Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 35 (1860) · p. Seite 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
35 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026375--1702-4910205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

138 Grenze, da- Endziel? Auf der Höhheißr es: immer höher — denn Du bist noch «eit zurück! Und feher, m. Br. und Sch«., so ist ja nicht dlodieser Spruch, sondern dieganze h. Wort an un- Alle gerichtet, an die, in welchen die Wei-Heit die Oberhand, denn e« ist immer noch der Thorheit genug in ihnen, so wie an dw Thoren, denn auch in diesen glimmt noch der Funken der! Weisheit, um angefacht zu werden, an die Gerechten, .denn eist deiner, an dessen Händen nicht auch Unrecht klebt, und an die Unrecht Uebenden, denn sie können noch umkehrcn, und des Geraubten sich entkleiden und Gerechtigkeit anziehen als Gewand ihrer Seele. Niemand glaube sich darüber erhaben, aber Niemand auch halte sich dafür verloren - - denn ist nui^ die Erkennmiß noch in ihm vorhanden, daß er geirrt und gefehlt und gefrevelt: so kann er noch gerettet werden, wenn er de- Rufewahrt: rette Dich um Dein Leben! rette Dich zur Höhe hinan! Wir fragen weiter: wann erging dieser Ruf? Alschon da- Verderben feine schwarzen Fittiche über Sedom und Amorah au-dreirete, im Augenblicke, wo der Sturm von oben und da- Erdbeben von unten lo-drechen sollte, als auch Lot schon in den geöffneten Schlund geschleudert zu werben bedroht war. M. Fr.! Wie bezeichnend! Laßt es etwa die Religion an Zurufen fehlen von Kindheit an? Hat sie nicht der Lehren, der Mahnungen, der Warnungen, der Drohungen, der Verheißungen ein« Fülle für un- und enthält sie unniemalvor? Mit dem ersten Schrei de- Menschenkindeempfangt sie un-, mit dem letzten Seufzer de- Sterbenden entlaßt sie un-; an Alle tntt sie heran, an den Knaben, der in da- Leben hinawSeilr, an da- Paar, dasich fiir di« Zukunft verbindet; aon Morgen weckt sie un-, am Abend legt sie ihren Scharren über un-; in der Woche einen Tag, im Monde, im Jahre immer wiederholt halt sie unan auf unserm Wegjr, bei jeglicher Freude lächelt sie unzu, bei jedweder Trauer flüstert sie in unsre Seele hinein — aber wenn wir all Siean unvorübergehen lassen ufld nicht darauf achten, all' ihre Worte nicht hören, all' ihre Mahnungen in den Wind schlagen, all' ihr Bemühen schnöbe abweisen — dennoch in dem Augenblicke, wo da- Verderben seine schwarzen Fittich« über unausbreiten, wo der Sturm von oben uisd das Erdbeben von unten lo-drechen will, auch da noch ouft sie uns zu, laut, schmetternd: Rette Dich für Dein Lebten! tivvr'! je „daß Du nicht hinweggerafft werdest!" Ihr fragt mich: wann ist denn die Stunde solchen Verderben-? wann ist uns solchewohl bereitet? Oefrer alwir «S undenken. Dreifache- Verderben lauert auf un- -r- ^,vor der Thur" sind sie, gelagert, „Du aber kannst herrschen über sie." Das Derdrrben im Bösen; im Bösen, entweder weil Du Deiner dösen Leidenschaften nicht Herr werde« kannst und darum da- Bost thuest — Du weißt, eist döst. Du erkennst ealsolche-, Du möchtest gern, Du iha'test enicht, aber Du thuest edoch, well Du die Herrschaft über Dich verloren, und nicht Kraft genug besitzest, sie Dir wieder zu erobern; oder, noch schlimmer, weil Du gottlos geworden, weil der Glaube und die Erkennrniß, weil die Furcht und die Zucht au- Dir gewichen, die alle Stimmen in Dir zum Schweigen gebracht, und Du mit Hohn und Spott auf die Tugend und da- Recht, da« Laster und die Gewaltkhat übest. Siehe! da har da- Verderben seinen schwarzen Fittich über Dich gebreitet. Und dazweite Verderben ist unenthalten im — Unglück; wenn der Blitz unsere Hütte trifft, wenn Armulh und Elend, wenn Schmach und Noth bei uneinkehren, wenn wir alle die Stufen herunlerstürzen, die wie erklommen. Alles verlieren was wir gewonnen, wenn wir die Unfern leiden, siechen, schmachten sehen, wenn .... Und dadritte Verderben ist im — Tobe! Nicht im Tobe, wenn ec leise die Lippe de- Greises küßt, nach wohlverbrachtem Leben, da- Silberhaupt mir Ehre und Verdienst gekrönt, sondern wenn er sein Schwert mit dem Gifttropfen in da- Herz de- Gatten und Vaters stößt, und -die unerzogenen Kindlein und die hülflost Willwe umjammern da- Lager, oder in da- Herz de- Jünglings, der die Stütze der Eltem und der Jubel der Braue gewesen, oder in da- Her; der Kindlein, welche der köstlichste Besitz der schmerzvergehenden Eltern waren — o da- Alleist Verderben, ein Sturm, der von oben, ein Erdbeben, davon unten lo-bricht, und darauf die Salzflurh der Thronen lange, lange hereinstürzr. Seher, auch in diesen schrecklichen Momenten tritt die Religion zu Euch, und erfaßt Euch mit ihren Mutlerarmen und ruft Euch zu: Rette Dich um Dein Leben, rette Dich zur Höhe hinauf! Und so gelangen wir zur dritten, wichtigsten Frage: wabedeutet vieler Ruf? was saget er un-? was verlangt «r von uns? Der Mensch von Staub, sein Leib audenselben Stoffen, in derselben Weise, nach denselben Gesetzen geformt, wie der Stein, die Pflanze, da- Thier, nur in aufsteigendec Linie. So wird er, so lebt er, so vergeht er. Ader in diesem thierischen Leid au- Staub der lebendige Odem Gotte-, die Seele in der Aehnlichkeit mir Gott, nach dem Ebenbilde Gottes. Darum gehet er aufrecht unter den Wesen der Erde umher, da» Haupt emporgerichtet, die Augen dem Himmel zugewandt. Dieist da» Bild des Menschen in allen seinen Beziehungen. An den Boden ist er gebunden, aber er strebet aufwärts, und dahin sind seine Gedanken gerichtet. Was sein Körper nicht vermag, der sich nicht von der Erde erheben kann, sein Geist fliegt durch die Welten, eilt mir den Stemm ihre Bahnen, lüftet den Schleier der Schöpfung, dringt hinter die Geheimnisse Gottes! Wohl, so ist eigentlich der Zuruf, der unan der Schwelle de-Lebens empfängt: Strebe zur Höhe hinan! All'unsere .Aufgabe, all' unser- Ringen- und Schaffen- Inhalt: strebe zur Höhe hinan! Aber da sind eben der Gewichte gar viele, die ihn unten, die ihn in der Niederung fest- und jeglichen Aufschwung Niederhalten. Daß ec fort und fort für diesen thierischen Leid zu sorgen, seinen sinnlichen Theil zu befriedigen hat; daß er darum für den täglichen Bedarf, daß er um den Erwerb arbeiten muß, Jedweder wie ein Knecht;;a daß nur sein sinnlicher Theil ihn mit Begierden und Leidenschaften erfüllt, die ihn hinabziehen in den Staub, ja die ihn tiefer Hinabdrücken können, als da- Thier; daß sich nun um ihn ein Netz bürgerlicher Verhältnisse gewoben, das ihn von allen Seiten festhält, in seine Maschen verstrickt, mit seinen Faden und Stricken umfesselt, daß da in feiner Seele tausend niedrige Gedanken, hundert gemeine Gefühle entstehen, wie Neid und Mißgunst, Eifersucht und Haß, die endlich zu verbrecherischen Flammen auflodern wie Rache und Wohilust — das sind die kleinen und großen, die leichten und schwecm Gewichte, die sich dem Menschen anhangen, daß die Flügel seine- Geistevergebensich abmühen, er kann nicht in die Höhe, er bleibet drunten, o

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.