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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 39 (1860) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
39 (1860)
Date
1860-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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155 Das Mädchen ging zur Krau des Justizamtmanns und von hier einigermaßen beruhigt nach Hause. Keibel war dieses Mat wirklich im Recht. Die Frau Justizamtmann hatte sofort nach dem stattgehabten Tumulte ihren Mann rufen, ihn all« andem Termine wegen Unwohlseins verlegen lassen — und besser das große Mißverhältniß der Wirchfchaftsauslagen zu dem knappen Gehalte, die Ausstattuagskosten der Heranwachsenden Töchter berechnend, als ihr Mann, diesen veranlaßt, den gefangenen Juden zu trösten. „Bei Karten und Bier würde ihm die Zeit schon vergehen, und eine schmähliche Beschränkung der Justizamtmannswürde sei eS, baß dieser eine einmal ausgesprochen« Strafe nicht aufheben dürfe, wer gäbe, dürfe auch nehmen, wer Geschenke nehme, auch Gnade geben. So ging'S unserm Jauset recht leidlich. Nachdem er in Pfau'S HimmelSbett süß geschlafen — der Thurm dlied für ihn seitab liegen — alle Insassen aus der Stube gewiesen hatte, damit ec mit Tefillin und Thalis ungestört deren könne, öffnete sich für ihn die auf die Straße führende «isenbeschlagene Pforte mit dem Glockmschlage 10 Uhr. Stolz und ungebeugt, wie ein Triumphator, schritt der Alte heraus, in kcrzengrader Haltung, das Haupt rrhobeN, den Blick sogar freundlich, neben ihm gehend die conbolirend grarulirende Elimiel des Chasans und einiger armer Juden. Erhebt Ihr Thor, bas Haupt, erweitert di« Pforten des Jausel^schen Hauses, der König des Rechts zieht wieder ein, der Märtyrer der Münzstraße, der eiseme Pa miß, der Gebieter der schönen Minke, der Liebling der Frau Amtmännin!! (frrtf'tttitg folgt.) Narr har er mir geantwortet der Meydel. Die Grsußmächte sind gekommen zusamm in Paris und haben gewollt machen ein Rockel für dir Möltrauer und für di« Wol ach en. Sie habm sich nieder >esetzt im Mai, die Graußmächte und seuen gesessm bis im Iheißesten Sommer. Das Röckzl hat nicht gewollt fertig »erden. Unterdessm ist es gewordm August und sehr heiß in Paris und in den Fürstenthümem. Ader merkwürdige Wertung von der Hitze. Die in Paris sind eingeschlafen und die in dm Fürstendümem find sehr wach geworden. Nu^ hat gesagt der Franzos, wißt Ihr was, Ihr Herren Großmächte, ich gebe den kleinen Fürstendümern meinm alten Schlafrock, das heißt meine Constitution,' was meine L^ute nicht mehr drauchm könnm. Gut, haben gesagjr die Graußmächte, her damit, daß mer einmal daS Geschäft abmachm und a bißel Ruhe haben. Und die Moltrauir en. die Wal ach m haben also fe-' kümmen den durchlöcherten Schlafrock von dm Franzose«. Ich glaub — sägt weiter der Mmdel — daß der Schlafroü war einmal epes werth und daß er ist den Franzausen gut gestanden, besonders wenn sie haben noch a schönes rolhes MÜtzerl dazu aufgesetzt. Ader wie werdm unsere Pauem mit ihrer Baarfüßigkeir sich in diesem durchlöcherten Schlafcocke ausnehmend meint der Mmdel. j Sr. Kais. Hoheit dem Groß^rsten Thronfolger Cesacowitsch Nikolai Alexaudrowitsch bei feinem Einzuge in Riga im Jahre 1860 I I geweiht vo» der —1 Aus deu Donausürstenthümern.! (Schluß a»« No. «-> 2. Schreiben deSHandelSmannIoelKitzelks über die neue Verfassung. * Zassy. am. Frörtester Herr Doktur Leben auf Tausend Jahr! Zuerst vor Allem muß Euch miethe theilen, daß chab! gemacht schlechte Geschäft mir die Kakardis. WaS heißt - KitardiS sagen die Moldauer i Brauchen wir die Frahäute- ' zeichen nicht erst auf zu stecken auf unsere Mützm, tragen wir doch selbst unser BolksbümmlicheS Wappen auf unsere Schultern. Wissen'» Herr Doktorlebm was es ist deS Wappm von die Molthauers Schaum Sie epeS nach in der Crenealogie. Sonsten aber ist die Orgel anl» ation von die beiden Länder sehr ausßeuchnet. Sis a Leben auf den Gassen, in den Scheuten und in den Klubs als wäre der Messias schon in den Ferstmhof adgestiegen. Ich habe gefragt meinm Nachbar Mendel, was er meint zu der ganzm Geschichte; er hat mir gesagt: — Hast Du gekennt den alten Rabbi Chaim von Tarteres? — Nu freilich habe ich ihn sehr gekannt. — Der hat gehat eia Enkelchen. Und wie das Enkelchen ist där mizwa (mündig) gewordm, hat er ihm gefchmkt einen alten abgenützten Schlafrock und hat ihm gesagt: Hür hast Du meinen alten Schlafrock, mach Dir eine neue hekesche (Gehrock) daraus. » — W^s verstehst Du unter diesem Gleichuiß, habe ich! geftagt dm Mendel. \ ^gfirjur - Hemeinbe. Willkommm rufe von Herzen Dir mrgegen Mir Tausmdm auch unsere klein« Schaar, Und fleht des Höchsten überreichen Segen Auf Dich herab für jetzt und immerdar! Äu aber nimm diel Wünsche, di« wir hegen. In Gnaden auf, nlimm unser liebend wahr. Und fei uns einst sh machr'ger Schutz und Rather, Wie jetzt es ist^D«in Gottgefaldter Vater. Er weidet alle Es eine Millionen An Seiner Liebe nie erschöpftem Quell, Und nur durch Jh!», dem Dankeshymnm lohnm. Erglänzt auch unsir^ Zukunft sonnenhell: 'Wir dürfm jetzt auf eig'uem Bode» wohnen. Auch uns ist dienstbar Acker jetzt und Well', Und was di« Glaubmsdrüder nur erstrebm, Sein Kaiserliches Wort har's uus gegeben. Und wir? Wie iverdm wir Ihm würdig d^mken Die Liedeswerke, di» durch Ihn geschah'«? — Wir werdm ehren des Gesetzes Schranken, Nicht weichm von der Pflicht gemessner Bahu, Und nimmermehr ini unsrer Treue wantm, Dem bestm Herrscher freudig unterthan, > Und achten als dm höchsten Ruhm auf Erden,! Tharkräfr'ge Bürger Seines Reichs zu rvechm. Und weil aus Liex Liebe nur kann stammm. Ließ Seine Daterhald auch unsre Brust Boa uiegeahnter Liehe Gluth mtflammm. Und freudig stolz siich wir uns deß bewußt. >

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