Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 41 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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- 163 netten das Bild geziert. Am andern Tage nahm da« Justizamt an Ort und Stelle den Tatbestand de« Dieb» stahl« auf, auch die Vorgefundenen Gelder in gerichtlich« Verwahrung. — Da« mochte gerade um dieselbe Zeit geschehen, gt-^ber ObergerichtSanwalt, der mehrere Tage verreist war und erst am Sonnabend dem neuen Clienten Audienz gab, diesem rundheraus erklärt hatte: „er fei ein Narr mit seiner Revocations- und Jnjurienklage, und auch die dritte sei precär. Er wollte di« Actm näher prüfen und ihm später seine Ansicht schreiben." Da« verstimmte den siegeSgewissen, schwrrgekrankren Jausel nicht wenig. Noch mehr aber, als ihm der alte Rabbiner, von dem er sich benschen ließ, beim Abschiede sagte: „Ihr seid ein Abkömmling Ahron'S, aber nicht fein Schüler, sonst liebtet Ihr den Frieden und suchtet ihn auf!" In solcher trüben Stimmung strhr er Sonnrag früh nach Hause. Die Kunde de« vorgestrig« Ereignisses wirkte mächtig auf seine Seele. Meier, der Prozeßgegner, der Retter seine« Vermögen«, und Minke um des verdammten Streites willen unglücklich! Hakt' e« denn solche Eile mit der Appellation? Ist daS nicht ein Fingerzeig Gotte« gewesen? — Sein Entschluß war gefaßt. Er ging zu Meier und bot ihm gerührt die Hand — der Versöhnung und der Tochter, aber unter einer Bedingung: der Schwiegersohn soll« sich für sachfällig erklären, auf Rückgabe de« HauseS und Bestrafung verzichte man, und alle gezahlt« Prozeßkosten sollen heimlich ersetzt werden. „Niemals, Vater, ich gehe nicht al« Lügner unter die Chupah." „Aber ich soll Dich und mein Kind als Schote dahin bringen, von mir soll man sagen: der alte Narr verklagt sein Geld erst und dann macht er Chaßneh. So bestrampelt bin ich nicht. Du kannst doch nicht verlangen, daß ich am nächsten Jontef ertrinke?" „Nein, piepte der kleine dicke Chafan dazwischen, der eben in die Stube gekommen war, dafür ist gesorgt, denn mir ist heute Nacht «in guter Rath eingefallen." „Nun, heraus damit, Sie Oberdajon von Deutschland," rief Zausel unwillig und ungläubig. Rosenthal nahm eine wichtige Miene an. Er brachte die Bambuskrücke an die Nasenspitze, stämmte die Hand in die Hüfte, drückte die Augen zu und näselte bedächtig: „Mein Rath ist: Alle« bleibt, wie e« in der Ssphirah war, nur die Herren wechseln, ich meine: Meier nimmt Ihr Hau« und Sie nehmen fein«." „Bravo, bravo, schrie der alte Jausel wie besessen und umarmte den entzückten Friedensstifter." „Ader Vater, wie kann ich solch ein Opfer von Ihn« verlangen, Ihr große« Haus gegen diese« kleine?" sagte Meier. „WaS schadet da-, mein Sohn, da« Recht bleibt doch dann Recht und der Jausel vor der Welt der Sieger. Regnet'« stark, nehme ich alle- Wasser auf und komme zu Ihnen, oder verreise inzwischen. Thun Sie. mir den Gefallen und gehe« Sie auf den Vorschlag ein, ich richte Ihnen drüben eine größere Gerberei auf meine Kosten ein." „Topp, e« sei Vater und nach diesem Pacte zu ihr!" Schnell flog er hinüber zur Braut, Jausel begab sich hinauf zur Kammer, um die kranke Minke zu besuchen — und stolz verließ Herr Rosenthal da« Hau«, um der Kilrh den Triumph feiner Weisheit und di« baldige Ankunft dampfender HochzeitSfchüsseln zu verkündigen! (Schis» folgt.) Aus dem Scheiterhausen. Kategorische Antworten an die Gegner de« Judenthums. Rach dem Französischen de« Alexander Weill. (Fortsetzung au« No. 40.) „Du bist sehr stolz. Wie alt bist Du?" „„Ich werde in drei Monaten stchSzehn Jahre alt/!'" „Wenn Du nach Fhankfun gehen willst, will ich Dich in meinem Wagen bi«! nach Mainz dringen. .Du sollst mir dann noch einmal Dein Lied fingen." „Sogleich, mein Herr, so oft Sie e« wünschen. Aher wozu in Ihre Kutsche steigen; man singt schlecht im Wagen." „Du zauderst; Du hast also Furcht?"! „Um offm zu sein , mein Herr, ich würde lieber zu Fuß gehm. Ich bin Jude." „Nun! und? Vorwärts, steige ein; ich bin kein Judenfeind. Dann, einige häbräifche Worte sprechend, fügte er hinzu: Du siehst, ich habe, die Bibel studiert gleich Dir; nur liebe ich den Talmud viel weniger, der ein Gewebe von scholastischen Abgeschmacktheiten ist." Während dieser Unterredung hatte mich einer der Bedient« in den Wagen praklieirt, und ich begann zu sing«. - Der alte Herr überschüttete mich mit- BiScuitS und Buttyf* kommenheitea. Er sagte mir, daß dieser Gesang in Deutschland und Frankreich verboten sei; daß ich von Gensdarm« aufgegriffen und über die Grenze hätte geschickt werden kön» / nen. Dann nahm er mir da« Versprechen ab, ihn am J anderen Morgen in Mainz zu besuchen, um von ihm «injnr Empfehlungsbrief an den Dr. Wolf, seinen Freund, und Rabbiner an der Universitä Gießen zu erhalt«. Ich wie« diesen Brief zurück, voraaSsetzend, daß dieser Dr. Wolf «m Verächter des Talmud« 'ein müsse, und da ich zu religiös war, um mich mit eir em solch« Manne zu liirm. — „Das ist di« echte Spra he de« Jrrthum« und de« Fanatismus," sagte mein achtbarer Beschützer. „Mein Sohn,", fügt« er hinzu, „erinnere Dich stet« an da«, wa« ich Dir jetzt sag« will; schreibe in Dein Herz die Wahrheit«, die Du vemehmen sollst. (Wir war« noch zehn Minuten von Mainz entfernt.) Der Jrrthum wendet, da er seinen Gegner nicht durch die Vernunft besieg« kann, überall und immer zuerst die Beschimpfung, und damach die Gewalt an. Du überhäufst den Dr. Wolf!mit Beschimpfung«; Du würdest ihn verbrennen, wenn Du die Macht dazu chänest: und doch ist er ein Jude wir Ou. Nach kurzer Zeit wirst Du elnsrh«, daß Du im Jrrthum warst, und er in der Wahrheit. Binnen kurzer Aewird Dich die Unduldsamkeit und der Fanatismus mit bemselb« Maße meff«, da« Du an mein« achtm-werth« Freund anlegst. Wenn die Christ« den Juden Gewalt anlhua, rhun sie nicht« Andere«, als wa« di« fanatisch« Jud« ihr« eignen'Brüdern d« biblisch« Philosophen, den aufgeklärten Israelit« thua möchten. So lange Du selbst intolerant sein wirst, so lange hast Du kein Recht, Dich Über irgmd Jemanden zu beklag«. Man thut Dir, wa« Du Ander« rhun möchtest. Don