Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 39 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4908862-5999354-6026379--1724-4910223- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
156 Ihr Hochgefühl rief heul' unS hier zusammen, Läßt jauchzen unS in voller Jubellust:■ Heil Seiner Krone, Seiner Tugend Erben, Heil Dir, für den wir leben, dem wir sterben!- Unser Glaube. O Golk und Vater aller Welt. Der Aller weis und wohl erhält,! Dir sei Dank. Preis und Ehre!^ Was uns das Erdenglück erhält, i Dein Wort ist's, bas es so bestell^, Ist Ausfluß Deiner Lehre. , D'rum soll dies Wort, die Lehr' allein UnS Lehrer für das Leben sein.. Auf unsrer weiten Lebensbahn Schwankt manchmal unser schwach« Kahn Im wilden Sturm der Meere;; Was giedr ihm Richtung, was ihm Plan, Daß glücklich er vollführt di« Bah«? - Dein Wort ist'S, Deine Lehse. D'rum soll dies Wort, die Lehr" allein Uns Führer durch baS Leben sein! Auch wenn der Sturm das Schiff zerschellt, - Wenn Leid und Unglück uns befällt, — Daß nichts de« Frieden störe, — Dies lehrt uns nicht die Außenwest, Die nur an äußern Schein sich hält. Den Trost giedr Deine Lehr^ Drum soll dies Wort, die Lehr' allein . Uns Tröster in dem Leben fein! , — Im. K. Klein. Das Kaüisch. * *} L ES ist dies jenes seltsame, von Geschlecht zu Geschlecht, von Jahrtausend zu Jahrtausend überkommene Gebet, dar in der Sprache des alten Zion lautend, einen wesentlichen Bestandtheil des täglichen Gottesdienstes bildet. Sein Ursprung ist geheimnißvoll Engel sollen es pom Himmel herabgebracht und die Menschen gelehrl hadesi. Um dieses Gebet schlingen sich die weichsten Fäden kindlichen Empfindens und menschlichen Erinnerns; denn es ist das Gebet der- Waisen! Wenn Barer oder Mutter stirbt, solle« es die nachgelassenen Söhne täglich, am Morgen -und am Abend im Gotteshaus« durch das ganze Trauerjahr, und dann am jedesmaligen Todestage, oder wie er in der Sprache der „Gasse" heißt, zur „Jahrzeit" sprechen, denn es wohnt ihm eine gar 'wunderbare?Krafr in ne. AuS dem Munde von Waisen klingend, sprengt es die Gräber und sagt den todlen Ettern, daß ihr Kind ihrer gedenke; dann tritt es unmittelbar vor GorreS Thron und bittet dorr um den neigen Frieden der Dahingeschiedenen, um Schonung unv Barmherzigkeit! > Fürwahr*! wenn es irgend ein Band giedt, stark und «unauflöslich genug, um Himmel und Erde aneinander zu | ketten, fo ist es dieses Gebet! Es hält die Lebenden ani einander und bildet die Brücke in daS geheimnißvoll« Reich I des Todes. Fast könnte man sagen, dieses Gebet sei der | Hüter und Wächter beS Volkes, von dem allein es gebetet wird; in ihm liegt die Bürgschaft seiner eigmen Fortdauer. Kann ein Volk untergeben und in das Nichts zerstäuben — so lange ein Kind seiner Eltern gedenkt? Welche Stürme, . welche Faulniß und Verderbniß müßten vorangegangen sein, welche Mächte müßten an dem Baue eines Volkes genagt (nd gerüttelt haben, der auf dem Felsengrunde der „Fa, milie" rudt? Es mag seltsam klingen. Mitten aus dem Taumel der wüstesten Zerstreuung hat dieses Gebet der Erinnerung manches verwilderte Gemüth aufgeschreckt, daß es sich besann, und wenigstens für kurze Zeit im Anbenkn au die tobten Eltern sich gleichsam heiligte. Solch ein Gemüth überkommr eS dann mit Schauern, wenn es die Wege überschaut, die eS bisher gegangen, und sie mit denen vergleicht, die es gegangen wäre, wenn daS Auge von Varer und Mutter noch über ihm leuchtete! Eben weil dieses Geber eine Wiedergeburt des am Menschen Vergänglichen im Geiste ist, weil es ein bloßes Sterben nicht zugiebt, weil es die Blüthe, die vom Baume der Menschheit welk abqefallen ist, im Gemürhe wieder aufersteden und sich entfalten läßt, darum ist es von fo heilkräftiger und heiligender Gewalt! Zu wissen: Du stirbst, Du trittst aus dieser ewig ruhelosen, so hinfälligen Hülle in ein geheimnißvolles Jenseits, aber die Erdscholle, die über deinem Haupte rauscht und fällt, deckt Dich nicht ganz; es bleiben solche zurück, die wissen, daß Du gejtorben bist, die, wo sie immer auf dem weiten Erdenrunde, ob im Gewände der Armuth ober im schimmernden Prunke des Reichthums sich befinden, dieses Gebet Dir nachsenden; zu wissen: Du nennst keinen grünen Fleck in diesem Lande dein. Du läßt ihnen kein Haus, keinen Hof und Acker zurück, daß sie Dein gedenken müßten, dennoch bewahren fix dein Andenken, al« ihr rheuerstes Erbe . . unbedeutend, verachtet, eine Schaumblase, die Du im Leben warst, erheben sie Dich, wenn Du längst nicht mehr bist, zur Bedeutendheit . . sie raffen Dich aus dem Staube der Vergänglichkeit auf — wer wirb nun Jakob Löw's eigen- - rhümlichen Gedankengang nicht begreifen? und baß er ein Behagen darin finden konnte, fünf Knaben würden ihm einst „Kadisch" nachsagenk . . . Allgemeine Zeitung der Judenthum«. No. 38. 1860. Leitende Artikel: Ueber die Alliance iaraelite universelle. — Bemerkung. — Briefe über die neuesten Erscheinungen in der jüdischen Literatur von I M- Jost, I)r Zeitungsnachrichten: Deutschland: Emden, aus dem - Großherzogthum Hessen, Bad Kffsingen. Preußen: Tilsit. Brom-! bera. Oefterreickischer «aiierstaat: Jungbunzlau, au« Böhmen. Rußland: Milau. * Aus der trefflichen Erzählung : „Jähheit" von K ompert { Zn beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung, in Werrh.eim er'» Jahrbuch für 5621. . Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich % Thaler. I Verantwortlicher Redacreur: £. Nabe. «erl-g »en *anmgärta<r'« SRfttxmMxRs i» Leipzig. — Druck voll G. Sreysinst io Leipzig.