Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 35 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
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ISS er sinkt gar tiefer in den schlammigen Gmnd des -eben-! ... Doch gemach! Das hat der Herr dem Menschen gegeben, daß er selbst all' diese gewöhnlichen und materiellen Verhältnisse mit dem Adel seines Geistes veredeln, sie vergeistigen kann! Er kann in di« Befriedigung seine-leiblichen Bedürfen- Ordnung und Mäßigkeit, Anstand und Sitte hinetnbringen und mit Geschmack und Lieblichkeit umgeben; er kann in seinen Erwerb strengste Rechtlichkeit, Geistesthätigkeit, Fleiß, Beharrlichkeit versenken; er kann seinen bürgerlichen Verhältnissen Ehrenhaftigkeit, Aufopferung, Großsinn aufprägen; «rjkann in feinen Beziehungen zu seinen Mitmenschen Liede, Äohlthärigkeir, Versöhnlichkeit, Frieden-liebe. Unparteilichkeit, die Uedung jeglicher Tugend bewähren: so daß Alle-, wader Mensch berührt, den Stempel de- Guten, Edlen, Erhabenen erhalten kann, daß er da- Gemeine adeln, da- Niedrige erheben kann! Nein! der Mensch braucht niemals auf der Erde zu kriechen, er vermag überall sein Halwt aufzurichten und fein Antlitz der Sonne zuzuwenden, selbst der der niedrigsten Btschäftigung > braucht er den Gott ähnlichen Geist nicht zu verläugnen, seiner Würde selbst in der zerfallenden Hütte nicht zu entsagen. Verstehet Ihr nun dm Aurvf der Boten de- Herm: rette zur Höhe Dich hinauf l Wenn da- Verderben des Todeum Dich wüchet und Dich zu verschlingm droht — zur Höhe hinan, zu Gott hinauf, nicht der Tod ist der Uebel größte-, nicht die wmigen Tage de- Lebenaldahöchste Gur erachtet, für da- All,- hinzugeben, wagilt eander-, aldiese- Erdendasein um einige Tage zu verlängern oder zu verkürzm, das Ende ist ja doch unausweichlich -rhöher hinauf, den Tod überwunden durch die Zuversicht auf Gott, durch die Gewißheit eines höher» Zieles, durch da- Bewußtsein der Kraft und der Lied«, die ewig sind: dann bist Du gerettet, gerettet am Grabe der Deinen, ober sinkend in daeigene Grab! Wenn da- Verderben de- Unglücküber Dich kommt,, um Dich lagert — rette zur Höh« Dich! Je mehr Du! trägst, desto stärker wirst Du; je Größerm Du entsagst, > desto größer wirst Du; je weiser Du Dich in Alle« findest, j desto geringer erscheint e« Dir. Weißt Du in der Thar,j ob es Dein Unglück ist? Vieleist die-, weil e- Dir so! scheint. Weißt Du wirklich, wie lange es anwährt? wie sehr esich in'- Beßre verkehrt? Alleist Wechsel, Allevorübergehend, Alles Prüfung — siehe, wie geläutert, geedelt, Gott hingegedener Du wirst — fürwahr! Du bist gerettet.! 1 Wenn aber das Verderben de- Bösen in Deinem ganzen > Herzen, in Deiner ganzen Seele Platz gegriffm, Dein Geist ' wie von ätzendem Gifte angefressen. Dein Leben wie von Pesthauch durchweht ist — nein! ich lasse Dich nicht, auch da der Zuruf: zur Höhe rette Dich! um Dein Leben! um Dein Heil hienieden und Jenseits! Glaub' es, es giebt unheilbare Krankheiten und Schäden de- Leibe«, aber nicht der Seele. Siehe, Dein Gott giedt Dir Zeit, Dein Gott giebt Dir freie Bahn, giebt Dir Umkehr, giedt Dir Versöhnung! „Ich, ich erbarme mich Dein und verzeihe Dir!" t Bändige, da« böse Feuer in Dir und ersticke es; streife die. Fesseln der niedrigen Leidenschaften ab; strebe au- Deiner gemeinen Gesinnung heraus, schaffe dk« erbärmliche Anschauung vom Leben von Dir; erhebe, erhebe Dich zu dem Gebtürken an Gott, zu Idee der Selbstüberwindung, zur Lehre der Heiligung;! immer höher, höher hinauf: o öffne Dein Herz wieder, den Gefühlen der Lieb«, glaube wieder an da- Dasein der Tugmd, an die Würde der Gerechtigkeit, an die Wirklichkeit der Geiste-größe; laß die Lichtstrahlen aus Deiner Kindheit, au- Deiner Jugend noch einmal auf die Höhen dt- Lebms fallen, daß sie erglänzm — siehe. Du bist gerettet. Du wirst nicht hinweggerafft! ... Nichts Eindringlicheres vermöchte daher' dieser Tag uns zuzurufen, asdass Wort der Borm de« Herm an Lot. Es ist der Weckungsruf, der uns den Weg zeigt, den wir zu der erhabenen FesteSzeit gehen sollen, die uns devorsteht. Und wie legen »ene Boten diesen Ruf den Lot an'S Herz: -ia*n b« „bleibe nicht stehen," *ino „eile, rette Dich!" Ist es uns Emst, so dürfen auch wir nicht zögem, auch wir müssen nicht anstehen, Hand an's Werk zu legm. Du zweifelst: ist denn die Stunde des Verderbens so nahe? Qb sie nahe ist oder noch fem, aber wer weiß die«? und da Du es nicht weißt, kann sie Dir eben so gut nahe wie fern sein. Und da sie so nahe sein kann, als ob sie über Deinem Haupte schon schwebte: so bleibe nicht stehen, eile, rette Dich! Zur Höhe hinan! her Weg ist steil, in der Windung geht'« sich bequemer, aber er ist doch gangbar, und droben bist Du nicht allein dem fluthendm Gewässer entgangm, sondern die reine, erfrischende Himmelsluft umweht Dich, daß Deine g,ängstigt« Brust hoch aufathmet und Dein durchdangte« Herz sich wieder belebt, und droben hast Du die weite Aussicht über all' die Schluchtm und Thäler hinweg, und Du siehst die Sonne Deine« Leben« ruhig im Glan; der Abendwolken unrergehe«. Wer solch« Gatte-hohe erklimmt hat, was frägt! er nach Feindm, die ihn begeifem und befehden — er achtet ihrer nicht, auch di« Sorgen und Mühen des Lebens werden ihm leicht, denn er weiß, dazu ist er da, sie. zu ertragen, und ihm legt sie sein Vater im Himmel auf — auch die.Ehren und Güter de« Lebens wiegen ihm nicht mehr/ als zu was Gutem er sie brauchen könnte — nur Erkenntnlß de« Höchsten, nur lauterste Liebe, nur volle« Recht sind die Steme.^nach denm er schaut und zu denen er sich aufschwingt und so geht er auch dm großen Festen der Versöhnung entgegen, vorbereitet, mit Emst und Hoffnung. - David und Nathau. aus No. 33.) 13. „Sv stehst Du da ein reicher, reicher Mann, „So reich, daß keines auf dem Erdmmnd „An Ehr' und Glanz mit'Dir sich messm kann. „Doch unersättlich, vtie der Höllenfchlund, „Stahlst Du dem ärgsten, ärmsten Kriegesmann, „Jndeß für Dich im Krieg-gnvühl er stund, „Stahlst Du Uriah hageliebte Weib „Und ließest meuchlings morden seinen Leib. s