Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 42 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bvlksblatt. Zur Lbkehrung und Anterhatlung auf jüdischem HeKiete. Herausgegebrn vou Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. M. 42. 1860.] *cn dieser ZeiNcknfl erschebu wsche»Uich et»e N»««cr. Preis des Iah» g«»gs 1 Thir. «ierteljLhri- 7 'X Ngr. HUt BuLtzasdülazen. Posta« und Zritungsespedinonen nehmen BesteÜnngeu an. [7. Jahrj. 4. «Quartal] I1 n Aus dem Scheiterhausen. Kategorische Antworten an die Gegner^ des JudenthumS. Nack dem FranzSsischen d«S Llexander Weilt. 'Forrittzung aus Ro. sl.) Nachdem Sie das Werkchen des Rabbi Meie den Gabriel gelesen haben, werden Sie eine ganz« Menge bestimmter und unwiderleglicher Antworten für alle Bekehrer, Verfolger und Unterdrücker der Juden haben. Sie können es für Herrn Cöster übersetzen und ich will Ihnen zwei Folgen nennen: r Entweder Herr Cöster wird nie wieder auf dieses Kapitel zurückkommen und Ihr Freund bis zum Tode bleiben; Oder, er wird Sie verlassen und ':.)t wüthendster Feind werden, und da er Ihnen nicht antworten kann, wird <t. Sie beleidigen, und wenn es in seiner Macht steht. Sie verbrennen. Ich begab mich am anderen Morgen zu Herrn Fould, der mir das besagte Buch übergab. ( Hier ist die mehr oder weniger treue Uebecsetzung. Ich habe den Text in seiner Originalität nicht mehr. Die Bibliothek des Herrn Fould ist von der Orforder Univer» sität angekauft worden; aber ich besitz« die Noten, die ich von ihm copirt habe und es sind diese erklärten, vermehrten uno erläuterten Roten, die ich den Lesern jetzt vorlegen werde. Auf dem Scheiterhaufen. Ich" bin fünfundvierzig Jahr« alt und habe nur noch zehn Tag« zu leben. Man hat mir zehn Tage der Uederlegung gelassen, um zwischen dem Tode und. der Taufe zu wählen, und man weiß im Voraus, daß ich es vorziehe eher zu sterben, als die Religion zu vertauschen. Wenn es sich nur um meinen Körper handelte — denn man wird meine Seele zu vernichten nicht im Stande sein — so würbe ich die Frage nicht einen Augenblick meiner Vernunft und meinem Urtheil unterziehen. Seitdem ich lebe, das heißt, seitdem ich denke, habe ich Zeit gehabt das Wesen unserer Religion zu durchdringen und mich mit Muße zu der schrecklichen Entscheidung, zu dem Schicksal, bas heute an meine Thür klopft, vorzubereiten. Wenig kümmert eS ein Kind Gottes, dieses Leben voll Prüsirngen und Elend sowohl zu fünfundvierzig Jahren' als zu neunzig Jahren zu verlassen. Für dm Geist, der niemals von seinem himmlischen Wege abgewichm, heißt es ebm so viel gewinnen. Die leiblichen! Augm schließen, heißt das seelische Auge der Ewigkeit öffnen. Aber es handelt sich nicht allein um mich, der den!» Tode mit freudigem Heqm, und Hosaunah singend »nrgegengeht, es handelt sich aüch nicht um meine vielgeliebte Frau, meine theuren Kinder, die mir mit verbuadmen Augm folgen werden; aber an der Seite dieser Wesen, die mir an's Herz gewachsm find, hadM vierzig andere Personen, meine Glaubensgenossen, von denm mehrere sehr jung und zu den. bestm Hoffnungen berechtigen, den Blick auf mich, ihren Freund, ihren Rathgeher und Rabbi gerichtet. Vielleicht sind mehrere unter ihnen, die wanken oder Argumente für di« Schwäche und das Leben suchen. Für sie suche ^ich in meinem Kopfe alle die Beweisgründe, die ich in meinen Studien und in meinm Nachforschungen über die Bortrefflichkeit und die moralische Erhabenheit der mosaischen Religion gesammelt, zusammen. Um Märtyrerblut in ihre Seele zu gießen, gieße ich die meine aus. Um di« Rolhwendigkeit, sich eher zu opfern, als der göttlichen Wahrheit ungetreu zu «erden, in ihrem Geiste »purzeln zu"lass«N, fasse ich di« in den Büchern unserer Weisen j zerstreuten Bew isgründe zusammen, die allesammt Märrvyer ihre- Glaubens und ihrer Vernunft gewesm find, und lsit gelebt haben und gestorben stad zur Ehre des Hei ligffen, gelobt sei Er, dfssen Name einig, der den Menschen in Seinem Ebenbilde geschaffen, und der Sein« Erkohrmm nicht aus der Reihe der Mächtigen, der Götzendiener und der Glücklichen wählt, sondern unter den Schwachen, dm Getreuen und den Unglücklichen der Erde! Was kann der Zweck der Repräsentanten der materiellm Gewalt fein, wmn sie zu einem Anhänger Mosis sag«: „Wirf> Deine Religion in den Koth und nimm die meiaige, welche!die beste, die einzig wahre ist, oder ich.berarSe Und rödte Dich!?" Har man jemals «inen Reichen mit Wuch und Eifer auf den Lippen einm Armen angreifen gefehta, um ihn zu zwingm feine Lumpm zu verlassen und mit ihm seinen Sammetmantel zu rheilen? Da brauchten sie keine Gewalt, keine Drohüngm anzuwendm. Wmn mau einem Unglücklichen eine Wohlthat erweist, so geschieht dies mit Saafrmuth und Leutseligkeit. Man hat niemals einm Reichen lange Reden führen und sich in Beredsamkeit ergehen gesehen, um dm Armen zu veranlassen eine grtzß» müthige Gabe anzunehmea. Don vom herein nl^mit chir Derjenige, der mir mit Schwert und Fmer in de^HaNd, Woblthaten aufbürdet, mehr als «r mir giebt; anderenfalls würde er mir die Freiheit lassen zu wählen und anstatt Gewalt anzuwendm, würde er mir nur meine Armuth an Glaudm und seinm Reichthum an Religion zu beweist»