Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 40 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 muth verleiht, «i« die dunkle Jacke da- Helle Kleid noch' glänzender erscheinen läßt, und wie endlich dahohe Slie- | selchen so sieg-gewiß da- Pflaster tritt. Ach Gott ja, da-! Pflaster in Pestb auf den Fuhrwegen, außerhalb der Trottoir- und wo diese fehlen, ist eherzlich schlecht und wohl nur da für Schmiede und Stellmacher, welche die Dauerhaftigkeit neuer Wagen probiren wollen. Ich had'- empfunden, denn während ich noch zwei Stunden umher flantirre, um dasonnabendliche Treiben anzusehen. konnte > ich die Trottoirbei meinen Studien wenig benutzen, so! viele geputzte Jüdinnen mir rauschenden seidenen Gewändern begegneten mir, so vielen Haufen bi-puticender, predigtkritisirender, geschäft-eifriger MiniarurkUed» hatte rch au-zu- > weichen. Auch sie haben, wie bei un-, entweder die Hände in den Taschen, oder wie Telegraphewarme in der Luft' fechtend. Halbe Straßen entlang hier die Läden geschlossen,' dort alle geöffnet und der regste Geschäft-verkrdr. Hier! ganze Reihen heimkehrender Tempelbesucher mit Thali-beurel. und Tefillah in der Land, dort Omnidu- und Droschken über den Knüppeldamm von Snaßenpstaster rasend — und darin Juden und Jüdinnen, rherlin Geschäften, theilzu Vergnügung-orten fahrend. Was ist dafür ein 'bacchantischer Lärm in manchen Häuser», Musik, Gläserklingen,; Schreien angetrunkener Kehlen, Springen und Singen i —; Treten wir doch ein. Jüdische Sackttäger sind'-, sie zechen 1 in Bierkneipen, Kaffee-, Restaurationen, wakümmert sie die Saddathrude. Heute ist Ardeil-tag, morgen begegne ihnen, wenn Du geputzte Ungarn sehen willst. — Dieser Strich bedeutet die übliche Pause de- Mittag-brore- und einer kleinen Siesta. Mein Srudenqenoffe, der Assessor H. ein humaner Christ, für den da- Jüdische bewegte Leben sehr viel Reiz hatte, weckte mich, man klingelt auf dem Dampfschiff. Schnell herab, eingestiegen, hinüber und herüber, wieder jenfcit- und diesseits — eine Stunde Fahrt. Ich glaube, Capitain, Matrosen und unser Assessor waren die einzigen Christen. „Sie sind verrathen, lieber £ .. sagte ich zu ihm, „Chrisirnblut für Jüdische-, die Donau rauscht Ihr Todtenried. Sehen Sie nur da- Ofenfeuer, die dunkelglühenden Augen der am Strand« harrenden Jüdinnm, hören Sie nur die unvfrsiändlichen, unättikulirtra Laute — ewar dahöhere Jüdisch Deutsch der Zueno Urenoh — der Verschworenen, schnell zurück mit mir nach Pesth!" Er that enicht und will enicht bereut haben, so liebliche Esthergesichter behauptet er im „Kaiferbade" und in Altofen gesehen zu haben. Mich trieb'- zurück, ich wollte Meisel befuchm, ich wollte ihn ftagen, ob ewahr ist, waman mir erzählt hatte, baß er einen Sonnabend auf der braunen, dm andem Sabbarh auf der weißen Kanzel predigt. Ein Prediger der Linken und der Rechten, Israel in zwei Lagem, eine Partei der Braunen und der Weißm, ein brauner Bereschith, ein weißer Noach, heute den Rücken, än acht Tagen da- Gesicht, strchtet der Prediger von heute nicht dm kritischm Schatten seine- Rivalm vom letzten Sabbarh? In der Waitzener Sttaß«, an und l fir sich schon mit ■ der Donauzeil die lebhafteste in Pesth,! wimmelte evon geputzten Judm beiderlei Geschlecht-, sind doch waren enur einzelne abgeipoanme Fädm de- Kosten Knauls, der auf dem Markt» oder Elisaderhplatz« sich auf- und zuwickelte. De Musikbande eine-Jägerregimentfmfte vor dem Theater j und ring-um unter dm Anlagm sastm, gingen, lachtm und l schwatzten so viele Sadbath-freunde beiderlei Geschlecht-, daß die Ofsiciere Mühe hatten, sich hier und dort ohne Rippenstöße durchzuwinden. Der herrliche Tag mochte Alle in'- Freie gelockt haben, und so wogte denn dageschmückte Israel hin und her auf dem geräumigen Platze mitten in der Stadt. Viele saßen vor den Kaffeehäusern unter blühenden Oleander- und Orangmbäumen, Kaffee schlürfend oder am Eise sich erfrischend. Wer so au- Norddeutschland kommt, an zehn Lieutenantvor Krenzler- Conditorei denkt, wie sie die Vorübergehenden lorgnettirend Revue passiren lassen oder an einige zeitung-eifrige Studenten und Recensentrn vor d'Heureuse, wer an ein Concerr im Friedrich- Wühelmstädtischen oder im Kollschen Garten sich erinnert und sieht hier dann mitten auf dem Markee, vor den Häusern diese« bewegte Leben geputzter Juden, welchedie anwesenden, durch ihre Leutseligkeit so vortheilhaft bekannten Ofsiciere nur eben zu roleriren scheint — der bedeckt sicher einmal mit der Hand die Augen und fragt sich: Wach' ich oder träume ich? Mir erging'- wenigstenso, und doch habe ich manche Stadt gesehen. Dagegen gestehe ich aufrichtig, daß ich vergeblich nach einem schönen Antlitze mich umsah, bis eine Erscheinung mich völlig entschädigte. Ewar ein sunge- Mädchen von jener wunderbaren orientalischen Schönheit, deren kurzer aber bezaubernder Frühling de- Südenvollste Gluth au-haucht. Gerade so dachte ich mir unsere Stammmutter Rachel, da der schelmische Knecht ihre- Vatersie zum ersten Male sah, „den Stein von der Mündung de- Brunnenwalzte, sie küßte, seine Stimme aufhod und weinte." — Bei Meisei n war, obwohl eschon zur Dämmerung neigte, immer noch Barmizwahfeier, wie ein Bedienter mir sagte, so daß ich dem Wunsche entsagen mußte, den wackecn Mann kennen zu lernen. Möchte ihm : die Riesenaufgade, in einer der größten Jüdischen Gemeinden Europa'- segen-reich zu wirken, nicht zur Sisyphusarbeit werden, möchten die vielfach sich durchkreuzenden Interessen, die fremdartigen Elemente, Arroganz und Ignoranz seine Kraft nicht brach legen, daß seine Erinnerung an die Oberstadt nicht zur heißen Sehnsucht aufflamme! — Noch einmal zur riefen Abendzeit sah ich mir die Synagoge an, in dunkeln Umrissen, im tiefen Schatten. So stand ich vor acht Tagen vor der Alt-Neuschul m Prag, und drinnen lagen sie auf der Erbe „jammernd in der Nacht, Thranen auf den Wangen, kein Tröster unter ihnen." Möge Dir, Pesther Beth Hamikdafch kein „neunter Ab" erscheinen, religiöser und politischer Fanatismunach dem Blute Diner Erbauer und der Ihrigen nicht lechzen, mögest Du eingeschrieben sein im Buche de- Leben-, einegottgeweihren, Familie, Staat und Gemeinde beglückenden Leben-! — Nach diesem Lebewohl nur ein Schlußwort über große Tempel. Freilich nehmen di« Jüdischen Hauptgemeindm von Tage zu Tage zu. Wie die Ratten dasinkend« Schiff, verlassen die Judm die verfallenden kleinen Städte; Handel und Wandel blüht in dm großen. Dabei sieht man freilich oft nur, wie im Walde, die hohen Baume, nicht daverkrüppelte, verkommende Gestrüpp. Für da- Judenthum, für dessen Macht und Bildung, für sein äußere- und innere- Wohl ttagen diese gcoßm Gemeinden einen bedeutendm Fond in sich, dm viele unbmutzt-lassm, manche verspeculirm. Da- Bedürfniß einegeorduetm Gottesdienstetreibt nun zum Bau großer Synagogen. Wie sollte man auch alle Peediger, Vorsänger und die geeignetm Plätze fi»r