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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 38 (1860) · p. Seite 150

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
38 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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150 manrenen Glanze. Mit dem Anblick der! Geliebten zog der Engel de- Friedenin jede- Kämmerchen: seineaufgeregten G,mürbes, und eine innere Stimme rief ihm;u „Nur gewichen." 2» dieser guten Stimmung ging er sofort;u einem jungen Anwälte, dm er vo»^ der Schule aus kannte, erzählte ibm kurz sein Anliegen!und dar um seine Assistenz, defestm Vorhaben-, jede ^»vective de- Alten mit Ruhe zu tragen. Der Advocar begleitete ihn. Neugierige Blicke der Stadtbewohner verfolgten sie. Manche- Schiebefenster wurde geöffnet, und bedenklich schaute der Kopf Gevatter« Schneider ober Schuftes den Beiden nach. Zm Rathhau-keUrr di-putirten frühe Zecher über den Au-gang de- Prozeffe-. Am lautesten unter ihnen war der lange Feidel, dessen Gestikulationen! und Peroralionen immer heftiger wurden, je mehr chrilliche Zecher in die Bierstube traten. Judm sind ja oftlam giftigsten und verbissensten auf einander, wenn sie christliche Zuschauer hadm. Ich kenne diese Sorte Jeder höhere christliche Beamte, Kaufmann, Fabrikant hat solchen Jüdischen Hoffactor, der ibm schmeichelt, seine Kinbex streichelt, Lakaiendienst« versiebt, die schmutzige Wasche besorgt — und dabei sein Krörengifr auf seine Glaubensgenossen spritzt. Diesen lächerlich macht. Jenen verleumdet, wtznde Flecken in oen Gemeindeangelegenheiken dloßlegt, den Hkabdiner tadelt und den Schulrufer hänselt, — glücklich, wenn seine Schilderungen dem gnädigen Protektor eia lLärbeln abzwingen. Pfui über diese widrige Elienrel, die ^n kleinen Staaten, wie in großen, Minister zu ihren Patronen bar, in der Presse spukt, in den Bureau- und Cqmproirmeuchlingdem Rufe ihrer Brüder, der guten Suche Israels Dolchstöße versetzt. — Auf dem Borsaale s-ß der kleine Rosenthal, in der Attaque auf eine Wurst begriffen, die er eben auseiner Rocktasche gezogen harre. lEr schob die Mütze über'- Gesicht, als er den Gegner stines Gönner- und Lehnsherrn Jausel ansichtig wurde, j und nur mit der rechten Hand seine Heldendrust klopfend, gab er damit Meiern zu verstehen, daß dieser vor »m irdischen Richter seine Sünden deichten solle, damit ibn nicht eine der vier Todesstrafen de- Gerichtträfet Pfßu offnere die Tbür der Gerichtsstude so weit und heftig, dah die Angeln krachten und begleitete die Eintrerenben mit dem lauten Rufe: „Herr Meier, Herr Justizamtmannj" um seinen Vorgesetzten an dm Wischer zu erinnem, den ibm Meiers Beschwerde beim Oberg,richte einst eingetragen hatte. Meier und der Anwalt verneigten sich. Jaüsel trat an'- Fenster, um den Ankömmlingen den Rücken uizubrehen, und ließ seine 'Finger so sicher und geläufig über die Fensterscheibe gleiten, al< wollte er mit allm Läufern und Trillem nur Dariationm über da- Tbema spielen, daal- Sieg,-marsch jetzt in feinem Kopfe vidrirte. Er dürfte sich auch etwamehr herau-nekmm, da er heute früh in dem lächelnden Blick der Frau Justizamtmanp das^ Rektzpisse über eine wohlgenudelte Gans gefunden hatte. Der Termin beginnt. „Sie sind herdeschieden, Herr Meier," näselte diesen der bucklige Justizamtmann an, nachdem »hm die Nauen Brillmgläser auf die Nasmspitze heradgerutßcht waren, „Sie sind' herbeschieden, um — bitte, Herr Jausel, das Klopfen irritirt meine Gedanken und ich habe hmte »»och so viel zu thun (um 10 Uhr gab - frische Wurst im Schützenhauie), also Sie sind berbefchiedm, um — setzen Sie sich nur auf den einen Stuhl, der im Saale ist, lieber Jausel, nämlich Sie sind hier, meine Herren — aber;um Donnerwetter, ist denn ein Regiment Kosacken im Anzuge?" Er klingelte, Pfau öffnete die Thür. Da lag der kleine Rosenthal unter einer Bank und neben ihm Mütze und Papier, Wurstschale und Messer und die kleinen Beinchen strampelten in der Luft umher. Recht so. Was brauchte er auch ohne equilidrisiische Borstudien' sich aus Neugierde auf die Spitze einer Baak zu stellen? Da liegt er nun, und der lange Feidel, anscheinend bemüht ihm aufzuhelfen, kitzelt ihn unter! den Armen und zwickt und kneift ihn dabei, daß der Angstschweiß dem Alten . u» allen Gesichtsporen perlt, während die übrige Eohorre der Zecher, welche der schwere Fall her- : aufgclockt halte, lebhaft applaüdirte. Die Ruhe war wieder hergestellt, der weinende Schreckensmann aller fetten Ochsen nach Hause getragen, — der , Juftizamlmann fuhr fort: „Sie sollen also womöglich sich einigen. Deshalb kann , ich dem Herrn Sachwalter das Wort während des GüteversucheS nicht verstärken, deshalb habe ich sogar meinen Actuarius zu Haufe gelassen. Nun hören Sie, Verklagter: 1) „Ihr Schwiegervater — still, lieber Jausel, was werfea S»e den Kopf, Sie sind nicht mehr Schwiegervater? — also bloö, Herr Jausel? nun, Herr Jausel verlangt ‘ von ihnen Dreierlei: [ 1) Rückgabe des Ihnen geschenkten Hause-, weil Sie sich undankbar gegen ihn benommen, sich dizu schweren Injurien an ihm vergangen, ihn sKgar in Lebensgefahr durch Wasser-nvth gebracht hätten — wahaben Sie hierauf zu erwidern?" „Herr Juftizamlmann, nach meinem schlichten Verstände ist diese» Verlangen unbegründet, weil alle Angaben, auf denen es beruht, falsch sind. Dennoch würde ich da- Haus ’ sofort zurückgeben, wäre es mir nicht alein Theil der Mitgift gegeben,, hätte ich es nicht nörhig, um meine und meiner jetzigen Braut Eristen; zu sichern." „Braut gewesen," schrie Jausel aufspringend. „Still, Alter," besänftigte der Justizamtmann, „schon wieder von der Stange? Also hierauf, dasehe ich schon, gehen Sie nicht ein, so hören Sie den zweiten, eventuellen Antrag." 2) „Ihr Gegner verlangt weiter, baß Sie dem von der Münzstraße heranfließenden und sich sammelnden Regenwasser den Abfluß über Hhr angebliche- Gehöft gestatten, daher die denselben hindernden Anlagen beseitigen, der nicht weitern Beunruhigung halber Caution bestellen, so wie alle durch Ihre widerrechtliche Weigerung und Anlage verursachten Schäden ihm ersetzen." „Herr Richter, da» lasse ich Allebleiben, warum — wird mein Sachwalter noch Gelegenheit haben auseinanderzusetzen." „Der dritte Punkt," fuhr der Amtmann fort. #„Nein, bleiben Sie noch beim zweiten," bat Jausel, „mit bloße» Rein ist mir nicht gebient, von ihm will ich elle Antwort, nicht von feinem Advocalen." „Wer har denn Ihre speciellen Anträge gemacht, lieber Schwiegervater, Sie, ober der Herr Advocat Wagner?" Das war ein Doanerschlag für den Alten, nun ist der Erisapfel gefallen, die Achillesferse ist verwundet, leb wohl, Sühne, freut Euch, Sporteln» und Deservitmbücher! Jausel- Prunken mit Rechtsgelahrrheit war

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