Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 35 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. 3« Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem ZeKiete. Herausgegebm von Rabbiner vr. Lsdwig PHUi-Pso» in Magdeburg. lNo. 35. 1860.1 Vv» diesrr Zrilschrttl erschriNt »»choUtch ei« N»»«rr. Preis U* 3»$*. ga»g» l Z>tr. Oienettttzri, 7 W R*t. IBe B>chh«>dl»»se», P»ftL»rrr »»d Z«to>»,»er»edir»»»e, ,etz»e» Veste»»»se» ojl [7. J adrg. 3. Quartal] Zur Höhe! Betrachtung;um Sabbach Reumood de« Ellul. In dem Kreislauf des Jahres brgehen wir heute den ersten Lag des Monates, der als Vorbereitung gilt für den ehrfurchtsvollen Frstreigen, der mit dem Schlüsse desselben beginnt, des Monates, in welchem bereits täglich die Töne des Schofars gehört, in dessen letzter Woche die Selichoth, die Bußgebete emporgesandt iverdea, des Monats daher, in welchem wir bereits voll religiösen Ernstes den Blick auf die kommende Zeit der Seldstprüfung, Selbst» erkenntniß, Versöhnung mit Gott und unfern Mitmenschen gerichtet haben sollen- Es geschiehek häufig, daß im Menschenleben und Menschengeiste die störksten Erregungen in Einem Augenblicke, wie im Sprung«, wechseln, daß die Freude sich urplötzlich in Trauer, das Weh sich urplötzlich in Jubel wandele, daß mitten in den Sieg die Niederlage, mitten in den Sturz die Aufrichtung hineinstürmr — aber um so weniger tief wurzeln dies« Affecte, und das leicht bewegliche Gemüth läßt sie ein und aus zu seinm Thoren. Anders soll es darum sein auf dem religiösen Gebiete. Je langsamer, je besonnener der Mensch hier anbaut, mit je ansteigenderer Fürsorge er hier vorbereiter, pflegt, wacht: desto sichrer werden die Erfolge, dis das ganze Gemüth, die ganze Seele davon durchdrungen ist, und was so gewonnen ward, schwindet nie mehr, mindestens nie mehr ganz. Wir sehen uns daher um, was wohl heute ein« solche Vorbereitung für das erhabene Werk der kommenden Feste in uns zu erwecken, was, wenn auch noch von Ferne, uns dahin zu führm und anzuleiteN, uns den Weg dahin zu eröffnen vermöge — und finden es in einer Erzählung der h. Schrift und in einem Worte derselbe«, wo wir es kaum suchen mögen. Wer kennt nicht den Bericht im I. B. Mos. vom Untergange des Siddimthales und der darin gelegene» Städte Sedom und Amorah. Sie hatten gefrevelt, wie selten Menschen, wider Gott, die Menschen und sich selbst, sie hatten vor dem Scheußlichsten nicht zurückgebebt, und alle Wamung durch Gottes Geschick war fruchtlos geblieben bei ihnen. Damm sollten sie, ihre Wohnungen, ihre Statten vertilgt werdm vom Erdboden, für sie zur Strafe, fuc alle Menschengeschlechter zum abschreckenden Beispiel. Nur Liner soll» gereittt werden, weil er sich frei erhalten von ihrem Frevel, Lot, der Neffe Abraham'-. Und es sprachen zu ihm die Boten des Herm: "pcoa b» Rette Dich um- Dein Lebm." myn im O'an b« „blicke nicht hinter Dich und bleib« nicht stehen," vbvn „auf die Höhe rette Dich!" Auf die Hlh«! Wohl, m. Fr-, dieser Zuruf jran Boten des Herrn an Lot, er soll hmte auch an uns ergehe^, ihn mfet der hmtige Sabbath, ihn dieser Monat Ellul wie ein Bot« der Zukunft, sagen «kr selbst wie ein Byte des Herm uns zu: „Rette Dich um Dein Lebm, wtt« Dich auf die Höhe hinauf!" j Kragen wir zuerst^: an wen ward dieser Spmch gerichtet? An Lot. Wer war Lot? Ein weiser Mann, dmn er verließ mit Abraham da- Land des Götzendimstes, und wandte sich dem Lande der Verheißung zu, er hing an der Erkmntniß des einzigm, allmächtigen Gottes und opftrte dafür Heimach und Verwandtschaft. Und dennoch auch ein thörichter Mann, dmn um der Fruchtbarkeit des Lodens willm wählte er Sedom. und Amorah, die Frevelstädte, zu seinem Sitze, und kehtte zweimal dahin eia, selbst als er von dm Königen des Nordens in Eedom wir dessen Bewohnem gefangen und fortgefühtt und nur durch die tapfere Hülfe Adraham's und feiner Frmnde wieder defteit worden. Er war ein gerechter Mann, der einzig« in jmm Städtm, und dämm sollte er gerettet werdm, und so erwies er sich insonders gegm die Fremden, die er unter seinem gastlichen Dach« aufgmommm, und für derm Rettung er sich und di« Seinigm hatte opfem wollm; aber doch auch ungerecht, dmn er duldete dm Streit bei seinm Hirrm gegm die Hittm Adraham's, und als Abraham, sein Oheim und das Haupt des Zuge», in seiner Bescheidenheit, ihm ftei stellt«, bei ihrer Trmnung, das beste Land sich zu wählm, das er dann meiden wolle — nahm er dies an, und suchte sich dm Bortheil zu wahrm, de» von Rechtswegm seinem Oheim Abraham gehötte. Also weise und thöricht, gerecht und ungerecht zugleich in «igenthümlicher Mischung, wie, nun ja. wie es bei der Mehrzahl der Menschen staufinder. Und dämm ist dieser Zumf an uns Alle gerichtet. Nein, nicht an die Bewohner Sedom's und Amorah's erging er, dmn diese warm zu tief gesunkm, um sich noch in die Höhe retten zu können, sie warm bem Verderben ganz anheimgefallm, auch nicht an Abraham, den Einzigm, der hoch auf der Höhe der Gotttsfurcht und Lieb« stand, — aber an dm Mann, in welchem sich Weisheit und Thorheit, Gerechtigkeit und Unrecht mischtm, an uns All«, an welchen ähnlicher Weise so Weisheit wie Thorheit, so Recht wie Unrecht ihrm Ücheil habe». Haber ihr eine ander« Meinung von Euch? haltet Ihr Euch für solche, die schon auf der Höhe angelangt? dir schon über alle Niederung erhaben sind? Und in der Th«, wo ist für dm Menschmgeist die