Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 40 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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159 mehrere kleine verschaffen, mit wie vielen Jnconvenlenzen würde daS verbunden sein! Und dennoch — ein übles Dilemma — erfüllen groß« ihren Zweck nicht. Wir haben keine Nebenkapellrn, wie die großen Dome, in welchen der Einzelne unbekümmert um die Uebrigen sein Gebet still verrichten kann, die Predigt ist kein wesentlicher Bestandtheil der Liturgie, der Gesang der Gemeinde ist nur sporadisch für einzelne Gebete durchzuführen, Jeder greift bei uns in da- Räderwerk ein, nicht die Gemeinde, sondern jeder Einzelne steht in directer, unmittelbarer Beziehung zum Chasan, geht ihm voran, begleitet, folgt ihm. Jeden trifft die Reihe zur Thorah, die kleinsten Knaben sind ebenso.berechtigt;um Barucli Im uwaruch schiuo und F. — men wie die Erwachsenen, hundert ähnliche Momente zu verschweigen — und daS alles läßt sich in großen Synagogen nicht bewirken, ohne daß der echt Jüdische Typus unser- Eultus nicht verwischt oder die lebendige Rö'the desselben abgedlaßt wird. Darum sei man vorsichtig und baue lieber mittelgroße Tempel. Auch in ihnen wohnt ja der Herr, der Heilige Israels, gelobt sei Er! Geschrieben am letzten Tage des alten Jahres. Ans dem Scheiterhaufen.*) Kategorische Antworten an die Gegner des Judeillhums. Nach dem Französischen de- Alexander Weil!. Von meiner zartesten Kindheit und dem Augenblicke an, wo ich daS Bewußtsein meines besondern „Ich" befaß (und seit dem Alter von sieden Jahren kannte ich den hebräischen Pentateuch auswendig und begann das Studium des Talmuds), befremdete mich die ungerechte Unterdrückung, welche meine christlichen Nachbarn und Brüder auf die Juden auSübten. Die Kinder, welche in ihrer Unbefangenheit das Gefühl des Wahren und Gerechten habm, sind schrecklich, wenn sie durch Fragen von den Wirkungen auf die Ursachen zurückzukommen suchen. Beleidigt eine- TageS von eiüem katholischen Gassenbuben, welcher mich: Hund von einem Juden! nannte, frug ich meine Mutter, mit welchem Rechte dieser christliche Dummkopf, denn er konnte weder lesen noch schreiben, mich beleidigte. Sle antwortete mir seufzend: „Mein Kind, wir leben in Golu-." DaS sollte bedeuten, wir haben keine politische Macht mehr. Vertrieben aus unserm Lande sind wir zerstreut in die vier Ecken der Erde und in der Willkür des Rechtes des Stärkeren. Da ich meinen MofeS an den Fingern 'hersagen konnte, wußte sch, daß diese Züchtigung den Kindern Israels vorhergesagt war, damit sie büßten di« Verbrechen ihrer Väter, welche alle ihre Pflichten versäumt und keineder göttlichen Gesetz« beobachtet hatten. Dennoch kam mir dieses GoluS sehr lang vor, und eS schien meiner kindlichen Vernunft, daß die Verbrechen meiner Vorfahren seit langer Zeit aüsgedüßt wären. * AlS ich am Abend bei meinem Rabbi eintrat (denn ich studierte das Gesetz bis um Mitteruach an den Tagen, wo man die Pferde nicht richtete ich an ihn' dieselbe Frage, gendermaßen: „Du kennst die Ge Nun sind, ich muß es es zu wiederholen, denn auf die Weide im Walde treb). Er antwortete mir folchichte der Götzendiener. Sieh »den Ohren und hören nichts sie haben Dtgea und sahen nicht. Dir sagen, aber hüte Dich n ohl. Du würdest Dem Leben in Gt fahr setzen, überall Götzendiener, welch« Bilder anbeten, gefertigt vom Töpfer, Zimmerer und Maurer. Sie verfolgen ms, weil mir nur den unsichtbaren Gott anderen, den uns Erblichen Schöpfer des Allst, welchen nicht einmal MofeS von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Sie wünschen, daß wir uns zu der Anbetung wisse, baß Du lieber st Mal Dein Knie vor solch einem Bilde beugst. Aher rienn Du auch den Tod der darfst Du doch nicht Sie sind leicht zu erzürnen. Wir haben für uns nur »nser Recht und unfern Gott auf Augenblicke, weil wi zu antworten. Sie si )rer Bilder erniedrigen sollen; iaber eben mußt, als daß Du ein ein igeS. Götzendienerei vorziehen mußt) so mit den Götzendienern öteputtwi. und dieser Gott verlaßt uns, ach! seine Gesetz« nicht beobachtet h. den. Glücklicherweise ist die es kurze Verlassen nur eia : wist unter Freunden....' Wir haben schrecklichere Prüf»»gen überstanden. Tausend und abertausend Juden sind gestirben als Märtyrer für' das. uns verächtlich, uns du Gott Israels wacht üb seinen Bund mit uns als er uns in alle Erd Gesetz. Man hat uns ausrotten, mm machen wollen. Vergebens, der r uns und hat, wie.Moses sagt, nicht gebrochen, selbst damals Acht, heile zerstreute. Du mußt alsh die Beleidigungen dev Andqrsglaubenden ertragen, ohne darauf ad die Stärkere»! Bessere Zeiten nähern sich. Die französische Revolution war gerecht gegen die Juden. Der Kaise Napoleon war eS etwas weniger. Die Restauration sucht) uns auf'S Neue herabzuwürhigen und uns die Menschenrechte zu rauben, aber sie wird »lcht lange dauern. Keine dsn Juden feindliche Macht hat eine lange Dauer." Die Antwort des Rabbi befriedigte mich noch weniger, als die meiner Mutter. Und statt mich darip zu ergiben, di« Beleidigungen deS kleinen Tony zu ertragen, wai ich entschlossen, ihn bei desir ersten Worte anzugreifeu, selbst auf die Gefahr hin, tüchtig burchgeprügelt zu werden. Als nun wirklich am folgenden Morgen mein Detter, ein großer Kerl von achtzehn Jahren vor unser« Haute vorüderging und Tony ihm: „Hepp, hepp!" jurief, stiirzte ich mich, wüthend übet die Feigheit meines Vetters, auf den jugendlichen Beleidiger und schlug ihn mit einem Faustschlag zwei Zähne aus, welche sonst ganz von selbst jrusgefallen wären. Er stieß ein Grunzen aus, wie-ein Thier, weiches geschlachtet werden soll, KNd rief seine« Daker. Als dieser seinen Sohn mir blutigem Munde sah, «ahnt er, ohne sich von der ersten Ursache zu unterrichte», fein«! geladene Flinte, ging hinaus, legte das Gewehr au, ließ, den Drücker los und zerschoß den Zweig eines Pflaumenbaums zehn Linien über meinem Kopf. In weniger als fttylf Miauten war das ganze Dorf handgemein geworden; dann trennte man sich auf die Ermahnungen einiger vernünftigerer Katholiken und Juden unter trügerischen Friedens * und Freundschaftsverfttzeruugen. Trotz dieses religiösen Zwiespalts liebte ich mit meinem kindlichen Herze« (ich jwar damals zehn Jahr alt) die kleine Stasi,, «ine reizende kleine Katholikin von neun Jah- *) Aus: la vöritö iera^lite.