waffen gegen die «»glücklichen Judm. So ebenfalls die Muselmänner. Muhamed har stine Religion aus der mosaischen Bibel geschöpft, und sobald dies« Religion vermbge ihrer Waffen gesiegt, richtet sie ihre Schläge gegen das Judenrhum und die Juden. Was ist denn in dieser Religion voller Vernunft, voller Pflichtgefühl, voller Tugend und Menschlichkeit, daß alle Tyranneien jeglicher Länder sich an ihr stoßen, und sich «inbilden sie durch die Ausrottung ihrer Anhänger zu vernichten?') Man har gesagt, daß die religiöse Intoleranz ein Gesetz von Moses sei, und daß di« verfolgten Hebräer die Sünde der Bedrückung, die ihre Vorväter gegen die Amalekiter, Moabiter und Midianiter geübt, büßen. Aber das ist ein großer, durch die Unwissenheit in der Geschichte des israelitischen Volkes Verbreiteter Jrrthum. Moses har niemals einen Religionskrieg geführt, noch geboten. Um in Palästina einzuziehen, bas das Erbgut der Patriarchen war (schon Abraham und Lor hatten es besessen, Abraham hatte eS von Ephcon für schöne baare Münze gekauft. Später ließ der sterbende Joseph die Israeliten einen Eid leisten, seine Gebeine mir in ihr Vaterland zu nehmen, wenn sie in dasselbe zurückkehren würden.), verlangte MoseS von dem Volke, dessen Gebiet er passiren mußte, ihm freien Durchzug zu gestatten. Er verpflichtete sich förmlich, alle LrbenSmittel zu bezahlen, die vollständigste Neutralität zv wahren und selbst einen Friedenspact mit ihnen zu schließen (4. Mos. 20 und 2 t.). Gegen dir aber, die ihm nicht allein den Durchzug weigerten sondem auch die Angreifer machten, wie die Amalekiter und Midianiter (siehe Lev. K. XVII.), erklärte Moses einen Vernichtungskrieg, einen wahren BergeltungSkampf. Wie könnte man einen Gesetzgeber der Grausamkeit zeihen, der die Mmfchlichkrir so weit trieb, daß er den Sieger zwang, der kciegsgefangenen Jungfrau dreißig Tage der Trauer und der Zurückgezogmheit zu gönnen, um ihre gerödteren Elrem und ihr verlorene» Vaterland zu betrauern? Wo ist der Römer oder der Grieche, der ein ähnliches Gesetz hingestellt hätte? Die Israeliten haben niemals Protelyren gemacht; z. B. die Sohne Jakob'« zogen es vor, anstatt den Uebertrilt des Fürsten zu Sichem und aller Bewohner der Stadt anzunehmen , um die verletzte Unschuld ihrer Schwester zu rächen, die ganze männliche Bevölkerung zu tobten. Dreimal sogar wiederholt Moses das Gebot: „Du sollst den Fremdling lieben, wie Dich selbst, denn Du bist Fremdling gttvcfm im Lande Egypren." Niemals führte ein König von Juda einen ReligionSkrieg mit einem fremden Volke, wenn dieser Krieg nicht zur rechtmäßigen Berrherdigung war. Man könnte wohl die Stämmekriege zwischen Juda und Israel anführen, aber dies waren nur rein politische. Wenn ein König von Israel a[t Despot regieren wollte, nach dem Hange seiner Leidenschaften, seiner Familieninteressen und um ungestraft alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu verhöhnen, wandte er sich zum Götzendienste und läugnere die Lehre Mosis, die in ihrer Eigenschaft alS Lehre des Rechts, die Rechte eines Jeden und vor Allem des Schwachen gegen den Starkm schützte. Wenn also ein siegreicher König von Juda die Altäre des Götzendienstes Umstürzen und die Priester de- Baal tobten ließ, übte er nur persönliche Wiedervergeltung, er glaubte durch diese Handlungen die *) ES ist bemerkenswert-. daß in den modernen Zeiten die großen religiösen Verfolgungen iämmllich gegen solche Individuen, Leeren und Böller gerichtet waren, welche sich der Bibel, genähert und deren fundamentale Gesetze proclamirt hatten. So die Huksilen, Hugenotten und Calvin iste».

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